1 Toter bei Explosion in französischem AKW
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 1 Toter bei Explosion in französischem AKW
 1 Toter bei Explosion in französischem AKW

Keine Kontamination

1 Toter bei Explosion in französischem AKW

Bei Avignon flog ein Ofen mit atomarem Müll in die Luft. Das AKW ist stillgelegt.

Fast auf den Tag genau vor sechs Monaten erschütterte die Atom-Katastrophe von Fukushima die Welt, und jetzt das: In Frankreich kam es gestern um 11.45 Uhr in einem Meiler zu einem gefährlichen Zwischenfall. Europa bangte vor den Folgen. In der Atomanlage Marcoule, 30 Kilometer nördlich von Avignon, explodierte ein Ofen mit radioaktiven Abfällen.

Ein Arbeiter hatte keine Chance. In Sekundenschnelle verbrannte er durch die enorme Hitzeentwicklung, wie die Betreiberfirma EDF erklärte. Vier seiner Kollegen wurden ebenfalls verletzt, ­einer davon schwer.

In Verbrennungsofen alte, radioaktive Teile entsorgt
Doch schon kurz nach der Katastrophe versuchten Betreiber und Behörden zu beruhigen: Radioaktive Stoffe seien nicht ausgetreten, eine Gefährdung für die Bevölkerung läge nicht vor. Im Laufe des Abends wurden weitere Messungen durchgeführt.

Unglaublich dabei: Offiziell war der Atommeiler bereits am 20. Juni 1984, also vor mehr als 27 Jahren (!), stillgelegt worden. Doch auch wenn die Reaktoren nicht mehr liefen: Die Anlage wurde weiterhin genutzt. „Auf dem Gelände des alten AKW werden heute ausgediente Atombomben in Brennstäbe umgewandelt und verstrahlte Teile verbrannt“, erklärt Jurrien Westerhof von Greenpeace. Und genau in einem solchen Verbrennungsofen passierte der Unfall.

Gelände wurde bei neuem Stresstest nicht untersucht
Klar ist damit: Selbst wenn AKWs offiziell vom Netz gehen, ungefährlich sind sie dadurch noch lange nicht. „Selbst wenn dann dort keine Brennelemente mehr gelagert werden – wenn nur der kleinste Unfall passiert, kann immer noch Radioaktivität freigesetzt werden“, erklärt Reinhard Uhrig von Global 2000. Übrigens: Bei dem nach der Atomkatastrophe von Fukushima angeordneten Stresstest wurde die Anlage Marcoule nicht untersucht.

 


Lesen Sie auf Seite 2: So war der Unglückstag in Frankreich - alle Infos im Liveticker.

 

 

16:44 Uhr: Die nationale Atombehörde Frankreichs hat um 16 Uhr offiziell Entwarnung gegeben: Der Einsatz sei beendet, definitiv sei keine Radioaktivität entwichen.

© AP

(c) AP, Der Heli-Rettungseinsatz ist beendet: Bilanz der Explosion: Ein Toter, vier Verletzte.

16:07 Uhr: Die Suche nach der Ursache der Explosion läuft auf Hochtouren: Laut dem Nuklear-Sicherheitsbeauftragten Frankreichs, Thierry Charles, könnte menschliches Versagen der Grund für die Explosion gewesen sein. Völlig ausschließen will er aber auch nicht, dass Wasser in das Gebäude eingedrungen ist und die Explosion ausgelöst hat.

15:32 Uhr: "Der interne Notfallplan ist in Kraft getreten, alles ist unter Kontrolle", erklärt die Atomaufsicht ASN. Ursache und Sicherheitsstufe des Unfalls war zunächst nicht bekannt.

15:23 Uhr: Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA/IAEO hat den Atomunfall in Südfrankreich registriert und ist in Kontakt mit den französischen Behörden. Das IAEA-Zentrum für nukleare Notfälle sei sofort nach dem Zwischenfall aktiviert worden, so IAEA-Chef Yukiya Amano.

Die Ursache war zunächst nicht bekannt. Der französische Sender BFM-TV hatte unter Berufung auf die örtliche Präfektur berichtet, dass die Gefahr eines Austritts von Radioaktivität bestehe.

Die französische Atomanlage Marcoule
Die Nuklearanlage Marcoule nahe Avignon in der südfranzösischen Region Languedoc-Roussillon besteht aus mehreren stillgelegten kleineren Reaktoren. Auf dem Gelände im Rhonetal ging bereits 1956 der Reaktorblock G-1 in Betrieb und lieferte als eines der weltweit ersten AKW kommerziell genutzten Atomstrom. Die vom Commissariat a l'Energie Atomique (CEA) betriebenen Meiler G-2 und G-3 mit einer Bruttoleistung von jeweils 43 Megawatt folgten 1959 und 1960. Sie wurden 1980 beziehungsweise 1984 wieder vom Netz genommen. Auf dem Gelände Marcoule nahm 1973 auch der Forschungsreaktor Phenix den Betrieb auf.

Der lediglich zu Testzwecken genutzte Prototyp des pannenanfälligen Schnellen Brüters Superphenix, der 1998 endgültig abgeschaltet wurde, wurde nach mehreren kleineren Zwischenfällen 2010 auf Dauer vom Netz genommen.

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