Bombendrohungen und Bürgerkriegswarnungen dominieren Wahltag in Ungarn
Es sollte die höchste Wahlbeteiligung seit dem Sturz des Kommunismus in Ungarn sein. Keine Frage, den 7,5 Millionen Wahlberechtigten war offensichtlich die historische Dimension dieser Parlamentswahl klar.
Kippt nach 16 Jahren das System Viktor Orban? Beenden die Wähler dessen Projekt „illiberale Demokratie“, wie der rechts-konservative 62-Jährige es selbst bezeichnete? Schafft Herausforderer Peter Magyar – einst selbst in Orbans Fidesz – mit seiner Tisza die Wende? Oder gelingt dem Lieblingspremier von Wladimir Putin noch einmal ein Coup?
Polizeieinsätze, Bürgerkriegs-Warnungen
In Ungarn spielte sich nicht nur einer brutaler Wahlkampf, sondern auch ein Wahlkrimi bis zur letzten Sekunde – zur Redaktionsschluss lag das Ergebnis noch nicht vor – ab. Mit jeder Menge Vorwürfe. Orban-Minister warnten plötzlich vor einem Bürger-Krieg sollte Magyar gewinnen. Letzterer witterte Wählerkauf seitens Orban. Immer wieder kam es in kleineren Städten zu Polizeieinsätzen und selbst eine Bombendrohung in einem Wahllokal am Wahltag durfte nicht fehlen.
Orbans Ukraine-Wahlkampf
„Es ist eine Entscheidungsschlacht! Es ist eine Wahl zwischen Westen und Osten, zwischen Propaganda oder einem ehrlichen Diskurs, zwischen einer wieder aufblühenden Wirtschaft oder einem sterbenden Ungarn“, polterte Magyar. Während Orban alle „Patrioten“ aufforderte ihn zu wählen.
Aber: Der 62-Jährige führte vor allem einen außenpolitischen Wahlkampf. Er ließ EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, den ukrainischen Präsidenten Selensky und den deutschen Weber plakatieren und warnte aus dem Nichts heraus, dass ungarische Soldaten plötzlich in der Ukraine kämpfen müssten. Mittels pathetischer Werbefilme wurden gar Exekutionen ungarischer Soldaten angedeutet.
Kaputte Wirtschaft & arme Pensionisten
Freie Medien sucht man in Ungarn freilich mit der Lupe. Daher wurde im Wahlkampf auch wenig über die fatale wirtschaftliche Lage in Ungarn berichtet. Ein Mindestpensionist etwa bezieht 80 (!) Euro im Monat. Immer mehr junge Menschen verlassen Ungarn, weil ihre Zukunftsaussichten nicht existent sind. Das Land ist regelrecht verarmt. Kein Wunder, dass Orban lieber über seine außenpolitischen Freunde Putin und Trump reden wollte …