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Amok-Drohungen

Tausende Polizisten bewachen deutsche Schulen

Die baden-württembergische Polizei hat auch am Freitag mit einem massiven Aufgebot vor Schulen Präsenz gezeigt.

Es seien rund 3.500 Beamte im Einsatz, wie eine Sprecherin des Innenministeriums sagte. Die Suche nach dem Urheber der Amok-Drohung im Internet zum Nikolaustag gestaltet sich weiterhin schwierig. Er sei noch nicht ermittelt worden. Die Ermittler hatten weiter keine heiße Spur zu dem Unbekannten, der im Internet für den Nikolaustag einen Amoklauf an einer Schule angedroht hatte. Der 18-jährige Schüler, der am Mittwoch im Zentrum der Ermittlungen gestanden war und sich vermutlich selbst das Leben nahm, war nach Polizeierkenntnissen nicht der Verfasser der Drohung. Die Auswertung seines Computers habe keine Hinweise auf eine geplante Gewalttat ergeben, berichtete die Polizei.

Vier Wochen Arrest für Droh-Email
Die Sprecherin warnte erneut vor so genannten Trittbrettfahrern. Das Amtsgericht Rastatt hatte am Donnerstag einen 19-Jährigen zu vier Wochen Dauerarrest verurteilt. Der Erwerbslose hatte gestanden, am Mittwochabend per E-Mail einen Überfall auf eine Schule im nahe gelegenen Achern angekündigt zu haben, wie die Staatsanwaltschaft Baden-Baden mitteilte. Er habe einer Bekannten einen schulfreien Tag verschaffen und ihr imponieren wollen. Zudem räumte der Beschuldigte ein, vor zwei Jahren in Norddeutschland bereits ein ähnliches Delikt begangen zu haben.

Zahlreiche Nachahmer
In ganz Deutschland musste die Polizei wegen Drohungen von Trittbrettfahrern ausrücken. Im Ortenaukreis (Baden-Württemberg) nahm die Polizei drei Männer im Alter zwischen 19 und 35 Jahren fest. Die Polizei prüft, ob die drei auch für die ursprüngliche Drohung verantwortlich sind.

Ein 20-Jähriger kündigte in Sachsen nach einem Schulverweis telefonisch bei der Polizei die Sprengung seiner Berufsschule an und wird seither vermisst.

Im sauerländischen Marsberg wurde ein 16-Jähriger vorübergehend festgenommen, nachdem er im Internet mögliche Amokpläne angedeutet hatte.

Weitere Vorfälle gab es in Köln, Saarbrücken und Freudenberg (Nordrhein-Westfalen) und Ludwigsburg (Baden-Württemberg).

"Scherze als Straftat ahnden"
Der Innenminister von Baden-Württemberg, Heribert Rech (CDU), kündigte an, "üble Scherze" von Trittbrettfahrern als Straftat zu ahnden. Täter hätten mit hohen Geldbußen zu rechnen, im Wiederholungsfall sogar mit noch schärferen Strafen. Unterdessen blieben auch am Donnerstag an vielen Schulen die Sicherheitsmaßnahmen bestehen.

"Balsam für jugendliche Seele“
Am Dienstag war bekannt geworden, dass ein Unbekannter im Internet für den Nikolaustag einen Amoklauf angedroht hatte. Daraufhin hatte das Kultusministerium die Schulleiter im Südwesten gewarnt. Die Kritik an der öffentlichen Warnung vor dem Amoklauf wurde am Donnerstag schärfer. Der Aachener Psychoanalytiker Micha Hilgers sagte im "SWR2"-Journal am Morgen": "Diese enorme öffentliche Aufmerksamkeit, ja Hysterie, die ist quasi Balsam auf die verletzten Seelen derjenigen, die für Amoktaten in Frage kommen."

Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Josef Schneider, sagte: "Ich kann doch einen möglichen Täter nicht so warnen. Wenn der das wirklich vorhat, dann kann er das jetzt noch machen." Ein Ende der verstärkten Polizeipräsenz an Schulen sei überhaupt nicht absehbar.



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