Brüssel

Belgier demonstrieren für Einheit des Landes

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Belgien steht vor einer Zerreißprobe. Flamen und Wallonen streiten um die Vorherrschaft. Tausende demonstrierten für die Einheit.

Zehntausende Belgier haben am Sonntag in Brüssel für die Einheit ihres Landes demonstriert. Angesichts der seit mehr als fünf Monaten stockenden Parteienverhandlungen über die Bildung einer neuen Regierung forderten sie die Politiker auf, ihre Meinungsunterschiede auszuräumen und ein Auseinanderbrechen des vor 177 Jahren gegründeten Königreichs nach Sprachgrenzen zu verhindern. "Wir verlangen, dass die Politiker unser Land und unsere Einheit respektieren", hieß es in einer von 140.000 niederländisch- und französischsprachigen Bürgern unterschriebenen Erklärung, die führenden Parlamentariern übergeben wurde.

Großkundgebung verlief friedlich
Etwa 35.000 Personen nahmen an der Großkundgebung teil, die nach Angaben des Brüsseler Bürgermeisters Freddy Thielemans friedlich verlief. Der Demonstration folgte ein Volksfest mit Ansprachen, Konzerten, Bier und Pommes frites, zwei "Nationalsymbolen" aller Belgier. 15 flämische Extremisten, die ohne Bewilligung am Rand der Demonstration vor dem Königspalast demonstrierten, wurden festgenommen.

Die Menge setzte sich gegen 11.00 Uhr im Stadtzentrum nahe des Nordbahnhofs in Bewegung und erreichte rund zwei Stunden später den Cinquantenaire-Park im Europaviertel. Ein Meer schwarz-rot-goldener Fahnen begleitete den Zug, die Menschen riefen "Belgien, Belgien!" und "Es lebe der König". Ein Teilnehmer sagte: "Man ist Wallone oder Flame, aber man ist vor allem Belgier."

Sandkastenspiele
Die Initiatorin der Aktion, Marie-Claire Houard, sagte zu Beginn der Demonstration, die Massenpetition sei eine Aufforderung an die Politiker, "ihre Sandkastenspiele zu beenden" und den Streit zwischen flämischen und wallonischen Parteien beizulegen. Aus der Parlamentswahl vom 10. Juni war der flämische Christdemokrat Yves Leterme als Sieger hervorgegangen, der sich seitdem erfolglos um eine Koalitionsbildung bemüht. Derzeit führt das scheidende liberal-sozialistische Kabinett unter Guy Verhofstadt die Regierungsgeschäfte kommissarisch weiter.

Die Koalitionsverhandlungen zwischen Christdemokraten und Liberalen aus Flandern und Wallonien spießen sich vor allem an der von den Flamen geforderten Staatsreform. Zuletzt spitzte sich die Krise weiter zu, nachdem die flämischen Parteien erstmals in der Geschichte des nach Sprachgruppen geteilten Landes im Innenausschuss der Abgeordnetenkammer im Alleingang für die Aufspaltung des umstrittenen Wahlbezirks Brüssel-Halle-Vilvoorde stimmten. Nach einem Vermittlungsversuch von König Albert II. haben die Parteienunterhändler derzeit eine Verhandlungspause eingelegt.

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