EU-Blockade

Beitritt in Gefahr? Montenegro sieht Widerstand in der EU

Montenegros Vizepremier schlägt Alarm und spricht offen über Widerstände innerhalb der Union. Gleichzeitig bringt er auch andere Partner ins Spiel.

Montenegros Vizepremier Filip Ivanović sieht innerhalb der EU deutliche Hürden für einen raschen Beitritt seines Landes. "Viele EU-Staaten sagen, dass sich die Union erst reformieren muss, bevor sie neue Mitglieder aufnehmen kann. Vor zwei Jahren gab es ein klares Statement der EU-Institutionen, dass EU-Staaten 2030 dazu in der Lage sein sollen. Wir hoffen aber für Montenegro, dass das schneller geht", sagte er gegenüber der Tageszeitung "Die Presse".

Zeitplan bleibt ambitioniert

Trotz der Bedenken gibt sich Ivanović optimistisch: Es gebe ein "Übereinkommen mit der EU-Kommission, dass - wenn wir unseren Weg einhalten - ein Abschluss der Gespräche Ende 2026 gleichsam sicher ist". Ein möglicher EU-Beitritt könnte damit bereits 2028 erfolgen.

Eine Anpassung der EU-Staaten sei dafür nicht notwendig. Nach dem Brexit gebe es wieder Platz für ein weiteres Mitglied, argumentierte er. Zudem sei Montenegro mit rund 600.000 Einwohnern ein vergleichsweise kleines Land. "Aber der interne Reformprozess ist Sache der EU-Mitglieder, da können wir uns nicht einmischen. Unser Job ist, alle Kriterien bis Ende des Jahres zu erfüllen."

Montenegro als Vorreiter

Unter den sechs Kandidatenländern am Westbalkan gilt Montenegro als besonders weit fortgeschritten. Laut Ivanović konnte die aktuelle Regierung bereits fast die Hälfte der Verhandlungskapitel abschließen. Die politische Richtung sei klar. Europa.

Klare Absage an Russland

Auch außenpolitisch positioniert sich das Land deutlich. "Die russischen Einflussversuche - sofern überhaupt vorhanden - sind gescheitert", betonte Ivanović. Montenegro sei zudem, anders als andere Staaten der Region, nicht von russischem Gas abhängig.

Er warnte zugleich: "Je schwächer die EU ist, desto stärker sind andere Akteure wie Russland. Je kleiner die Präsenz der EU auf dem Westbalkan ist, desto größer wird der Einfluss anderer Länder."

China bleibt Thema

Sorgen über wachsenden Einfluss aus China wies der Vizepremier zurück. Ein Kredit für ein Autobahnprojekt stellt keine übermäßige Belastung dar. "Wir sehen in China einen Partner, aber wir vergessen dabei nicht auf unsere außenpolitischen Prioritäten: Das sind die EU und die NATO", stellte Ivanović klar.

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