Soldaten schildern Gräuel des 1. Weltkrieges

Großbritannien

Soldaten schildern Gräuel des 1. Weltkrieges

Britische Kriegstagebücher erstmals ins Netz gestellt. Mehr als 1,5 Mio. Seiten online.

Hundert Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs stellt Großbritannien die Kriegstagebücher seiner Offiziere ins Internet. Das Britische Nationalarchiv begann am Dienstag mit der Veröffentlichung von mehr als 1,5 Millionen Seiten, auf denen das Kriegsgeschehen von Tag zu Tag aufgezeichnet ist.

"Operation War Diary"

Zugleich rief das Archiv Hobby-Historiker auf, im Zuge der "Operation War Diary" (Operation Kriegstagebuch) genannten Aktion bei der Auswertung der Tagebücher zu helfen, um sie für die breite Öffentlichkeit durchsuchbar und somit leichter nutzbar zu machen. "Viele Leute denken, dass das Kriegstagebuch einer Einheit nur Orte und Daten und Aktivitäten erwähnt, doch in diesen Akten sind viele, viele Geschichten enthalten", sagte der Militärspezialist des Nationalarchivs, William Spencer. Durch die Digitalisierung der Aufzeichnungen würden sie für künftige Generationen erhalten und auf neue Weise zugänglich gemacht.

2.000 Dokumente online
Im ersten Schritt wurden etwa 2.000 Dokumente online gestellt. Die Kriegstagebücher sind offizielle Aufzeichnungen des Kriegsgeschehens durch die Kommandanten der einzelnen Einheiten an der Front. Neben Angaben zum täglichen Verlauf des Kriegs finden sich darin tief bewegende Schilderungen des Leidens der Soldaten. "Schwärme von Deutschen auf der Anhöhe, relativ dicht gedrängt. Unsere Geschütze eröffnen das Feuer auf sie aus 1800 Yard Entfernung und man kann einen schrecklichen Anblick durch das Fernglas sehen: Trauben von Deutschen in Stücke gerissen", schrieb etwa der Offizier James Patterson von der Front in Frankreich am 16. September 1914.

Unbeschreibbare Szenen
"Ich kann mir nicht vorstellen, jemals grauenhaftere und herzzerreißendere 48 Stunden zu verbringen als die letzten", schrieb Patterson, der beim 1. Bataillon der South Wales Borderers diente. In anderen Einträgen schildert er "unbeschreibbare" Szenen. "Arme Kerle liegen totgeschossen in allen Richtungen", heißt es etwa. An anderer Stelle schrieb er, im Dunkel der Nacht drohten sie, die eigenen Soldaten zu erschießen. Sein Tagebuch endet am 25. Oktober 1914, nur drei Monate nach Kriegsbeginn, als er selbst getötet wurde.



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