Anwälte forderten Gericht auf, die Vereinbarung über 7,25 Milliarden Dollar nicht zu genehmigen
Der geplante Vergleich des Agrar- und Pharmakonzerns Bayer im US-Rechtsstreit um den Unkrautvernichter Roundup stößt auf ersten formellen Widerstand. Anwälte von 13 Krebspatienten forderten ein Gericht im US-Bundesstaat Missouri auf, die Vereinbarung über 7,25 Milliarden Dollar nicht zu genehmigen. Sie warfen Bayer und federführenden Klägeranwälten Absprachen vor. Letztere sollen im Rahmen des Vergleichs Honorare in Höhe von 675 Millionen Dollar erhalten.
Richter Timothy Boyer hatte der Vereinbarung im März vorläufig zugestimmt und will am 9. Juli endgültig entscheiden. Die Kläger argumentieren unter anderem, das Gericht in Missouri habe keine Befugnis, Bürger anderer US-Bundesstaaten zu binden. Zudem seien die Hürden für einen Ausstieg aus dem Vergleich absichtlich hoch angesetzt, um Betroffene an einer Klage-Fortführung zu hindern. Auch der US-Bundesrichter Vince Chhabria, der Tausende Glyphosat-Klagen koordiniert, hatte starke Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Verfahrens geäußert.
Die Klägeranwälte, die den Vergleich ausgehandelt haben, erklärten indes, dieser garantiere Opfern eine Entschädigung, während eine ausstehende Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA künftige Zahlungen gefährden könnte. Ein Sprecher der Bayer-Tochter Monsanto teilte mit, Einwände seien bei landesweiten Vergleichen üblich. Bis zum Ablauf der Frist für einen Ausstieg am 4. Juni werden weitere Einsprüche erwartet. So kündigte die Kanzlei Weitz & Luxenberg am Freitag an, für viele ihrer rund 2000 Mandanten Widerspruch einzulegen.
Bayer will mit dem im Februar vorgeschlagenen Vergleich fast alle verbliebenen Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken von Roundup in den USA beilegen. Der Leverkusener Konzern sieht sich dort mit rund 65.000 Klagen von Menschen konfrontiert, die ihre Krebserkrankungen auf die Nutzung des glyphosathaltigen Mittels zurückführen.