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ÖSTERREICH-Reporter im Irak

"ISIS hat keine Chance den Kampf zu gewinnen"

Beim Rückzug vor Peschmerga-Truppen begeht die Terrormiliz Verbrechen an der Bevölkerung.

Schlagkräftig, stark, entschlossen: So wirken die Peschmerga. Seit einer Woche begleite ich eine Brigade bei ihrer Offensive auf Mossul. Dorf um Dorf ­haben die Männer von Kommandant Rebwar M. Amin befreit (siehe Interview).

Sie haben die ISIS-Einheiten in die Enge getrieben, jetzt stehen sie wenige Kilometer vor der Millionenstadt. Im Minutentakt feuern Panzer und Artillerie. Das Grollen der Einschläge ist zu hören, auch das Knattern von Kalaschnikows.

Exekution

Und der Kampf wird brutaler, grausamer. Was lange befürchtet wurde, ist eingetreten: Die Terror-Miliz hat 284 Männer und Buben in Mossul exekutiert. Zuvor dienten sie als menschliche Schutzschilde. Nach den Hinrichtungen wurden die Leichen mit Bulldozern in ein Massengrab geschoben: „Ihre Taktik ist Terror“, sagt Kommandant Rebwar, „eine andere Chance haben sie nicht.“

Täglich kommen bis zu 40 Selbstmordattentäter

30 bis 40 Selbstmordattentäter schickt ISIS jeden Tag. Die Männer rasen in Autos, vollgestopft mit Sprengstoff, auf die vorrückenden Truppen zu. Manchmal haben sie auch weiße Fahnen am Dach, tarnen sich als Flüchtlinge. „Wir schießen auf jeden Wagen, der nicht stoppt“, sagen die Männer. Selbstschutz.

Minenfelder

Je näher sie an Mossul heranrücken, um so schwieriger wird der Kampf – trotz der numerischen Überlegenheit der 30.000 Mann: Vor jeden Haus und jedem Hügel liegen Minen. Überall sind Sprengfallen, alle Orte sind untertunnelt. Aus der Luft sind die Tunnel nicht auszumachen: „Selbst den Erdaushub haben sie in Häuser geschaufelt, damit wir ihn von oben nicht sehen.“

Rache

Direkt in die Stadt werden die kurdischen Peschmerga nicht einrücken. Aus politischem Kalkül. Es soll keine Rachemassaker geben. Die letzte Kämpfe zur Befreiung Mossuls sollen irakische Truppen erledigen. Die Kurden sind überzeugt: „In einer Woche ist ISIS erledigt.“

© TZOe Karl Wendl
Karl Wendl Irak
© TZOe ÖSTERREICH-Reporter Karl Wendl im Interview mit Kommandant Rebwar M. Amin

Kommandant kurdische Spezialeinheit: "ISIS hat keine Chance den Kampf zu gewinnen"

ÖSTERREICH: Wie stark ist ISIS derzeit noch?

Rebwar M. Amin:
Das größte Problem sind die Sprengfallen. Sie haben sie überall versteckt: in Häusern, Autos, dazu die vielen Selbstmordattentäter. Sonst ist der Widerstand eher gering.

ÖSTERREICH:
Was ist ihre Botschaft an die ISIS-Einheiten?

Amin: Sie haben keine Chance den Kampf zu gewinnen. Meine Einheit hat bisher noch keine Niederlage erlitten. ISIS hat so viele grausame Verbrechen begangen, sie haben keine Unterstützung mehr in der Bevölkerung. Für eine Flucht ist es jetzt zu spät für sie, es gibt keinen Weg, um vor uns zu flüchten.

ÖSTERREICH:
Sie haben Dutzende Dörfer befreit. Wie haben die Menschen reagiert?

Amin: Sehr emotional. Die Leute haben uns und meine Peschmerga umarmt, sich bedankt. Endlich ist dieser Horror vorbei haben sie gesagt. Leider dürfen die Menschen noch nicht in ihre Dörfer zurück, das wäre noch zu gefährlich.

ÖSTERREICH: Wann beginnt der finale Sturm auf Mossul?

Amin: Das ist nicht meine Entscheidung. Der Einmarsch in Mossul ist Aufgabe der irakischen Armee, die kurdischen Peshmerga gehen nicht in die Stadt, so ist es ausgemacht.

Video zum Thema: Interview Karl Wendl mit Brigadegeneral
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