Über 10.000 Haustierbesitzerinnen und Haustierbesitzer schlagen Alarm. Der Grund: Zwei erschossene Hunde – und ein Jagdrecht, das viele für völlig aus der Zeit gefallen halten.
Nur sieben Tage nach dem Start der Petition „Haustierabschuss stoppen – JETZT!“ haben mehr als 10.000 Menschen unterschrieben. Ein deutliches Signal: Das Vertrauen in den Schutz von Haustieren ist massiv erschüttert.
Auslöser waren zwei tödliche Vorfälle innerhalb weniger Wochen.
Ende Dezember wurde Bordercollie Cooper in Oberösterreich erschossen – bei Tageslicht, nur wenige Meter neben seinem Besitzer, trotz neonfarbenem Brustgeschirr.
Kurz darauf der nächste Schock: In der Steiermark wurde Hündin Bailey, ein Australian-Shepherd-Husky-Mix, getötet. Auch sie trug eine Warnweste. Der Abstand zum Hochstand: rund 17 Meter.
In beiden Fällen lautete die Begründung der Schützen, man habe die Hunde für Füchse gehalten.
Für Tierschutz Austria ist das kein tragischer Zufall mehr, sondern ein strukturelles Problem.
„Das sind keine tragischen Einzelfälle mehr – das ist das Ergebnis eines Jagdrechts, das Haustiere nicht schützt. Wenn Hunde mit Warnwesten erschossen werden, läuft in diesem System etwas fundamental falsch. Dieses Gesetz gehört dringend reformiert.“ So Martin Aschauer, Sprecher von Tierschutz Austria.
Besonders brisant: Der Abschuss von Haustieren ist in Österreich auf rund 98 Prozent der Landesfläche erlaubt – je nach Bundesland mit unterschiedlichen, teils sehr weit gefassten Regelungen.
In Niederösterreich ist der Abschuss in bestimmten Fällen sogar verpflichtend.
In Oberösterreich und Tirol dürfen Tiere nach dem Fang in Lebendfallen getötet werden.
In der Steiermark reichen oft unklare Kriterien wie „wild jagend“.
Ein aktuelles Rechtsgutachten von Univ.-Prof.in Dr.in Erika Wagner aus dem Jahr 2025 bestätigt eine massive Rechtslücke: Der Abschuss von Haustieren sei verfassungswidrig, unverhältnismäßig und ethisch nicht vertretbar. Zudem würden Jagdhunde rechtlich anders behandelt als Familienhunde – eine sachlich kaum haltbare Ungleichbehandlung.
Michaela Lehner, Leiterin der Stabstelle Recht für Tierschutz Austria appelliert: „Wenn Hunde mit Warnweste oder neonfarbenem Geschirr mit Füchsen verwechselt werden, haben wir ein massives Sicherheitsproblem. Neonfarbene Warnwesten schützen Hunde nicht vor Kugeln. Unsere Jagdgesetze stammen aus Zeiten, in denen Haustiere keine Familienmitglieder waren – das passt nicht mehr zur heutigen Realität.“
Der Fall der Katze Peach zeigt, wie dramatisch die Lage ist: Sie wurde in einer Lebendfalle gefangen und anschließend per Kopfschuss getötet. Trotz Anzeige kam es zu einem Freispruch.
Tierschutz Austria fordert deshalb eine umfassende Reform der Jagdgesetze:
Ein österreichweites Verbot des Haustierabschusses, psychologische Eignungstests für Jagdscheinbesitzer:innen, ein Alkoholverbot bei der Jagd sowie den sofortigen Entzug von Jagd- und Waffenkarte bei Verstößen.
Besonders kritisch sehen die Tierschützer eine Sicherheitslücke im Waffengesetz:
Während viele Waffenbesitzer:innen seit der Novelle 2025 psychologische Gutachten vorlegen müssen, sind Jäger:innen davon weiterhin ausgenommen.
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„Das ist ein untragbares Sicherheitsrisiko. Diese Personen sind mit scharfen Waffen im öffentlichen Raum unterwegs. Andere Länder zeigen, dass es anders geht – in Frankreich ist die Jagd unter Alkoholeinfluss seit 2023 ausdrücklich verboten.“, sagt Michaela Lehner abschließend.
Für Tierschutz Austria ist klar:
Jeder erschossene Hund, jede getötete Katze ist ein Opfer politischer Versäumnisse.
Die mehr als 10.000 Unterschriften sollen nun unter anderem an Klimaminister Norbert Totschnig sowie die zuständigen Landesrät:innen übergeben werden.
Der Appell der Organisation ist deutlich:Haustiere sind Familienmitglieder – und müssen auch rechtlich endlich so behandelt werden.