Saif al-Islam Gaddafi ist am Dienstag in seinem Anwesen in Zintan getötet worden.
Saif al-Islam Gaddafi (53), der Sohn des früheren libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi, ist am Dienstag in seinem Anwesen in Zintan getötet worden, berichten Quellen aus seinem Umfeld wie sein Anwalt Khaled el-Zaydi und libysche Medien.
Laut ersten Berichten soll er per Kopfschuss in seinem Garten getötet worden sein. Er starb wie sein Vater, der 2011 brutal umgebracht worden ist.
Enge Beziehung zu Österreich
Saif Gaddafi bezeichnete sich stets als Freund Österreichs und wollte vor fünf Jahren sogar Libyens Präsident werden. Er und Jörg Haider waren gute Freunde.
In Wien war er exotischer Aufputz des Gesellschaftslebens, man zeigte sich gern mit Saif al-Islam Gaddafi, lud ihn sogar zum Opernball ein. International galt der Sohn des damaligen Herrschers Libyens, Muammar al-Gaddafi, in den Nullerjahren als freundlich zivilisiertes Gesicht eines blutigen Regimes. Für manche war er so etwas wie ein Hoffnungsträger für die Zeit nach seinem Vater.
"Flüsse von Blut"
Das gute Image war Saif Gaddafi rasch los, als er sich 2011 bedingungslos hinter das zerfallende System und gegen die Rebellen des Arabischen Frühlings stellte. In einer berühmt-berüchtigten Rede bedrohte er die aufständische Bevölkerung mit "Flüssen von Blut". Eine Prophezeiung, die sich erfüllen sollte-allerdings anders, als das Saif Gaddafi erwartet hatte.
Die Rebellen erwiesen seinem Vater dieselbe Gnade wie der Diktator in der Zeit seiner Herrschaft seinen Gegnern - nämlich gar keine. Muammar al-Gaddafi wurde auf der Flucht gestellt und ohne Prozess erschossen.
Auch Saif kam nicht weit. Kurze Zeit später wurde er gefangen genommen. Ein Auslieferungsbegehren wegen eines Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshofs wegen Kriegsverbrechen wurde von den neuen Herren in Tripolis abgewiesen. Sie wollten selbst mit der Familie ihres einstigen Peinigers abrechnen.
In einem Käfig wurde Gaddafi vorgeführt, als ihm 2014 in der Rebellenhochburg Zintan der (Schau-)Prozess gemacht wurde. 2015 wurde er auch in der Hauptstadt Tripolis vor Gericht gestellt. Zur Verhandlung erschien Gaddafi allerdings nicht, da ihn die Rebellen nicht freigaben. So wurde er in Abwesenheit zum Tode verurteilt.
Haider und Gaddafi
In Österreich wollten all jene, die noch kurz davor Saif Gaddafi hofiert hatten, zu dieser Zeit nichts mehr von ihm wissen. Industrielle Kreise und vor allem auch die ehemalige Entourage des 2008 verstorbenen Landeshauptmanns von Kärnten und FPÖ-Chefs Jörg Haider hatten viel Geld verdient mit den Gaddafis.
Vater Muammar hatte in Österreich immer ein befreundetes Land gesehen - Bruno Kreisky war einer der ersten westlichen Staatsmänner gewesen, der den internationalen Bad Guy empfangen hatte - und war mit seinen Ölmillionen immer freigiebig umgegangen. So gab's beispielsweise Gratisbenzin für Jörg Haiders Kärnten.
Und mit Saif Gaddafi zeigte man sich gern. Er studierte in Wien auf der Privat-Uni IMADEC und hatte zwei weiße Tiger im Gepäck, als er in seine Villa in Grinzing einzog. An der London School of Economics erwarb er sich mit Die Rolle der Zivilgesellschaft für die Demokratisierung den Doktortitel. Gerüchte, die Arbeit wäre von einer vom Papa bezahlten Londoner Consulting Group verfasst worden, wollten nie verstummen.
Playboy
In Wien hatte Saif den Ruf eines Playboys mit guten Manieren. Skandalfrei blieb er aber nicht. 2007 stürzte eine junge Dame angeblich von einem Baum fünf Meter auf die Terrasse der Gaddafi-Villa ab und starb. Die Polizei stellte die Ermittlungen rasch ein und gab sich mit der Erklärung zufrieden, die Ukrainerin sei eifersüchtig auf ihre Nachfolgerin an der Seite Gaddafis gewesen und hätte versucht, in die Villa einzudringen. Dabei sei der Unfall passiert.
Tod in Villa
Saif lebte und starb in einer protzigen Villa in den Nafusa-Bergen bei Zintan.
Muammar al-Gaddafi
Saifs Vater: Kultfigur und Pate des Terrors
Als 1969 der erst 27-jährige Offizier durch einen unblutigen Putsch an die Macht kam und das korrupte und autoritäre Regime von König Idris stürzte, galt Muammar al-Gaddafi als Hoffnungsträger der arabischen Welt.
Der Diktator unterzog das Land einer Islamisierungskampagne und drängte westliche Einf lüsse zurück. Ideologische Grundlage seines "sozialistisch-arabischen" Systems war das Mitte der 1970er-Jahre herausgegebene Grüne Buch, eine Mischung aus Marxismus, Naturrecht und Nationalismus. Formal regierte der Volkskongress, das Sagen hatte aber ausschließlich Gaddafi selbst.
Mit der Zeit wurde der Personenkult um den "Revolutionsführer" immer bizarrer, und Gaddafi wurde zu einem der wichtigsten Paten des internationalen Terrors (Lockerbie). 2011 wurde Gaddafi von Rebellen in der Nähe seiner Heimatstadt Sirte erschossen. Jetzt ist auch sein zweitältester Sohn Saif al-Islam Gaddafi mit 53 Jahren erschossen worden.