In der Regierungskrise in Großbritannien droht dem unter Druck geratenen Premierminister Keir Starmer einem Pressebericht zufolge womöglich eine parteiinterne Revolte.
Gesundheitsminister Wes Streeting stehe vor dem Rücktritt, um Starmer als Chef der Labour-Partei herauszufordern, berichtete die Zeitung "The Times" am Mittwoch. Die Spekulationen überschatteten die King's Speech, die traditionelle Verlesung des Regierungsprogramms durch König Charles.
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Auch an den Finanzmärkten sorgten sie für Unruhe: Die Kurse britischer Staatsanleihen gaben deutlich nach, während die staatlichen Refinanzierungskosten leicht stiegen.
Streeting traf sich vor der King's Speech mit Starmer in dessen Amtssitz in der Downing Street, wollte sich danach zu den Inhalten jedoch nicht äußern. Um eine Kampagne für den Parteivorsitz offiziell zu starten, benötigt er die Unterstützung von 81 Labour-Abgeordneten. Ein solcher Schritt könnte weitere parteiinterne Rivalen auf den Plan rufen. Als mögliche Kandidaten gelten der Bürgermeister von Greater Manchester, Andy Burnham, sowie die ehemalige stellvertretende Premierministerin Angela Rayner.
Beide müssten jedoch zunächst Hürden überwinden: Burnham fehlt das für eine Kandidatur notwendige Mandat im Unterhaus, während Rayner noch eine Steueraffäre zu schaffen macht, die im vergangenen Jahr zu ihrem Rücktritt geführt hatte. Streeting wird dem rechten Flügel der Labour-Partei zugerechnet, während Burnham und Rayner eher dem gemäßigten linken Flügel angehören. Unter Investoren gibt es Bedenken, dass ein traditionellerer, linker Labour-Premier die Staatsausgaben und Steuern deutlich erhöhen könnte.
Starmer kämpferisch
Starmer zeigte sich zuletzt kämpferisch, wies wiederholt Rücktrittsforderungen zurück und versuchte, Zweifeln an seiner Führungsstärke entgegenzutreten. Dazu bekräftigte er seine Pläne zur Stärkung der Wirtschaft, der Energiesicherheit und Verteidigungsfähigkeit. Starmer warnt zudem vor den Folgen einer parteiinternen Revolte für die politische Stabilität und die Wirtschaft. Die Furcht vor politischer Instabilität hatte die Refinanzierungskosten des Staates auf den höchsten Stand seit fast 30 Jahren getrieben.
Starmer kämpft seit Monaten um sein politisches Überleben. Dabei hatte er erst bei der Parlamentswahl 2024 eine der größten Mehrheiten in der modernen britischen Geschichte errungen. Doch zuletzt erlebte Labour bei Kommunalwahlen ein Debakel, für das viele in der Partei Starmer verantwortlich machen.