Mindestens 80.000 Menschen sind am Samstag mit zwei verschiedenen Demonstrationen durch die Londoner Innenstadt gezogen. Ein Protestzug richtete sich gegen Einwanderer, während auf dem anderen Unterstützung für Palästinenser ausgedrückt wurde.
Die Londoner Polizei bot 4.000 Beamte auf und sprach vom größten Einsatz zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung seit Jahren. Die Polizei nahm 43 Personen fest, es kam auch zu einigen Angriffen auf Polizisten.
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"Vier Beamte wurden angegriffen. Glücklicherweise wurde keiner von ihnen schwer verletzt", teilte die Polizei am späten Samstagabend im Onlinedienst X mit. Sechs weitere Polizisten seien "Opfer von Hassverbrechen" geworden. Die meisten Demonstranten hätten die Veranstaltungsorte am späten Nachmittag verlassen, es habe keine "größeren Zwischenfälle" gegeben.
Am Sonntag stellte die Polizei klar, bei dem von Robinson initiierten Marsch seien 20 Menschen festgenommen worden, davon elf wegen Hassverbrechen, und bei der Gegen-Demo weitere zwölf, davon mindestens zwei wegen Hassverbrechen. Die übrigen elf gemeldeten Festnahmen hätten nichts mit den Kundgebungen zu tun gehabt oder der Bezug sei ungewiss.
Zugleich Demos und Fußballspiel
Scotland Yard hatte dem "Guardian" zufolge mit 50.000 Menschen bei der Demo "Unite the Kingdom" des rechtsextremen Aktivisten Tommy Robinson gerechnet. Weitere 15.000 bis 40.000 wurden bei einer propalästinensischen Kundgebung zum Nakba-Tag erwartet. Der Tag erinnert an die Vertreibung von Palästinensern infolge der Staatsgründung Israels 1948. Dazu versammelten sich Teilnehmer im Stadtteil Kensington.
Eine weitere Herausforderung für die Sicherheitskräfte war das Endspiel des FA Cup zwischen den Fußballmannschaften Manchester City und Chelsea, zu dem am Nachmittag 90.000 Zuschauer ins Londoner Wembley Stadion strömten. Nach Polizeiangaben wurden am Rande des Fußballspiels 22 Menschen festgenommen.
Äußerungen von Teilnehmern
"Einwanderung ist die Hauptsorge", nannte die 66-jährige Demonstrantin Christine Turner als Motivation für die Teilnahme an dem Protestmarsch. Großbritannien schütze schon "zu lange" seine Grenzen nicht. In Anspielung an US-Präsident Donald Trump trugen einige Teilnehmer Kappen mit der Aufschrift "Make England Great Again" (England wieder großartig machen). Andere hielten Kruzifixe oder Jesus-Bilder hoch oder trugen Ritterhelme als Ausdruck ihrer Bereitschaft zu einem "Kreuzzug".
Bei der pro-palästinensischen Kundgebung, die mit einer Anti-Rassismus-Demonstration verschmolz, sagte Teilnehmerin Heather Booker, die "Zunahme von Rassismus und Faschismus in Großbritannien und ganz Europa" sei "sehr besorgniserregend". In jüngster Zeit haben in Großbritannien etwa Gewalttaten gegen Juden zugenommen.
Verletzte Beamte bei rechter Demo im September
Eine erste Auflage des "Unite the Kingdom"-Marschs, der in diesem Jahr vom Londoner West End zum Platz vor dem Parlament führt, hatte im vergangenen September mehr als 100.000 Menschen angezogen. Dabei war es zu Angriffen auf die Polizei gekommen. Gut zwei Dutzend Beamte wurden verletzt.
Justizminister David Lammy warf den Organisatoren der "Unite the Kingdom"-Demo in einem Post auf dem Kurznachrichtendienst X vor, Hass und Spaltung zu verbreiten. Sollte es zu Gewalt kommen, werde man rasch handeln. An den Gerichten stünden dafür zusätzliche Kapazitäten bereit, schrieb er.