Armin Assinger

Assinger: "Gute Besserung, Speed-GOAT Lindsey!"

Aus den Augen eines ehemaligen Rennläufers zitterte Armin Assinger mit Lindsey Vonn mit und erklärt, wie es zum bitteren Ende kommen konnte. Auch Daniel Hemetsberger hätte sich ein Happy End à la Hollywood verdient.

Bewundernswert war die Zuversicht, mit der sich Lindsey Vonn in ihr Olympia-Abenteuer gestürzt hat, allemal. Auch die beiden Trainings verliefen vielversprechend. 

Das bis Ende Jänner so großartig gelaufene Comeback erfuhr leider, leider ein unverdient dramatisches Ende. 

Plötzlich wurde das "gute" Knie zum Problem

Aber letztlich war Lindsey nicht in der Lage, die letzten Unsicherheiten auszublenden. Da kannst du machen, was du willst. Da fährt im Unterbewusstsein die Gewissheit mit, dass du dich auf das linke Knie nicht verlassen kannst. Vor dem neuerlichen Kreuzbandriss hatte sie sich auf das gesunde linke Knie verlassen und das rechte (mit Teilprothese!) intuitiv entlasten können. Aber plötzlich wurde das linke Knie zum Problem. Deswegen landete sie im Training für die Olympia-Abfahrt immer mit dem rechten Bein zuerst. 

Am Sonntag ging es um alles: Rechts repariert, links mit gerissenem Kreuzband. Unter diesen Voraussetzungen hat der kleinste Fahrfehler, den du sonst mirnix-dirnix korrigieren kannst, oft schicksalshafte Auswirkungen. Gute Besserung Speed-GOAT Lindsey, du bist auch ohne Olympia-Gold in Cortina die größte Abfahrerin aller Zeiten!

Lindsey Vonn
© Getty

"Hemi" verpasste Hollywood-Story

Und jetzt zu den Herren: Hut ab vor Daniel Hemetsberger! Seine Leistung ist nicht hoch genug einzuschätzen. Es wäre die nächste Hollywood-Story gewesen, hätte "Hemi" eine Medaille gewonnen!

Hemetsberger
© GEPA

Nun denn, Von Allmen hat es gerichtet. Fehlerlos hat der Kerldie Olympia-Stelvio bezwungen, ihr insbesondere im Mittelteil seinen Willen regelrecht aufgezwungen. Was für einen Höhenflug hat der in den vergangenen beiden Wintern hingelegt! Dem kann nicht einmal der Superlativ "kometenhaft" gerecht werden. 

Ähnliches gilt für Giovanni Franzoni, der dem Druck und der Erwartung aus dem eigenen Land nicht nur standgehalten hat - eindrucksvoller kannst du kaum abliefern! So nebenbei konnte er noch das teaminterne Duell mit Dome Paris für sich entscheiden. Bei beiden Azzurri war kein großer Fehler erkennbar, da haben lediglich Nuancen den Ausschlag gegeben. Bei Paris waren vielleicht am Zielhang zwei, drei kleine "Rüttler" erkennbar.  

Der große Verlierer ist leider Marco Odermatt bei dem es im Vergleich zu den Stockerl-Kollegen nicht so richtig "flutschte". Ein Meter hier zu weit, dort ein kleiner Wackler - und weg war die fix angepeilte Goldmedaille.

Bei Vinc Kriechmayr lag der Hund in der Traverse begraben, wie er selbst meinte. In diesem Abschnitt hatte er ein Defizit von rund 5 km/h aufgerissen - die restlichen 80% waren eindrucksvoll, die Medaillenchance trotzdem dahin. 

Bleibt für unser Speed-Team die Hoffnung auf mehr Glück im Super-G!

Armin Assinger ist ehemaliger Skirennläufer (4 Weltcupsiege) und langjähriger ORF-Skianalytiker.

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