Polizeiabsperrung Italien Mafia

Im Kampf gegen Coronavirus

Italo-Professor: ''Behörden sollen mit Mafia zusammenarbeiten''

Die Mafia-Organisationen sollen dafür sorgen, dass Rückkehrer aus dem Norden Italiens in Quarantäne gestellt werden.

Die Zahl der Coronavirus-Toten in Italien steigt rasant: Innerhalb eines Tages seien 133 Menschen der neuartigen Lungenkrankheit erlegen, teilten die Behörden am Sonntagabend in Rom mit. Allein in der Region Lombardei wurden seit Samstag 103 Tote registriert. Insgesamt starben 366 Menschen in Italien am Coronavirus.

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus hatte die italienische Regierung zuvor drakonische Maßnahmen beschlossen. Seit Sonntag sind ganze Regionen und Städten im Norden abgeriegelt, 16 Millionen Menschen sind betroffen. Sie dürfen die Gebiete bis zum 3. April nicht mehr verlassen. Nun sorgt ein Politik-Professor der Universität von Perugia mit einer Forderung auf Facebook für Aufsehen. "Ich fordere die Mafia, die 'ndrangheta, die Sacra Corona Unita und die Camorra in den riesigen Gebieten, die sie kontrollieren, auf, all ihren Landsleuten, die plötzlich aus ihren Häusern innerhalb der roten Zone nach Hause zurückgekehrt sind, die obligatorische Quarantäne aufzuerlegen", schreibt er.

Der Akademiker und Chef eines Polit-Magazins geht sogar noch weiter und fordert den italienischen Staat zur Zusammenarbeit mit den Mafia-Organisationen auf.  "Wenn sie nicht in der Lage sind, aus eigener Kraft die EInhaltung dieser elementaren Vorsichtsmaßnahme zu gewährleisten, würde ich es für angemessen halten, die Zusammenarbeit der Behörden des italienischen Staates zu fordern", schrieb der 59-Jährige. Wenig später löschte er sein Posting wieder.

"Wir stehen vor nationaler Notlage"

Die staatliche Fluglinie Alitalia stellte ihren kompletten Betrieb am großen Mailänder Flughafen Malpensa ein und reduzierte ihre Flüge von den Flughäfen Mailand-Linate und Venedig. Die italienische Regierung rief jedoch Touristen zum Verlassen der Quarantäne-Zonen auf. Laut dem Außenministerium in Wien halten sich in den sogenannten "Roten Zonen" einige Tausend Österreicher auf.

"Wir stehen vor einer nationalen Notlage", betonte der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte. Von den Abriegelungen sind neben der Lombardei, dem wirtschaftlichen Herz Italiens, auch Städte wie Parma, Modena oder Padua betroffen. Alle Kinos, Theater, Museen, Sportclubs, Demonstrationen und viele andere Veranstaltungen müssen schließen oder fallen aus. Die Region Venetien und einige Bürgermeister der betroffenen Städte hielten das beschlossene Ein-und Ausreiseverbot für eine zu strenge Maßnahme. Mehrere Regionalpräsidenten suchten das Gespräch mit Conte.

In Süditalien versuchte man sich gegen das Coronavirus zu wappnen, indem Flug- und Bahngesellschaften und Autobahnbetreiber zur Meldung von Reisenden aufgerufen wurden. Ein am Samstagabend von Mailand abgefahrener Nachtzug traf in Salerno mit fünf Stunden Verspätung ein, nachdem er wiederholt zu Kontrollen angehalten wurde. Viele Süditaliener versuchten am Sonntag, aus der Lombardei nach Hause zu reisen.

Die italienischen Behörden versuchten indes, die rasant steigenden Opferzahlen zu relativieren. So wies der Leiter des obersten Gesundheitsinstituts Italiens, Silvio Brusaferro, darauf hin, dass die italienischen Coronavirus-Opfer älter seien als die chinesischen. 60 Prozent der Todesopfer in Italien seien älter als 80 Jahre. Die meisten Todesopfer ab 70 Jahre hätten an einer oder mehreren chronischen oder akuten Krankheiten gelitten, so Brusaferro. Er rief jüngere Italiener auf, Menschenansammlungen zu meiden, um sich und ältere Angehörige nicht anzustecken. "Jugendliche haben die Verantwortung, ihre Eltern und Großeltern zu schützen", sagte Brusaferro.

Zivilschutzchef Angelo Borelli sagte, das sich 650 Menschen auf der Intensivstation befänden, um 14 Prozent mehr als am Samstag. Während die Zahl der Coronavirus-Toten in Italien seit Samstag um 57 Prozent stieg, kletterte die Zahl der Neuinfizierten um 26 Prozent auf 6.387. Die Zahl der genesenen Patienten stieg um fünf Prozent auf 622.


 



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