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"Je mehr Protein, desto besser" – Mythos oder Wahrheit?

Protein ist ein essenzieller Nährstoff, das ist unumstritten – aber stimmt es, dass immer mehr davon auch immer besser ist? Dieser Mythos hält sich hartnäckig, besonders im Fitness- und Ernährungsbereich. Wir schauen uns an, was die Wissenschaft wirklich sagt. 

Mythos #1: Mehr Protein bedeutet automatisch mehr Muskelaufbau

Was viele denken: „Wenn ich doppelt so viel Protein esse, baue ich auch doppelt so viel Muskelmasse auf.“

Die Realität: In der Forschung zeigt sich, sobald der Proteinbedarf gedeckt ist, bringt zusätzliches Protein kaum Vorteile für den Muskelaufbau bei gesunden Erwachsenen.
Die Muskelsynthese ist limitiert: Der Körper kann nur eine gewisse Menge Aminosäuren gleichzeitig nutzen. Überschüssiges Protein wird entweder als Energie verbrannt oder umgewandelt und gespeichert. Übermäßige Proteinzufuhr steigert also nicht proportional den Muskelaufbau.

Mythos #2: Alle sollten extrem viel Protein essen

Was viele glauben: „Jeder braucht mega viel Protein — egal ob Sportler oder Nicht-Sportler.“

Die Realität: Der Proteinbedarf ist individuell und situationsabhängig:

  • Sitzende Personen brauchen weniger als aktive Personen.
  • Kraftsportler oder ältere Menschen haben oft einen etwas höheren Bedarf.
  • Gesunde Erwachsene erzielen bei ~1,2–1,6 g Protein/kg Körpergewicht meist optimale Ergebnisse.

Zum Vergleich: die allgemeinen Empfehlungen liegen bei ~0,8 g/kg Körpergewicht. Mehr als 2 g/kg Körpergewicht zeigt bei vielen keinen zusätzlichen Nutzen — und kann sogar unnötig sein.

© getty images

Mythos #3: Protein-Shakes sind besser als „normales“ Essen

Was viele erwarten: „Proteinpulver baut mehr Muskeln als Hähnchen, Eier und Hülsenfrüchte.“

Die Realität: Proteinpulver ist praktisch, aber nicht automatisch besser. Was zählt, ist die Gesamtmenge und -qualität der Proteinaufnahme über den Tag verteilt.

Vorteil normaler Lebensmittel:

  • Sie liefern zusätzlich Mikronährstoffe, Ballaststoffe und gesunde Fette.
  • Sie sättigen meist besser.

Proteinshakes sind vor allem dann sinnvoll, wenn die tägliche Menge sonst schwer zu erreichen ist — z. B. bei sehr hohem Bedarf, unterwegs oder bei Appetitproblemen.

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Mythos #4: Zu viel Protein ist harmlos

Was manche sagen: „Proteine kann man nicht überdosieren – man scheidet einfach aus, was man nicht braucht.“

Die Realität: Kurzfristig schadet eine erhöhte Proteinzufuhr gesunden Personen selten.

Aber bei langfristig extrem hoher Aufnahme können Risiken steigen, etwa:

  • erhöhter Nieren- bzw. Nierenstress bei Menschen mit bestehender Nierenerkrankung
  • mögliche Dehydration, wenn nicht genug Wasser getrunken wird
  • geringe Aufnahme anderer Makronährstoffe (z. B. Kohlenhydrate) → Leistungsverlust bei Ausdauersport

Menschen mit Nierenproblemen, Lebererkrankungen oder bestimmten Stoffwechselstörungen sollten ihre Proteinzufuhr unbedingt ärztlich abklären.

Was ist sinnvoll?

1. Proteinbedarf decken — nicht dramatisch überschreiten.

Für die meisten Erwachsenen bedeutet das:

  • ~1,0–1,6 g Protein pro kg Körpergewicht/Tag
  • verteilt auf mehrere Mahlzeiten
  • aus vielfältigen Quellen (pflanzlich + tierisch, wenn gewünscht)

2. Auf Gesamtbilanz achten: Proteine sind wichtig — aber ohne ausreichend Energie und andere Nährstoffe kann der Körper sie nicht optimal nutzen.

3. Zielorientiert essen:

  • Für Muskelaufbau: etwas mehr essen und trainieren 
  • Zum Abnehmen: eiweißbetonte Ernährung fördert zumeist die Sättigung, ist also hilfreich
  • Im Alltag bzw. zur Gewichtserhaltung: moderate, ausgewogene Mengen

„Je mehr Protein, desto besser“ ist ein Mythos. Protein ist wichtig — aber nur bis zu einem Punkt, den dein Körper nutzen kann. Darüber hinaus bringt es keinen zusätzlichen Vorteil und kann sogar Nachteile haben.

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