2012 ist auch Schnitzler Jahr

150. Geburtstag

2012 ist auch Schnitzler Jahr

Fast genau zwei Monate alt war der kleine Arthur Schnitzler, als in der selben Stadt, im Wien des Jahres 1862, Gustav Klimt das Licht der Welt erblickte. Beide gingen als bedeutende Figuren der Wiener Moderne in die Kulturgeschichte ein - beide wären heuer 150 Jahre alt. Doch während das Klimt-Jahr 2012 in sämtlichen Museen und vom Wiener Tourismus schon vor dem Termin am 14. Juli gefeiert wird, geht es um den runden Geburtstag von Schnitzler am 15. Mai deutlich stiller zu. Höhepunkt ist eine Matinee im Volkstheater am 20. Mai, bei der zum dritten Mal der Arthur-Schnitzler-Preis vergeben wird.

Schnitzler mit hoher Bühnenpräsenz
"Die Bühnenpräsenz ist bei Schnitzler ohnehin stark gegeben", erklärt die Germanistin Konstanze Fliedl von der Universität Wien, die auch Präsidentin der Arthur-Schnitzler-Gesellschaft ist, im Gespräch mit der APA. Vor allem seit 2002, als die Kontraktpflicht 70 Jahre nach dem Tod des Autors endete, wird er viel gespielt. Das Burgtheater hat mit "Professor Bernhardi" und "Das weite Land" derzeit zwei Schnitzler-Klassiker im Repertoire, letzteres kommt bald auch am Salzburger Landestheater heraus und war erst kürzlich an der Josefstadt zu sehen, wo auch Igor Bauersimas Bearbeitung der "Traumnovelle" am Spielplan steht. Im Volkstheater feierte im November "Der einsame Weg" Premiere.

Schnitzler bedeutend für Wissenschaft

  Braucht man da überhaupt ein eigenes Schnitzler-Jahr? "Nicht so sehr an den Theatern, aber für uns Wissenschafter ist natürlich interessant, welche neuen Entwicklungen es in der Schnitzler-Forschung gibt", erklärt Fliedl. Gemeinsam mit dem Wissenschaftsfonds FWF gibt Fliedl die Kritische Ausgabe der Schnitzler-Werke heraus. "Die Entwurfstufen, aber auch die Fassungen aus dem Nachlass waren bei den wichtigen Schnitzler-Werken bisher zum Großteil nicht editiert", so Fliedl. Im Vorjahr erschien "Lieutenant Gustl" mit Faksimile, Illustrationen und Kommentar, im heurigen März soll "Anatol" veröffentlicht werden. "Für uns ist das ein ganz wichtiger Schritt", betont Fliedl. "Es gibt dabei noch so viele neue Seiten dieses scheinbar so bekannten Autors zu entdecken."

Ehrung mit Volkstheater-Matinee
Im würdigen Rahmen präsentiert wird der Band bei der Volkstheater-Matinee am 20. Mai: Umrahmt von einer Schnitzler-Lesung mit Ensemblemitgliedern des Hauses, von Schnitzler-Kompositionen am Klavier und vor allem von der Verleihung des dritten Schnitzler-Preises. 2002 erhielt Franzobel den mit 10.000 Euro dotierten Literaturpreis, 2005 ging er an an Gert Jonke. In der Jury für die heurige Vergabe sitzen Volkstheater-Dramaturg Hans Mrak, Theaterwissenschafterin Monika Meister, Marianne Gruber von der Österreichischen Gesellschaft für Literatur und Wolfgang Kralicek vom "Falter".

Schnitzler-Schwerpunkt in der Josefstadt

Auch im Theater in der Josefstadt widmet man sich dem Jubilar nicht nur mit der "Traumnovelle", sondern auch wissenschaftlich mit einem Podiumsgespräch im Anschluss. Schon am kommenden Donnerstag fragt man nach "Sexualität zur Zeit Arthur Schnitzlers und heute: eine Befreiungsgeschichte?", es diskutieren Angewandten-Direktor Gerald Bast, Sexualitäts-Historiker Franz X. Eder und Schnitzler-Expertin Fliedl. Schnitzler-Kongresse finden 2012 auch weit über die österreichischen Grenzen hinaus statt.

Auch Beziksmuseum feiert Schnitzler
In den heimischen Museen hat Gustav Klimt seinen zwei Monate älteren Weggefährten heuer eindeutig den Rang abgelaufen - wer allerdings die 2006 im Wiener Theatermuseum entstandene Ausstellung "Arthur Schnitzler - Affären und Affekte" noch einmal sehen möchte, kann dies ab dem 20. Juni im Museum Strauhof in Zürich tun. Im Wiener Bezirksmuseum Währing (18., Währinger Straße 124) wird noch bis 12. Februar die Ausstellung "Arthur Schnitzler in Währing - Eine Wiener Topographie" gezeigt. Der Autor hatte in der Spöttelgasse und in der Sternwartestraße Wohnungen.
 

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