Es ist durchaus möglich, dass Benjamin Karl schon bald als letzter Olympiasieger der Parallel-Snowboarder firmieren wird.
Die Alpin-Sparte steht beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) auf der sogenannten "Watchlist" und droht, ab 2030 aus dem Programm gestrichen zu werden. "Ich habe im Ziel schon mit den Verantwortlichen gesprochen und ich kann sagen: Zu 99 Prozent bleiben wir im Programm", versuchte Karl nach der Wiederholung seines Coups zu beschwichtigen.
"Es war Lobbying, gutes Lobbying, mehr nicht", sagte Österreichs Snowboarder Alexander Payer, seines Zeichens Athletensprecher. Für ihn ist weiter keine eindeutige Tendenz erkennbar. Weil für Payer am Sonntag bereits in der Qualifikation Schluss war, konnte er das weitere Rennen an der Seite von Mitgliedern der IOC-Programmkommission und FIS-CEO Urs Lehmann verfolgen. Er berichtete von positiven Gesprächen. "Es war eine gute Show, viele Zuschauer, wenn das keinen Anklang findet, geht es ihnen nicht um den Sport per se", sagte Payer zur APA.
"Sind die Wurzel des Snowboardsports"
Vorsitzender der Programm-Kommission ist der ehemalige ÖOC-Präsident Karl Stoss. Payer kennt die Argumente des IOC. "Ich verstehe sie aber nicht. Erklärt wird es mir als zu teuer, weil nur ein Bewerb durchs Ziel fährt." Olympiasieger Karl bezeichnete die Diskussion generell als "absurd". "Wir brauchen einen Meter Schneeauflage, ein Ziel, einen Start, ein paar Tore und fertig. Finito", sagte Karl. "Wir haben Damen und Herren, viel Asien-Anteil, Australier, Amerikaner, ganz Europa. Wir sind die Wurzel des Snowboardsports."
Die Kosten-Rechnung ist für Payer nicht zuletzt ein vorgeschobenes Argument. "Es rührt mediengesteuert aus Amerika her. Die wollen in acht Jahren in Salt Lake City "Rail Jam" im Programm haben und schon in vier Jahren soll Freeride olympisch werden." Beim Rail Jam wird über Metallstangen, Boxen und andere Hindernisse gerutscht und getrickst. "Man will Platz im Programm schaffen und schaut, wo am wenigsten Widerstand besteht. Ich weiß nicht, ob es Sinn macht, immer noch kompliziertere Sportarten aufzunehmen", sagte Payer.
Die Entwicklung spiegelt laut ihm den Zeitgeist wider. "Es zählt nur noch die große Show - à la Donald Trump. Gestern wurde ich gefragt, ob ein Riesen-Star helfen würde", sagte Payer. "Mehr als eine Ausnahmeerscheinung wie Ester Ledecka können wir nicht bieten. Snoop Dog werden wir nicht in den Weltcup bringen."
Obmann: Olympia-Aus hätte dramatische Folgen
"Ich liebe es, Slopestyle, Big Air, Halfpipe zuzuschauen, aber mit dem eigentlichen Snowboarden hat es nicht mehr viel zu tun. Wir sind die Ur-Sportart", meinte der Kärntner Fabian Obmann, der am Sonntag als Podestanwärter angereist, bereits in der Qualifikation hängen blieb. Der 29-Jährige hat das Worst-Case-Szenario für seinen Sport vor Augen. "Wenn Olympia wegfällt, sind wir dem Tode geweiht. Wer weiß, ob es dann in zehn Jahren noch Alpin-Boarder auf der Piste gibt. Es ist jetzt schon schwierig, an entsprechendes Material in Europa zu kommen", sagte Obmann.
In geeinter Front traten die Medaillengewinner am Sonntag auf. "Ich werde mein Bestes geben, um unseren Sport zu verteidigen", sagte Silbermedaillengewinner Kim Sang-kyum aus Südkorea. "Wir haben sehr viele Kids in Bulgarien, die hart trainieren und ihren Traum von Olympia verfolgen. Ihnen das wegzunehmen, ist nur grausam", erklärte der Drittplatzierte, Terwel Samfirow.
Kampagne für den Olympia-Verbleib
"Wir haben viele Junge, auch wenn man das oft nicht auf der Piste sieht", bekräftigte Claudia Riegler. "Wir haben eine Kampagne gestartet auf Instagram, wo wir eine Message senden, warum dieser Sport weiterleben soll." Die 52-Jährige blickte zweckoptimistisch in die Zukunft: "Es wurde schon 2002 gesagt, dass wir dann weg sind vom Fenster. Wir sind noch immer da."