Jay Jonas

"Die panischen Gefühle werden wohl immer bleiben"

Angstträume. "Boom, Boom, Boom, Boom, Boom", hört Jay Jonas wieder. Er erwacht schweißgebadet. Immer der gleich Albtraum, das gleiche Geräusch – das des über ihm einstürzenden WTC-Nordturms.

Jedes einzelne Stockwerk kollabierte mit einem lauten Knall, 110 insgesamt, und dass Jay das erzählen kann, ist eines der größten Wunder dieses Tages: Der heutige „Bataillon Chief” befindet sich mit sechs Kollegen und einer verletzten Frau, Josephine Harris, im Stiegenhaus B, im vierten Stock, als der Turm kollabiert. Sie werden wie Gummibälle herumgeschleudert, Jonas rechnet mit dem sicheren Tod: „Ich wusste, das der Südturm eingestürzt war – und wusste auch, was jetzt mit uns passieren wird.”

Was waren seine Gedanken in diesen endlosen Sekunden, 13, um exakt zu sein? „Dass ich meine Männer im Stich gelassen habe”, sagt er, „dass ich sie in den Tod geführt habe.”

Doch dann ist es plötzlich still, und Jay Jonas ist sich, einen kurzen Moment, nicht einmal sicher, ob er lebt oder tot ist. Er ruft „Hello”, und plötzlich melden sich seine Männer, einer nach dem anderen wieder.

Heute fährt er, als „Chief” herausgeputzt in blütenweißer Uniform, in seinem roten Feuerwehr-Range-Rover vollgepackt mit Kommunikationsgerät durch Manhattan, großteils langweilige Routine. Doch wenn er Fluggeräusche hört, blickt er verängstigt nach oben, prüft Flughöhe und Route. Nach jahrelanger Therapie geht es ihm etwas besser.

Trauerarbeit

Vor dem 11. September verlor das NYFD („New York Fire Department”) 752 Leute in 130 Jahren, dann starben plötzlich 343 in 28 Minuten, rechnet Jonas vor. Und: „Der Verlust enorm erfahrener Männer wird sich lange nicht ausgleichen lassen.”

Oft überkommen den Chef des „Bataillon 2“ lähmende, panische Gefühle: „Ich habe dann Schwierigkeiten, meinen Dienst zu Ende zu bringen.“ Ein Auslöser für diese Gefühle, wie es ihn bei den meisten Opfern von posttraumatischem Stress gibt, konnte man nicht feststellen. „Das ist das Teuflische, es kommt so unerwartet“, meint er resignierend. Die Sekunden der Todesangst seien tief in seinem Unterbewusstsein verankert. „Und das wird wohl immer so bleiben.“ Seinen Job aufzugeben, das kam für ihn nie in Frage.



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