Bei bis zu 50 Grad:

Österreicherin seit einem Jahr in Händen von Entführern!

Eva G. wurde im Jänner 2025 im Niger gekidnappt. Auch eine Schweizerin und eine Amerikaner befinden sich vermutlich in den Händen derselben Entführer.

Agadez. Vor einem Jahr ist die Österreicherin Eva G. im Niger entführt worden. Ihr Sohn, Christoph Gretzmacher, hofft auf eine baldige Rückkehr seiner Mutter. Er sorgt sich um die 74-Jährige, die unter extremen Bedingungen in der Wüste leben muss. "Temperaturen von bis zu 50 Grad stellen selbst für Menschen mit langjähriger Erfahrung in der Region eine Lebensgefahr dar", warnt er. Das Außenministerium erklärt auf APA-Anfrage, "intensiv mit der Lösung des Falles beschäftigt" zu sein.

Bewaffnete Männer waren am Abend des 11. Jänners 2025 in das Haus von Eva G. in der nigrischen Wüstenstadt Agadez eingedrungen. Sie verfrachteten die Frau in einen Geländewagen. Lokale Medien berichteten, dass es sich bei den Kidnappern um Kriminelle handelte, die die Österreicherin an eine terroristische Gruppe weitergereicht haben. Die Österreicherin, die seit fast drei Jahrzehnten vor Ort lebt, ist seit 1996 mit dem von ihr gegründeten privaten Kulturverein Amanay im Niger aktiv. Sie ist in Agadez sehr gut vernetzt, sagt ihr Sohn. Nach Angaben auf Facebook engagiert sie sich für die Bildung junger Menschen, etwa in Bereichen wie Musik, Gesundheit, Ökologie oder Handwerklichem wie der Schneiderei. 2010 baute sie dafür ein eigenes Kompetenzzentrum.

Nur ein Lebenszeichen von Eva G.

Ein Lebenszeichen von der Österreicherin gab es Ende April des Vorjahres, wie das nigrische Medium "Aïr Info" berichtete. Der Beweis in Form eines Fotos erreichte das lokale Infoportal am 74. Geburtstag von Eva G. Demnach sei sie trotz Geiselhaft in der Sahelregion bei guter Gesundheit. Am 13. April des Vorjahres wurde eine zweite Frau auf die gleiche Art und Weise wie die Österreicherin entführt: nämlich nächtens aus ihrer Wohnung in Agadez. Vermutungen legen nahe, dass Eva G. und die Schweizerin Claudia A. nun zusammen sind. Gretzmacher geht außerdem davon aus, dass auch ein US-amerikanischer Staatsbürger, der im Oktober in der Hauptstadt Niamey verschleppt wurde, gemeinsam mit ihnen festgehalten wird.

"Diese Konstellation verdeutlicht, dass es sich nicht um einen isolierten Einzelfall handelt, sondern um eine Lage, die mehrere Staaten betrifft", sagt Gretzmacher. "Sie eröffnet zugleich die Möglichkeit, Kräfte zu bündeln und gemeinsam mehr politischen und diplomatischen Druck zu entfalten, als dies in der Anfangsphase der Entführung möglich war, als meine Mutter die einzige betroffene Europäerin war."

Über die Hintergründe der Entführung gibt es kaum gesicherte Informationen. Die nigrischen, österreichischen und auch Schweizer Behörden halten sich bedeckt. Auch der EU-Sonderbeauftragte für die Sahelzone, João Cravinho, mahnte bei einem Wien-Besuch dazu, nicht den "Scheinwerfer" auf den Fall zu richten. Die Bemühungen um Freilassung der Geisel liefen sehr diskret. "Die Sicherheit der Betroffenen hat für uns oberste Priorität", ergänzt das österreichische Außenministerium. Das Außenamt verfolge eine "zurückhaltende und diskrete öffentliche Kommunikation, vor allem auch um die laufenden Bemühungen nicht zu gefährden".

Österreich hat "unmittelbar nach Bekanntwerden der Entführung einen Krisenstab im Außenministerium eingerichtet, der alle diesbezüglichen Bemühungen koordiniert. Ebenso wird regelmäßig ein Krisenteam in die Region entsandt, das allen Hinweisen mit Nachdruck nachgeht", heißt es in einer Stellungnahme gegenüber der APA. Das Außenministerium stehe auf allen Ebenen im engen Austausch mit den Behörden in der Region, ebenso mit der Familie der Entführten, aber auch der EU sowie zahlreichen weiteren Partnern. "Erfahrungen zeigen, dass derartige Entführungsfälle sehr komplex sind und ihre Lösung Zeit in Anspruch nehmen kann."

Abgesehen von Entführungen westlicher Staatsangehöriger und ausländischer Arbeitnehmer führen die Terroristen einen Wirtschaftskrieg. Das Ziel von Anschlägen und Sabotageakten sind industrielle Produktionsstätten, Bergbaustandorte und Transitrouten. Zuletzt gab es vermehrt Angriffe auf chinesische Infrastruktur und Unternehmen in Niger und Mali.

Auch Russland ist stark involviert - durch Desinformationskampagnen gegen den Westen, durch Militärhilfe und Ausbildung von Kämpfern sowie das Lenken von Migrantenströmen nach Europa, wie der nigerianische Investigativjournalist Philip Obaji unlängst betont hat. "Auch Österreich ist verwundbar", warnte er im Dezember bei einer Veranstaltung in Wien.

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