Nach dem tödlichen Brand in Crans-Montana rückt die Loungebar «Le Constellation» immer stärker in den Fokus der Ermittlungen. Vor allem die zu engen Fluchtwege wurden den Partygästen zum Verhängnis.
Mindestens 40 Menschen kamen bei dem Feuer ums Leben, viele weitere wurden verletzt. Während die genaue Brandursache noch ungeklärt ist, mehren sich Hinweise auf mögliche Sicherheitslücken in jenem Lokal, in dem das Unglück seinen Anfang genommen haben soll.
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«Le Constellation» galt im Walliser Skiort als angesagter Treffpunkt für Après-Ski und Nachtleben. Tagsüber als Café betrieben, verwandelte sich das Lokal abends in eine Bar und einen Nachtclub mit Platz für rund 300 Gäste. DJs sorgten regelmäßig für Partystimmung, das Publikum war international und überwiegend jung. In Tourismusführern und Onlinebewertungen wurde die Bar als stilvoller Ort beschrieben, um den Skitag ausklingen zu lassen.
Zu wenige Fluchtwege
Doch hinter der eleganten Fassade zeigen sich nun problematische Details. Auf Bewertungsplattformen erhielt das Lokal in der Kategorie Sicherheit lediglich 6,5 von 10 Punkten. Ein ehemaliger Gast berichtete gegenüber dem „Blick“, dass es im Untergeschoss nur einen einzigen Flucht- und Zugangsweg gegeben habe – ein Umstand, der im Notfall eine rasche Evakuierung massiv erschwert hätte. Hinzu kommt die extensive Verwendung von Holz im Innenbereich sowie ein separater Raucher- und Shisha-Bereich, Faktoren, die aus brandschutztechnischer Sicht besonders kritisch sind.
Auf einem Video, das auf sozialen Medien kursiert, ist zu sehen, wie Menschen versuchen aus der Bar zu drängen, der Fluchtweg war aber schlichtweg zu eng. Somit kam es zum Todesdrama.
Brisantes Werbevideo
Zusätzliche Brisanz erhält der Fall durch ein Werbevideo auf YouTube, das nun die Runde macht. Darin ist zu sehen, wie Frauen Champagnerflaschen tragen, aus denen brennende Feuerwerkskörper ragen. In weiteren Sequenzen werden ganze Kübel mit mehreren dieser brennenden Elemente auf den Schultern durch das Lokal getragen. Mehrere Augenzeugen berichten, dass ähnliche Wunderkerzen in Champagnerflaschen auch in der Unglücksnacht eingesetzt worden seien und das Feuer an der Decke ausgelöst haben könnten.
Die Bar wurde laut „Tages-Anzeiger“ im Jahr 2015 von einem französischen Ehepaar aus Korsika gegründet, das ein zuvor verfallenes Gebäude übernahm und komplett neu gestaltete. Die Betreiber führten mehrere Lokale in der Region und galten lange als aufstrebend. Gleichzeitig tauchten in Onlinebewertungen immer wieder Kritikpunkte auf – etwa zum Umgang mit Gästen, zur Professionalität des Personals und zum Preis-Leistungs-Verhältnis.
Seiten offline
Auffällig ist zudem, dass die Online-Präsenz von «Le Constellation» kurz nach dem Brand verschwand. Die Facebook- und Instagram-Seiten wurden offline genommen, bei Google wird das Lokal inzwischen als „temporär geschlossen“ geführt. Ob dies in direktem Zusammenhang mit dem Unglück steht, ist bislang unklar.
Die Ermittlungen zur Brandursache dauern an. Die Kantonspolizei Wallis prüft derzeit, ob Sicherheitsvorschriften eingehalten wurden und welche Rolle mögliche Pyrotechnik im Lokal gespielt hat. Fest steht: Der Brand wirft schwere Fragen auf – und rückt die Verantwortung der Betreiber ebenso ins Zentrum wie die Kontrollen der zuständigen Behörden.