Im US-Außenministerium haben die Gespräche zwischen Israel und dem Libanon begonnen - die ersten direkten Gespräche seit 1993.
Auf Bildern war US-Außenminister Marco Rubio an der Seite der libanesischen Botschafterin in den USA, Nada Hamadeh Moawad, und dem israelischen Vertreter in Washington, Yechiel Leiter, zu sehen. Rubio sprach von einer "historischen Chance". Es gehe darum, den Einfluss der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz in der Region dauerhaft zu beenden, sagt er.
Zwar ließen sich die komplexen Probleme nicht in den nächsten sechs Stunden lösen, sagte Rubio. Doch könne man nun einen Rahmen für das weitere Vorgehen schaffen.
Israel strebt "Frieden und Normalisierung" an
Kurz vor Beginn der ersten direkten Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon seit Jahrzehnten hat die israelische Regierung für Frieden und eine Normalisierung der Beziehungen geworben. Das "Problem" sei nicht die libanesische Regierung, sondern die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz, sagte Israels Außenminister Gideon Saar am Dienstag. Unterdessen gingen die Kämpfe im Südlibanon weiter.
Uneinigkeit über die Ziele der Gespräche
Entscheidende Fortschritte wurden bei den Verhandlungen allerdings nicht erwartet, sogar über die Ziele herrschte Uneinigkeit: Der libanesische Präsident Joseph Aoun will, dass über eine Waffenruhe zwischen der Hisbollah-Miliz und Israel verhandelt wird - als Voraussetzung für umfassendere Verhandlungen zwischen den beiden Nachbarländern, die sich formell seit 1948 im Kriegszustand befinden und bisher keine diplomatischen Beziehungen unterhalten. Israel schließt eine Waffenruhe mit der Hisbollah allerdings vorerst aus und fordert zunächst eine Entwaffnung der vom Iran finanzierten Miliz.
"Wir wollen Frieden und Normalisierung mit dem Staat Libanon erreichen", sagte Saar bei einer Pressekonferenz kurz vor Beginn der Gespräche. Israel und der Libanon hätten "keine größeren Streitigkeiten untereinander. Das Problem ist die Hisbollah", sagte der Außenminister.
Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar hatte die Hisbollah ihre Angriffe auf Israel wieder verstärkt. Israel flog daraufhin massive Luftangriffe auf Ziele im Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze. Die gegenseitigen Angriffe gingen auch nach der Vereinbarung einer Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran am Mittwoch vergangener Woche weiter. Israel verstärkte seine Angriffe sogar.
Seit Anfang März wurden bei den israelischen Angriffen im Libanon mehr als 2.000 Menschen getötet und mehr als eine Million vertrieben. In der Nacht auf Dienstag wurden bei Gefechten zwischen israelischen Soldaten und Hisbollah-Kämpfern in der südlibanesischen Stadt Bint Jbeil nach israelischen Angaben zehn Soldaten verletzt.
Weiter heftige Kämpfe in libanesischem Grenzort
Aus libanesischen Sicherheitskreisen hieß es, es habe im Laufe des Tages wegen schweren Beschusses erhebliche Schäden gegeben. Der Ort gilt als Hochburg der Hisbollah. Aus Hisbollah-Kreisen hieß es, Kämpfer der Hisbollah hätten einen israelischen Panzer mit einer Selbstmordattacke angegriffen. Zuletzt habe es Kontakt zu den eingeschlossenen Hisbollah-Mitgliedern gegeben, danach sei er abgerissen. In dem Ort sollen noch Dutzende Kämpfer eingeschlossen sein.
Saar sagte, die Hisbollah habe Israel "gegen den Willen der libanesischen Regierung" angegriffen und stelle damit sowohl "ein Problem für die Souveränität des Libanon" als auch "ein Problem für die Sicherheit Israels" dar. Dieses Problem müsse gelöst werden, bevor die Gespräche zwischen Israel und dem Libanon in "eine andere Phase" übergehen könnten.
Hisbollah-Chef Naim Qassem hatte von der libanesischen Regierung am Montag eine Absage der Gespräche in Washington verlangt. Er bezeichnete sie als "eine Unterwerfung und eine Kapitulation".
17 Länder rufen Israel und Libanon zu Einigung auf
Außenminister aus 17 Ländern haben Israel und den Libanon vor Gesprächen in Washington aufgerufen, "diese Möglichkeit zu nutzen". In einer Erklärung, die das britische Außenministerium am Dienstag veröffentlichte, hieß es: "Direkte Verhandlungen können den Weg zu dauerhafter Sicherheit für den Libanon und Israel sowie die Region ebnen." Neben Großbritannien und Frankreich sind die weiteren Unterzeichnerstaaten Australien, Belgien, Dänemark, Finnland, Griechenland, Island, Kroatien, Luxemburg, Malta, Norwegen, Portugal, Schweden, Slowenien, Spanien und Zypern.
In der Erklärung verurteilen die Außenminister auch "in den schärfsten Worten" die Angriffe der pro-iranischen Miliz Hisbollah auf Israel sowie die "massiven israelischen Luftangriffe auf den Libanon am 8. April, bei denen nach den jüngsten von den libanesischen Behörden veröffentlichten Informationen mehr als 350 Menschen getötet und über 1000 verletzt wurden".