Nach intensiven Gesprächen am Wochenende in Spanien haben die Vereinigten Staaten und China laut US-Finanzminister Scott Bessent eine Einigung über die Eigentumsstruktur der beliebten Kurzvideo-Plattform TikTok erzielt.
Die Details des Abkommens sind jedoch noch weitgehend unbekannt. Bessent erklärte nach Abschluss der Handelsgespräche in Madrid, dass US-Präsident Donald Trump und Chinas Premier Xi Jinping am Freitag telefonieren sollen, um das Abkommen möglicherweise endgültig zu bestätigen. Ziel des Rahmenabkommens sei es, die Plattform unter US-Eigentum zu bringen.
„Wir werden nicht über die kommerziellen Bedingungen sprechen“, sagte Bessent. „Das ist eine Angelegenheit zwischen zwei privaten Parteien. Die kommerziellen Bedingungen sind jedoch vereinbart.“ Offizielle chinesische Vertreter haben Bessents Angaben noch nicht bestätigt und waren bei der Pressekonferenz nicht anwesend.
Hintergrund der Gespräche
Das Treffen in Madrid war die vierte Runde der Handelsgespräche zwischen US- und chinesischen Vertretern, seit Präsident Trump im April einen Zollkonflikt mit China gestartet hatte. Beide Regierungen planen nun ein mögliches Gipfeltreffen zwischen Trump und Xi, wobei bislang nichts endgültig feststeht. Analysten warnen, dass noch Handelsprobleme auftreten könnten, die einen Besuch verzögern. Während der Präsidentschaft von Joe Biden nutzten Kongress und Weißen Haus Sicherheitsbedenken, um ein US-Verbot von TikTok zu genehmigen, falls die Muttergesellschaft ByteDance ihre Kontrollanteile nicht verkaufen würde. Trump hat die Frist für das Verbot mehrfach verlängert, obwohl das Gesetz nur eine 90-tägige Verlängerung vorsieht, und dies nur, wenn ein Abkommen existiert und der Kongress offiziell informiert wird. Die aktuelle Verlängerung endet am 17. September, zwei Tage bevor Trump und Xi voraussichtlich die letzten Details des Abkommens besprechen.
Die Entwicklung von TikTok
TikTok ist eine von mehr als 100 Apps, die ByteDance in den letzten zehn Jahren entwickelt hat. Das Technologieunternehmen wurde 2012 von Zhang Yiming in Peking gegründet. 2016 brachte ByteDance die Kurzvideo-Plattform Douyin in China auf den Markt und kurze Zeit später eine internationale Version namens TikTok. Durch den Kauf der Lip-Sync-Plattform Musical.ly, die vor allem bei Jugendlichen in den USA und Europa beliebt war, konnte ByteDance TikTok weltweit etablieren, ohne Douyin zu ersetzen. Die App gewann rasch an Popularität und wurde die erste chinesische Plattform, die auch im Westen ernsthaft Fuß fasste. Anders als andere Plattformen setzte TikTok auf Inhalte, die den Interessen der Nutzer:innen entsprechen.
Die oft witzigen Videos und Musikclips machten die Plattform zu einem beliebten Ort für Unterhaltung und Kreativität. Für viele Künstler:innen, darunter auch Lil Nas X, bot TikTok eine Bühne für den Durchbruch. Während der Lockdowns während der COVID-19-Pandemie gewann die App noch weiter an Bedeutung, als virale Tanzvideos zum festen Bestandteil wurden. Instagram (Reels) und YouTube (Shorts) reagierten erst später mit eigenen Kurzvideo-Tools.
Kritik und Herausforderungen
Mit dem Erfolg kamen jedoch auch Probleme. US-Behörden äußerten Bedenken bezüglich der chinesischen Wurzeln von ByteDance. Gesetze in China verpflichten Unternehmen, auf Anfrage der Regierung Daten herauszugeben. Ein weiteres Problem ist der proprietäre Algorithmus, der darüber entscheidet, welche Inhalte Nutzer:innen angezeigt bekommen.