Burg: Eklat um Minichmayr

Lulu-Inszenierung

Burg: Eklat um Minichmayr

Tatsache ist: Die großartige Schauspielerin Birgit Minichmayr hat ihre Mitwirkung an der Lulu gecancelt; damit fällt die für den 14. Mai geplante Burgtheater-Premiere klarerweise ins Wasser. Das ist ebenso bedauerlich wie die Tatsache, dass Minichmayr nächste Saison nicht in Wien, sondern bei Martin Kusej am Münchner Residenztheater (Weibsteufel und Interview) spielt.

Bedauerlich ist auch, dass ein anderer Großer, Gert Voss, derzeit mehr in Berlin als in Wien spielt. Mit Regisseur Thomas Ostermeier erarbeitet er – als Koproduktion der Berliner Schaubühne mit den Salzburger Festspielen – Shakespeares Maß für Maß (Premiere: 17. 8.). Nebenbei wirkt Voss bei Helmut Dietls Dreharbeiten zum Kir Royal-Sequel Zettl mit.

„Aufstand“
Aus diesen bedauerlichen Tatsachen nun dem Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann einen Strick drehen zu wollen – wie das Hartmann-Gegner gerade tun –; ja, sogar von einem „Aufstand“ des Ensembles zu sprechen, ist aber zumindest tendenziös. Denn zum einen hatte Minichmayr nicht mit Hartmann Divergenzen, sondern mit Lulu-Regisseur Jan Bosse.

Kooperativ
Und zum anderen hat auch Voss – dem zweifellos mehr Burgtheater-Rollen angeboten werden könnten und sollten! – nicht mit Hartmann gebrochen. Auf ÖSTERREICH-Anfrage kommentiert er: „Ich freue mich darüber, dass das Burgtheater so kooperativ ist und mich in Berlin spielen und den Film drehen lässt.“ Und: „Ich werde im Oktober 70. Und ich möchte auch in Zukunft jedes Jahr eine große Produktion spielen. Da wäre das Burgtheater natürlich meine erste Wahl! Wenn man aber keine Lust hat, hier mit mir etwas zu machen, dann wird sich etwas anderes finden. Ich bin da ganz gelassen.“

Hartmann versichert seinerseits (siehe Interview), mit dem „von mir bewunderten Schauspieler“ im Gespräch zu sein.

ÖSTERREICH: Minichmayr sagt ihre Mitwirkung an der „Lulu“ ab und geht nach München. Was sagen Sie dazu?
Matthias Hartmann
: Minichmayr und Regisseur Bosse kamen zur Überzeugung, dass ihre Meinungen divergieren. Es gab aber keinen Streit, sondern – was selten genug vorkommt! – eine konstruktive Auseinandersetzung.

ÖSTERREICH: Wird Minichmayr die Lulu unter einem anderen Regisseur spielen?
Hartmann
: Sie gab uns das Wort, dass sie die Lulu innerhalb der nächsten beiden Spielzeiten am Burgtheater erarbeiten will. Definitive Entscheidungen gibt es aber erst zu einem späteren Zeitpunkt. Und: Wir haben vereinbart, dass wir keine spekulativen Kampagnen „reiten“ werden.

ÖSTERREICH: Es werden aber Gerüchte gestreut, dass Minichmayrs Abgang mit Ihnen und Ihrem angeblich autoritären „Stil“ zu tun habe ...
Hartmann
: Mit mir hat das gar nichts zu tun. Ich bin ja nicht der Regisseur.

ÖSTERREICH: Hartmann-Gegner lancieren, es gebe eine „Aufstand“ im Haus ...
Hartmann
: Das Burgtheater ist zu groß, die Meinungen zu verschieden, als dass immer alle glücklich sein könnten. Aber ich muss schon sagen: Im Gegensatz zur üblichen Praxis von Theaterdirektoren habe ich fast alle Schauspieler behalten! Und da ich fast ständig auf und hinter der Bühne präsent bin, herrscht auch keinerlei Face-to-face-Gesprächsdefizit! Dennoch gibt es natürlich immer wieder Nörgler, die an die Öffentlichkeit gehen.

ÖSTERREICH: Zum Beispiel ...
Hartmann
: ... sind es diejenigen Schauspieler, denen ich aus sozialen Gründen nicht gekündigt, ihnen aber nahegelegt habe, sich mittelfristig nach anderen Bühnen umzuschauen. Und wenn man mich nachts betrunken auf meinem Handy aus der Kantine anruft, kann ich auch mal sauer werden!

ÖSTERREICH: Sprechen wir lieber über Stars. Gert Voss macht inzwischen viel in Berlin und wird heuer 70. Bieten Sie ihm eine neue Rollen an?
Hartmann
: Gert Voss ist ein von mir bewunderter Schauspieler. Und wir haben schon über zwei neue Rollen gesprochen.

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