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Ganze Welt trauert

Gerichtsmediziner: Julen (2) starb wohl am Sturz

Spanischer Zweijähriger überlebte Sturz in Brunnenschacht nicht.

Spanien. Julen ist tot, und ganz Spanien trauert. Fast zwei Wochen lang hatten Hunderte Einsatzkräfte unermüdlich gearbeitet, um den zweijährigen Buben aus einem 107 Meter tiefen Brunnenschacht in dem Ort Totalan zu bergen. Am Freitag gelang es ihnen endlich, zu dem Kind vorzudringen. Jedoch konnten sie nur noch seine Leiche bergen.

© APA/AFP/JORGE GUERRERO

Noch in der Nacht fuhr ein Leichenwagen an dem Bohrloch nahe der andalusischen Gemeinde vor. Julens Eltern wurden von Psychologen betreut. 

Gerichtsmediziner mit erstem Eindruck

Der Gerichtsmediziner gab seinen ersten Eindruck zur Todesursache ab. Demnach sei es sehr wahrscheinlich, dass Julen "im freien und schnellen Fall" von 71 Metern gestorben ist. "Darauf deutet die Stellung des Körpers hin", erklärte am Samstag vor Journalisten der Delegierte der Zentralregierung in Andalusien, Alfonso Rodriguez Gomez de Celis. Das ist aber noch kein offizielles Autopsie-Ergebnis, sondern eine erste Einschätzung. 
 
Das würde heißen, dass der 2-Jährige sofort tot war und nicht tagelang leiden musste.
 

Große Anteilnahme

Nach dem tragischen Ausgang nahmen viele Anteil. "Ganz Spanien teilt die unendliche Traurigkeit von Julens Familie", twitterte mitten in der Nacht Ministerpräsident Pedro Sanchez, der sich auch bei den Helfern bedankte. König Felipe VI. sprach der Familie des Buben sein "tiefempfundenes Beileid" aus. Die Stadt Malaga verkündete eine dreitägige Trauer, vor dem Rathaus der Küstenstadt versammelten sich am Samstagvormittag Hunderte zu einer Trauerkundgebung und einer Schweigeminute zu Ehren des Kleinen.
 
Politiker, Persönlichkeiten wie die italienische Sängerin Laura Pausini ("Ich kann es nicht glauben") und Hollywoodstar Antonio Banderas, der sich "erschüttert" zeigte, der spanische Fußballverband und auch sehr viele Menschen im Ausland, die ebenfalls tagelang mitgezittert hatten, versuchten den Eltern Jose und Victoria auf den sozialen Netzwerken Trost zuzusprechen. Ein äußerst schwieriges Unterfangen, denn der arbeitslose Marktverkäufer und die Mitarbeiterin einer Fastfood-Kette hatten 2017 bereits einen Sohn verloren. Julens älterer Bruder Oliver starb bei einem Strandspaziergang mit drei Jahren an Herzversagen.
 
Wie hart der Schlag nicht nur für die Menschen in der Provinz Malaga, sondern in ganz Spanien war, beweist die Verzweiflung vieler auch im 500 Kilometer entfernten Madrid. "Ich bin aufgeblieben, um die Rettungsaktionen im Fernsehen zu verfolgen. Nachdem die schreckliche Nachricht kam, konnte ich nicht mehr einschlafen", sagte weinend die Bankangestellte Maria in einer Bäckerei der Hauptstadt. Nicht wenige hatten bis zuletzt an das viel beschworene "Wunder von Totalan" geglaubt. Im Malaga-Vorort El Palo, dem Wohnort der Familie, hatten Menschen noch in der Nacht auf Samstag mit weißen und roten Kerzen ein großes Herz geformt. In vielen Kirchen wurde seit Tagen für den Kleinen gebetet, Bürger organisierten Wachen. Doch das Wunder blieb am Ende aus.
 
Retter hatten seit dem 13. Jänner versucht, zu dem Kind in dem extrem engen, 25 Zentimeter breiten Schacht vorzudringen. Allerdings gab es keine Lebenszeichen von ihm, zudem war unklar, in welcher Tiefe des illegal auf der Suche nach Wasser gegrabenen Loches es sich befand. Das Loch wurde nach Aussagen der Familie vom Freund einer Cousine des Vaters in Auftrag gegeben. "Die Einsatzkräfte haben um 1.25 Uhr den unglücklicherweise leblosen Körper des Kleinen lokalisiert", twitterte Rodriguez Gomez de Celis. Die spanische Zivilgarde schrieb: "Leider haben wir es trotz aller Bemühungen so vieler Menschen nicht geschafft ... Ruhe in Frieden Julen."
 
Experten hatten bis zuletzt versichert, dass es nicht ausgeschlossen sei, das Kind lebend zu finden. Jedoch waren die Hoffnungen auf ein glückliches Ende mit jeder Minute geschrumpft. Besonders bei der Bohrung eines Parallel-Tunnels war es zu immer neuen Verzögerungen gekommen, weil die Retter auf extrem hartes Gestein stießen.
 

Rückschläge bei Rettung

Bei der Rettung gab es immer neue Rückschläge wegen des harten Gesteins an dem schwer zugänglichen Unglücksort am Hügel Cerro de la Corona nahe der Küstenstadt Malaga. Nach tagelangen Bohrungen wurde der Bub in einer Tiefe von mehr als 70 Metern gefunden, wie das spanische Fernsehen berichtete.
 
