Neun Tage nach Beben weitere Überlebende geborgen

Drei Männer, eine Frau und ein Kind

Neun Tage nach Beben weitere Überlebende geborgen

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Die Hoffnungen, noch Überlebende zu finden, schwinden immer weiter. Dennoch werden die Such- und Rettungsarbeiten fortgesetzt.

Damaskus/Washington/Gaziantep. Neun Tage nach dem verheerenden Erdbeben im türkisch-syrischen Grenzgebiet hat ein niederländisches Rettungsteam hat nach eigenen Angaben vier Menschen lebend aus den Trümmern in der türkischen Stadt Antakya in der Provinz Hatay geborgen. Es gehe um drei Männer und ein Kind, teilte das Rettungshunde-Team RHWW am Mittwoch mit. Laut Medienberichten konnte auch in der Provinz Kahramanmaras eine Frau lebend aus den Trümmern geborgen werden.

In der Nacht seien ein Vater und sein Sohn gefunden worden, teilte das niederländische Team mit. Die beiden anderen Männer seien am Dienstagabend geborgen worden, nachdem die Hunde die Spuren gewittert hatten. Die 45-jährige Frau sei Mittwoch früh in der Provinz Kahramanmaras gerettet worden, berichtete der staatliche Sender TRT. Sie war demnach 222 Stunden lang verschüttet. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Gut eine Woche nach der Erdbeben-Katastrophe steig die Zahl der Toten bereits auf mehr als 40.000. Alleine in der Türkei liege die Zahl bei 35.418, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Dienstag der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi zufolge. Aus Syrien wurden zuletzt 5.900 Tote gemeldet. Tausende Menschen werden weiter vermisst.

Such- und Rettungsarbeiten werden fortgesetzt

Die Hoffnungen, noch Überlebende zu finden, schwinden immer weiter. Dennoch werden die Such- und Rettungsarbeiten fortgesetzt. Im stark betroffenen Hatay begannen unterdessen auch Aufräumarbeiten, wie eine Reporterin des Staatssenders TRT berichtete.

Für die Erdbeben-Opfer im Nordwesten Syriens traf indes auch mehr als eine Woche nach der Katastrophe keine Hilfe aus Gebieten der Regierung von Präsident Bashar al-Assad eingetroffen. "Keine humanitären Konvois konnten von Regierungsgebieten in den Nordwesten fahren", schrieb Syrien-Experte Haid Haid in einem Beitrag für die britische Denkfabrik Chatham House. Die Regierung ermutige örtliche Gemeinden auch nicht, sich gegenseitig zu helfen. So gelte weiter eine Obergrenze von umgerechnet etwa 280 Euro täglich für Überweisungen im Land. Regierungsvertreter hätten örtliche Würdenträger davor gewarnt, Geld in den Nordwesten zu schicken.

Syrien ist nach Jahren des Bürgerkriegs zersplittert in Gebiete unter verschiedener Kontrolle, was humanitäre Hilfe nach den Beben deutlich erschwert. In den Nordwesten, der von Rebellen kontrolliert wird, kommt grenzüberschreitende Hilfe ("cross-border") aus der Türkei. Hilfen aus Regierungsgebieten dorthin über Grenzen der Konfliktparteien innerhalb des Landes ("cross-line") blieben bisher aus. Ein geplanter Hilfskonvoi aus Regierungsgebieten für den Nordwesten wurde zuvor von der Miliz HTS gestoppt.

"Es gibt sehr intensive Nachbeben"

Der Katastrophenschutz in der Türkei gab indes weitere Erkenntnisse zum Ausmaß der Zerstörung bekannt. "Es gibt sehr intensive Nachbeben. Wir haben es mit einer ungewöhnlichen Situation zu tun", sagte der Chef der Abteilung für Risikoverminderung der Katastrophenschutzbehörde Afad, Orhan Tatar, am Mittwoch. Man habe mehr als 3.800 Nachbeben registriert - 38 lagen demnach über der Stärke 5. Er warnte die Menschen in den betroffenen Provinzen davor, sich in oder in der Nähe von Gebäuden aufzuhalten.

Die pro-kurdische Oppositionspartei HDP beschuldigte zudem den türkischen Katastrophenschutz (Afad), Hilfslieferungen zu beschlagnahmen. Afad habe ihnen 85 für die Erdbebenregion bestimmte Öfen sowie Holz und Kohle von einem Lastwagen geholt und in eigene Depots gebracht, twitterte die Partei am Mittwoch. Afad ist dem türkischen Innenministerium unterstellt und reagierte zunächst nicht auf die Vorwürfe.

Seit Beginn der Erdbebenkatastrophe taucht immer wieder der Vorwurf auf, die türkische Regierung etikettiere Hilfsgüter der Opposition um. Vielerorts fehlt es den vom Erdbeben obdachlos gewordenen Menschen an Heizgeräten. Nachts fallen die Temperaturen etwa in Kahramanmaraş, Gaziantep oder Adiyaman noch immer unter null.

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