Paolo Campolo erlitt schwere Reizungen der Atemwege durch den Rauch und wird in Krankenhaus in Sitten behandelt
Der Italiener Paolo Campolo (55) ist einer der Helden der Brandkatastrophe von Crans-Montana. In der Silvesternacht rettete er mit anderen Helfern Dutzende junge Menschen aus der brennenden Bar. Alarmiert wurde Campolo gegen 1.20 Uhr von der Tochter seiner Lebensgefährtin, die Rauch bemerkt hatte und ihn sofort verständigte. Campolo, der nur wenige Meter vom Unglücksort entfernt wohnt, zögerte keine Sekunde und eilte mit einem Feuerlöscher zur Bar.
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Vor Ort bot sich ihm ein chaotisches und lebensgefährliches Szenario, wie Campolo der italienischen Tageszeitung "La Repubblica" berichtete: dichter, schwarzer Rauch, eingeschlossene Menschen und kaum Sicht. Über den Haupteingang konnte man nur ein bis zwei Meter ins Innere gelangen. Von dort aus begann Campolo, gemeinsam mit anderen Helfern, Menschen zu packen und ins Freie zu ziehen. Mindestens 20 Personen konnten so gerettet werden. Unter ihnen befand sich auch der Freund der Tochter seiner Partnerin, der schwer verletzt wurde und inzwischen in einem Krankenhaus in Basel behandelt wird.
Retter kannte das Lokal gut
Da Campolo das Lokal gut kannte, suchte er zusätzlich nach einem alternativen Ausgang. An einer hinteren Tür hörte er Hilferufe in verschiedenen Sprachen. Gemeinsam mit einer weiteren Person brach er die blockierte Tür auf. Dahinter befanden sich zahlreiche eingeschlossene Jugendliche, einige bei Bewusstsein, andere schwer verletzt. Campolo half, so viele Menschen wie möglich ins Freie zu bringen, trug aber auch Tote nach draußen. Später sagte er, er habe in diesem Moment nicht an den eigenen Schmerz, den Rauch oder das Risiko gedacht, sondern nur daran, dass es seine eigenen Kinder hätten sein können.
Paolo Campolo selbst erlitt schwere Reizungen der Atemwege durch den Rauch und wird derzeit in einem Krankenhaus in Sitten behandelt, wo er eine Atemmaske trägt. Seine Tochter Paolina blieb unverletzt - nur weil sie sich verspätet hatte, nachdem sie vor dem Ausgehen noch zu Hause vorbeigeschaut hatte. Diese Verspätung, so ihr Vater, habe ihr vermutlich das Leben gerettet.
Die Bilder jener Nacht verfolgen Campolo weiter: vor allem die Blicke der jungen Menschen, ihre Verzweiflung und die Bitten, nicht zurückgelassen zu werden. Nach dem aktuellen Stand kamen bei dem Brand 40 Menschen ums Leben, 119 wurden verletzt, und die Hoffnung, noch Überlebende unter den Vermissten zu finden, schwindet.