© Twitter
 
"Die Einsatzkräfte haben um 1.25 Uhr den unglücklicherweise leblosen Körper des Kleinen lokalisiert", twitterte der Delegierte der Madrider Zentralregierung in Andalusien, Alfonso Rodriguez Gomez de Celiz, der den Eltern sein Beileid aussprach. Die spanische Zivilgarde schrieb: "Leider haben wir es trotz aller Bemühungen so vieler Menschen nicht geschafft... Ruhe in Frieden Julen." Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht mitgeteilt.
 
Retter hatten seit dem 13. Jänner versucht, zu dem Kind in dem extrem engen, nur 25 Zentimeter breiten Schacht vorzudringen. Allerdings gab es keine Lebenszeichen von ihm, zudem war unklar, in welcher Tiefe des illegal auf der Suche nach Wasser gegrabenen Loches es sich befand. Dennoch hatten nicht nur die Eltern, die 2017 bereits einen Sohn verloren hatten, auf ein Wunder gehofft. Noch am Donnerstagabend waren Hunderte Anrainer aus dem Ort zu einer Mahnwache zusammengekommen, um für das Kind zu beten.
 

Experten hofften den Jungen lebend zu finden

Experten hatten versichert, dass es nicht ausgeschlossen war, das Kind lebend zu finden. Jedoch waren die Hoffnungen auf ein glückliches Ende des dramatischen Unfalls mit jeder Minute geschrumpft. Besonders bei der Bohrung eines parallelen Schachts war es zu immer neuen Verzögerungen gekommen, weil die Retter auf extrem hartes Gestein stießen. Experten betonten, normalerweise seien für eine solche Aktion, bei der 40.000 Tonnen Erde abgetragen wurden, Monate nötig. Einen vergleichbaren Notfall in einer solchen Tiefe habe es weltweit noch nie gegeben, hieß es.
 
© Screenshot
 
Seit Donnerstagabend hatten erfahrene Bergarbeiter aus der nordspanischen Kohleregion Asturien unter schwierigsten Bedingungen vom Grund des Parallelschachts aus einen vier Meter langen horizontalen Tunnel gegraben, um zu Julen vorzudringen. Sie konnten dabei 36 Stunden lang nur kniend oder liegend in Zweier-Teams arbeiten und kämpften sich mit Spitzhacken und Presslufthämmern durch den Felsen. Mehrmals waren Mikrosprengungen nötig, so noch am späten Freitagabend, als die Spezialisten nur noch wenige Zentimeter von Julen trennten. Zudem war bis zuletzt unklar, ob der Bub tatsächlich in der von den Experten vermuteten Tiefe gefunden werden würde.
 
Der Kleine war bei einem Ausflug mit seiner Familie in das Loch gefallen. Bei Kameraaufnahmen war im Schacht ein Sackerl mit Süßigkeiten entdeckt worden, die Julen bei sich hatte, später waren Haare des Buben gefunden worden. Mehr als 300 Retter hatten sich an den Bergungsarbeiten beteiligt.
 
+++ oe24-LIVETICKER: Die Pressekonferenz der Behörden zum Nachlesen hier +++

 09:47

Pressekonferenz beendet

Der Abgeordnete verweist für weitere Informationen auf die Untersuchung der Polizei. Damit beendet er die Pressekonferenz.

 09:47

Wie sich der Schacht verstopfen konnte und so eine schnelle Rettung verhindert wurde, sei noch unklar. "Dazu gibt es mehrere Theorien", sagt der Abgeordnete.

 09:41

Jetzt wurde der Schacht in den Julen fiel endgültig gestopft. "Er wurde letzte Nacht mit einer 600 Kilo schweren Stahlplatte abgedeckt."

 09:33

Julen fiel in einen illegal gegrabenen Brunnenschacht. Dazu de Celis: "Jeder, der einen solchen Brunnen gegraben hat, soll wissen, dass noch genug Zeit bleibt, um ihn zu verschließen."

 09:30

Celis kann aber keine weiteren Details, wegen der laufenden Ermittlungen der Polizei, rausgeben.

 09:29

Jetzt stellen Journalisten Fragen

 09:29

"Der Berg stellte immer neue Hindernisse in den Weg. Es schien, als verteidige er sich gegen uns."

 09:26

Retter nicht bei der Pressekonferenz

Celis richtet eine Entschuldigung von den Rettern aus: "Sie entschuldigen sich, dass sie nicht hier sind. Sie ruhen sich nach den großen Anstrengungen aus."

 09:24

Celis lobt die Solidarität

celis.JPG © Screenshot

Celis lobt die Solidarität, die der Familie und den Rettern zugekommen ist. "Spanien ist ein großartiges Land. Wir haben eine großartige Solidarität gezeigt." So etwas habe es noch nie zuvor gegeben.

 09:23

Die Regierung will nun der Familie beistehen. "Ihr Schmerz ist unser Schmerz", sagt de Celis. "Ihre Trauer ist unsere Trauer."

 09:19

"Woran und wann der Junge genau gestorben ist, wird nun untersucht", sagt de Celis von der Regionalregierung. Die Autopsie werde noch heute durchgeführt.

 09:19

Alfonso Gómez de Celis von der Regionalregierung: "Zwei Bergarbeiter fanden um 1.25 Uhr in der Nach den Körper von Julen. Leider lebte der Junge nicht mehr." Um 4 Uhr wurde der Leichnam in das rechtsmedizinische Institut gebracht.

 09:18

Willkommen zum oe24-Liveticker!

Jetzt sprechen die Behörden in einer Livekonferenz zur Rettung.