Dominique STRAUSS-KAHN

Strauss-Kahn

"Sex-Banker" frei: Anklage zerbröselt

Hausarrest gegen ihn aufgehoben. Opfer hat 100.000 Dollar am Konto.

Ist Ex-IWF-Boss Dominique Strauss-Kahn (62) ein Opfer und kein mieser Vergewaltiger? Die New Yorker Staatsanwaltschaft hat jedenfalls am Freitag zugestimmt, den Hausarrest gegen den 62-Jährigen aufzuheben. Unmittelbar danach spazierte er als freier Mann aus dem Gericht. Auch seine Kaution wird er rückerstattet bekommen. Nur die Reisebeschränkungen bleiben noch aufrecht. Die Anklage gegen ihn könnte ebenfalls platzen, da die Staatsanwaltschaft inzwischen erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit des angeblichen Opfers hat.

Alles nur erfunden?
Der Grund: Das 32-jährige Zimmermädchen Nafissatou D. hat sich in ein Lügenwirrwarr geredet. Die Frau aus dem westafrikanischen Guinea behauptet, dass Strauss-Kahn sie am 14. Mai in seinem Hotelzimmer im New Yorker Sofitel splitternackt überfallen und zum Oralsex gezwungen hat.

Aber: Hinweise verdichten sich, dass diese Version nicht stimmt. Zwar gibt es Beweise, dass es einen sexuellen Kontakt zwischen den beiden gab – man fand Spermaspuren von DSK auf der Kleidung der Frau. Nichts deute jedoch auf Vergewaltigung hin.

Diese neuen Fakten sprechen gegen die Glaubwürdigkeit der 32-Jährigen:
l Telefongespräch: Zwei Justizbeamte berichten von einem aufgezeichneten Telefongespräch des Zimmermädchens am Tag nach dem Vorfall. Sie soll mit einem Mann (Drogendealer) darüber gesprochen haben, wie man mit Vorwürfen gegen DSK Geld machen kann.

Verdächtiges Konto: Zudem soll die Frau (Mutter einer Tochter) mehrere Konten besitzen, auf denen 100.000 Dollar liegen. Der Drogendealer soll zu jenen Personen gehören, die Überweisungen auf das Konto getätigt haben.

Asyl-Lüge: Die 32-Jährige soll auch gesagt haben, dass sie um Asyl gebeten habe, weil sie vergewaltigt worden sei. In ihrem Antrag steht davon nichts.

Als dann die Staatsanwaltschaft den Strauss-Kahn-Anwälten in einem Brief mitteilte, dass die 32-Jährige eingeräumt hatte, vor der Grand Jury gelogen zu haben, kippte der Fall. Die Maid bekannte, nach der Sex-Attacke nicht ins Stiegenhaus geflüchtet zu sein – sondern ganz normal weitergeputzt zu haben. Auch die Kahn-Suite.
 

Affäre Strauss-Kahn: Chronologie des Falls

Es ist der 14. Mai, als ­Polizisten den IWF-Chef Strauss-Kahn am New Yorker Flughafen in einer Air-France-Maschine festnehmen. Der 62-Jährige wird der versuchten Vergewaltigung beschuldigt. Wegen Fluchtgefahr wird ihm eine Freilassung auf Kaution verweigert. Kahn wird auf die Gefängnisinsel Rikers Island gebracht, sein Ruf ist ruiniert.

Kurz darauf, am 19. Mai, gibt Strauss-Kahn seinen Rücktritt vom IWF bekannt. Nach vier Nächten verlässt er gegen Millionen-Kaution Rikers Island, wohnt seither unter strengen Auflagen in einem Appartment in Manhattan zusammen mit seiner Frau Anne Sinclair.

Vor Gericht plädiert er am 6. Juni auf „nicht schuldig“. Am 1. Juli hebt ein Richter in New York den Hausarrest gegen ihn auf. Nun erscheint der Fall in einem neuen Licht.

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