John Eric Spiby wurde vom Lotto-Glückspilz zum Drogen-Baron
John Eric Spiby war einst ein ganz gewöhnlicher Brite – bis er 2010 bei der National Lottery einen Jackpot von rund £2,4 Millionen gewann. Viele hätten in seinem Alter den Gewinn genutzt, um entspannt in den Ruhestand zu gehen oder sich lang gehegte Träume zu erfüllen. Doch Spiby entschied sich für etwas Anderes.
Statt sich zur Ruhe zu setzen, investierte der damals 65-Jährige sein Geld in ein illegales Geschäftsmodell: Gemeinsam mit seinem Sohn John Colin Spiby (37) und zwei weiteren Komplizen baute er ein ausgedehntes Drogen-Imperium auf, das von einer ländlichen Cottage-Werkstatt in der Nähe von Wigan (Greater Manchester) bis zu einer industriellen Produktionsstätte in Salford reichte.
In den „Ställen“ seines Hauses richtete Spiby eine hochmoderne Tabletten-Fabrik ein, in der täglich zehntausende Pillen hergestellt wurden. Diese sahen aus wie verschreibungspflichtige Medikamente (z. B. Diazepam), enthielten aber das weitaus gefährlichere Sedativum Etizolam – ein Stoff, der auf dem Schwarzmarkt als Billig-„Partydroge“ kursiert und erheblich stärker wirkt.
Die Produktion lief „industriell“: Zwischen Juni 2020 und Mai 2022 kaufte das Netzwerk mehr als £200 000 an Maschinen und Rohstoffen, und allein eine koordinierte Polizeikontrolle im April 2022 brachte mehr als 2,5 Millionen gefälschte Tabletten ans Licht. Schätzungen gehen davon aus, dass die gesamte Produktion einen potenziellen Straßenwert von bis £288 Millionen (ca. 330 Mio. €) hatte.
Die Operation blieb nicht unbemerkt: Ermittler hatten das Quartett über Monate beobachtet, nicht zuletzt weil verschlüsselte Chat-Nachrichten auf einem ehemals von Kriminellen genutzten Netzwerk abgefangen werden konnten. Bei Razzien fanden die Behörden neben den Pillen auch Schusswaffen, Munition, Bargeld und die komplette Industrieausrüstung.
Verurteilt
Bei einem Prozess am Bolton Crown Court bestritten Spiby und sein Sohn eine Ahnung von den illegalen Machenschaften. Die Jury sah das jedoch anders. Letztlich wurden sie und ihre beiden Komplizen für schuldig befunden: John Eric Spiby erhielt eine Gefängnisstrafe von 16 Jahren und 6 Monaten wegen Verschwörung zur Herstellung und zum Vertrieb illegaler Drogen, Besitz von Waffen und der Behinderung der Justiz. Sein Sohn bekam 9 Jahre, ein weiterer Mittäter 9 Jahre und 9 Monate, und ein vierter Beteiligter war bereits zuvor zu 12 Jahren verurteilt worden.
Was als scheinbarer Glücksfall begann, wurde für Spiby und seine Familie zum gerichtlichen Desaster: Aus dem Lotto-Millionär wurde ein verurteilter Drogen-Boss, dessen Entscheidungen nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das vieler anderer nachhaltig zerstörten.