Kritik an Papst
Juden fürchten "neue Eiszeit"
Für den Zentralrat der Juden in Deutschland hat Papst Benedikt XVI. mit der Aufhebung der Exkommunikation der traditionalistischen Bischöfe eine "antisemitische Gruppe in den Schoß der katholischen Kirche" zurückgeholt.
Damit mache der Vatikan "dieses Denken wieder salonfähig", meinte der Vizepräsident des Zentralrats, Dieter Graumann. Er fürchte, dass damit der christlich-jüdische Dialog um bald 50 Jahre zurückgeworfen werde. Graumann befürchtet eine "neue Eiszeit" im Verhältnis zur katholischen Kirche und spricht von einem "Schlag ins Gesicht der jüdischen Gemeinschaft" und einer "Provokation".
Ganz unabhängig von der Gestalt des britischen Bischofs Richard Williamson sei die "Pius-Bruderschaft" eine "dezidiert antisemitisch agierende Gruppe", so Graumann.
Dass nun ausgerechnet unter einem deutschen Papst eine "antisemitisch geprägte" Position gestärkt werde, mache die Sache geradezu bitter. "Wer mit Schmutz werfende antisemitische Hetzer umarmt, der kann am Ende auch beim besten Willen nicht sauber bleiben".
Am Holocaust-Gedenktag am Dienstag wird weltweit der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.
Italien: tiefe Wunde
Der römische Oberrabbiner Riccardo Di Segni
hatte den Papst bereits vorab vor den gravierenden Auswirkungen gewarnt, die
eine Wiederaufnahme der Lefebvrianer in die Kirchengemeinschaft auf das
jüdisch-katholische Verhältnis haben würden. Di Segni sprach gegenüber der
Turiner Zeitung "La Stampa" von einer "tiefen Wunde".
Verhaltene Reaktion auch in Frankreich
Die Aufhebung der
Exkommunikation von vier ultrakonservativen Bischöfen durch Papst Benedikt
XVI. hat in der französischen Kirche keinen Begeisterungssturm ausgelöst.
Der Vorsitzende der Bischofskonferenz und Pariser Kardinal Andre Vingt-Trois
reagierte am Samstag verhalten auf die Rehabilitierung der Anhänger des
verstorbenen Erzbischofs Marcel Lefebvre. Benedikt XVI. verfüge offenbar
über "ausreichend positive" Informationen, um diese
Entscheidung verantworten zu können
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