Der Fall des inhaftierten Oppositionspolitikers Ekrem İmamoğlu sorgt international für Aufsehen. Seine Ehefrau Dilek İmamoğlu richtet nun einen eindringlichen Appell an Europa. Sie fordert mehr Druck auf die Türkei und warnt vor den Folgen des Schweigens.
Die Frau des seit mehr als einem Jahr inhaftierten türkischen Oppositionspolitikers Ekrem İmamoğlu verlangt mehr Einsatz von der EU. „Der Fall von Ekrem İmamoğlu muss von den europäischen Institutionen verfolgt, beobachtet und thematisiert werden“, sagte Dilek İmamoğlu in einer Videobotschaft für den Ludwig-Erhard-Gipfel der Weimer Media Group am Tegernsee in Bayern.
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Schweigen bedeute in diesem Fall, sich mitschuldig zu machen.
Ehrung für „Freiheitskämpfer“
Aus Sicherheitsgründen verzichtete Dilek İmamoğlu auf eine persönliche Teilnahme. Dennoch wurden sie und ihr Mann bei der Veranstaltung von Verlegerin Christiane Goetz-Weimer für ihren Mut als „Freiheitskämpfer“ geehrt. „Wir möchten Menschen ins Rampenlicht rücken, die in ihrem Kampf für die Freiheit bis an ihre Grenzen und manchmal sogar darüber hinausgehen“, betonte sie.
Das Verfahren gegen den früheren Istanbuler Bürgermeister sei „Ausdruck einer breiteren Kampagne gegen führende Vertreter der Opposition in der Türkei, deren Ziel es ist, demokratische Handlungsspielräume zu begrenzen und politische Alternativen zu schwächen“. Auch hier wurde eindringlich davor gewarnt, wegzusehen.
Botschaft aus der Gefängniszelle
Ekrem İmamoğlu selbst meldete sich schriftlich zu Wort: „Ich bin heute nicht persönlich bei Ihnen. Ich spreche zu Ihnen aus meiner Zelle in Silivri. Schon allein meine Stimme heute zu erheben, ist ein Kampf. Denn sie wollen mich nicht nur einsperren, sondern auch zum Schweigen bringen.“ Er sprach von einer gezielten Kampagne, „um einen politischen Gegner zum Schweigen zu bringen“ und Angst zu verbreiten. Gleichzeitig zeigte er sich zuversichtlich, dass die Freiheit in der Türkei wieder die Oberhand gewinnen werde.
Drohen über 2.000 Jahre Haft
Der Politiker war im März 2025 unter Terror- und Korruptionsvorwürfen festgenommen und als Bürgermeister abgesetzt worden. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu droht ihm eine Haftstrafe von mehr als 2.000 Jahren. Ihm werden unter anderem die Gründung und Leitung einer kriminellen Vereinigung sowie Bestechung und Geldwäsche vorgeworfen. Menschenrechtsorganisationen und Kritiker sehen darin ein politisch motiviertes Verfahren. Die Verhaftung löste landesweite Proteste aus.