Kolumbien

Ingrid Betancourt in Paris empfangen

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Am Freitag wurde Betancourt feierlich in Paris empfangen. An eine Lösegeldzahlung glaubt sie nicht, berichtet aber, gefoltert worden zu sein.

Frankreich drückt Ingrid Betancourt an sein Herz. Nach sechs Jahren Gefangenschaft im kolumbianischen Dschungel und zwei Tage nach ihrer Befreiung aus den Händen der FARC-Rebellen landete die Politikerin am Freitag bei Paris. Staatspräsident Nicolas Sarkozy und seine Frau empfingen Betancourt auf der Rollbahn des Militärflughafens Villacoublay. "Fast sieben Jahre habe ich auf diesen Moment gewartet", sagte sie. "Im Dschungel habe ich vor Schmerzen geweint, heute weine ich vor Freude."

Dank an Franzosen
Sie dankte der französischen Bevölkerung und dem Präsidenten für ihren unermüdlichen Einsatz. Betancourt ging in Frankreich zur Schule und hat neben der kolumbianischen die französische Staatsbürgerschaft. Ihre beiden Kinder leben in Frankreich. Sarkozy und sein Vorgänger Jacques Chirac hatten sich intensiv um ihre Befreiung bemüht, auf hunderten Demonstrationen und Kundgebungen zeigte die französische Bevölkerung ihre Solidarität mit Betancourt.

"Ich habe Ihre Botschaft am Ende des Dschungels empfangen", sagte Betancourt in einer kurzen Ansprache auf dem Flughafen. Sie nahm Sarkozys Hand. "Ich will Sie stellvertretend für ganz Frankreich an der Hand fassen und Ihnen in die Augen schauen", sagte sie. "Ich liebe Frankreich." Der französische Einsatz für ein gewaltloses Ende ihrer Gefangenschaft und Verhandlungen mit den kolumbianischen FARC-Rebellen habe dazu beigetragen, dass bei der Militäraktion der Streitkräfte am Mittwoch kein Tropfen Blut geflossen sei. Dabei waren neben Betancourt 14 weitere Geiseln befreit worden.

Lohnt sich zu kämpfen
Sarkozy zollte der 47-Jährigen tiefen Respekt für ihren Durchhaltewillen. "Ihre Befreiung ist eine Botschaft der Hoffnung, dass es immer ein Licht am Ende des Tunnels gibt", sagte er. "Sie haben bewiesen, dass es sich lohnt zu kämpfen." Nach dem Empfang am Flughafen begaben sich Sarkozy, Betancourt und ihre Familie in den Élysée-Palast. Der Staatschef hatte die einstige Präsidentschaftskandidatin sowie ihre Angehörigen und Unterstützer zu einem großen Fest in seinen Palast geladen. Das Flugzeug mit Betancourt war in der Nacht zum Freitag in Bogotá gestartet. An Bord waren auch ihre Kinder sowie Außenminister Bernard Kouchner.

Viel Zeit zum Ausruhen bleibt Betancourt in Frankreich nicht. Papst Benedikt XVI. teilte am Freitag mit, er wolle der Politikerin, die 2002 während ihres Präsidentschaftswahlkampfes von der Guerilla entführt worden war, so bald wie möglich eine Audienz gewähren. Das Treffen werde stattfinden, sobald es sein Terminkalender zulasse. Mit Betancourts Mutter war der Papst im Februar in Rom zusammengetroffen.

Gefoltert
Zuvor sickerten grausige Details über die Gefangenschaft Betancourts durch. Ihre mehr als sechs Jahre dauernden Geiselhaft im Dschungel bezeichnete sie als "grauenhaft". Sie sei gefoltert und erniedrigt worden, sagte Betancourt in einem am Freitag ausgestrahlten Interview mit dem französischen Sender Europe 1. Drei Jahre lang habe sie rund um die Uhr Ketten tragen müssen. Sie habe "schwere Krisen" durchgemacht und "Misshandlungen" der linksgerichteten FARC-Rebellen ertragen. "Es war so grauenhaft, dass es ihnen, glaube ich, selbst zuwider war", sagte die frühere kolumbianische Präsidentschaftskandidatin.

Als die kolumbianische Armee sie am Mittwoch befreit habe und sie den Dschungel im Hubschrauber hinter sich gelassen habe, "habe ich mir gesagt, dass diese schmutzigen Einzelheiten nicht bekanntwerden dürfen", sagte Betancourt. In solchen Situationen bedürfe es "eines starken Glaubens, um nicht zugrundezugehen". Dem Fernsehsender France 2 sagte sie: "Ich würde kein Tier so behandeln", wie sie behandelt worden sei. Was sie mit ihrer plötzlichen Freiheit nun tun werde, wisse sie noch nicht. Sie habe sich auf weitere Jahre in Gefangenschaft eingestellt und stehe noch "unter Schock". Rebellen der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) hatten Betancourt und ihre Mitarbeiterin Clara Rojas im Februar 2002 verschleppt.

Glaubt nicht an Lösegeld
Nach Informationen eines Schweizer Radiosenders in Wahrheit losgekauft worden. Die kolumbianischen FARC-Rebellen hätten rund 20 Millionen Dollar für Betancourt und die 14 weiteren Geiseln bekommen, die vor knapp zwei Tagen im Südosten von Kolumbien freikamen, berichtete der Schweizer Radiosender RSR am Freitag unter Berufung auf eine "glaubhafte und in den vergangenen Jahren mehrfach erprobte" Quelle. Hinter dem Handel stünden die Vereinigten Staaten. Die spektakuläre Befreiungsaktion mit einem Hubschrauber im Dschungel sei inszeniert gewesen. Etwas, das die kolumbianische Regierung jedoch dementierte. Vielmehr sei es eine "saubere und erfolgreiche" Aktion gewesen, wie man betonte. Und auch Betancourt selbst glaubt nicht daran, wie sie nach den Ankunft in Paris betonte.

Zusammen mit Betancourt waren am Mittwoch auch drei US-Bürger freigekommen, die mit dem US-Verteidigungsministerium zusammengearbeitet hatten und vor mehr als fünf Jahren verschleppt worden waren. Die Schweiz hatte in den vergangenen Jahren zusammen mit Spanien und Frankreich im Auftrag des kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe mit der FARC verhandelt.

Foto: (c) Reuters

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Ingrid Betancourt nach ihrer Befreiung aus der Gefangenschaft.

Hier strahlt sie vor Glück in den Armen ihrer Mutter, die sie nach sechs Jahren Gefangenschaft zum ersten Mal wiedersieht.

Auch ihrem Ehemann schaut sie absolut verliebt und überglücklich in die Augen.

Freudiges Wiedersehen nach sechs Jahren!

Die Freude ist unermesslich groß.

Hier sitzt sie mit den anderen befreiten Geiseln in Bogota und wartet auf ihre Ansprache nach Kolumbiens Präsidenten.

Kolumbiens Präsident Alvaro Uribe holt sie auf die Bühne.

Die Politikerin wirkte auf den Fernsehbildern fröhlich und schien bei überraschend guter Gesundheit zu sein.

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