Gruberova: Virtuos und wahnsinnig

Vincenzo Bellini

Gruberova: Virtuos und wahnsinnig

Vincenzo Bellinis düsteres Melodramma La straniera erzählt von einer Frau, deren Wesensmerkmal ihre Fremdheit ist, ihre geheimnisvolle Existenz. Alaide wird von Arturo, der für sie seine Braut sitzen lässt, begehrt, geht als Mörderin in die Verbannung und kehrt als Königin von Frankreich zurück. Das Melusine-Märchen mit Musik voll schwarzer Romantik und einem verworrenen Schauer-Libretto hat Christof Loy 2013 in Zürich für die Belcanto-Königin Edita Gruberova als gefühlsbeherrschte psychologische Innenschau in Szene gesetzt.

Belcanto-Fest
Die Produktion, ein Belcanto-Fest für die Primadonna assoluta, hatte gestern im Theater an der Wien Premiere. In drei Arien, zwei Terzetten, einem Quartett und einem Duett gibt Gruberova alles; da sitzt jede Note, stimmt jede Facette. Ihr Singen kann leise und zerbrechlich sein, aber auch laut, scharf und auftrumpfend. Königlich in der Haltung, unnahbar und verletzlich, Liebe, Schmerz und Trauer sublimierend in einem deklamatorischen Gesang, dessen Ausdrucksspektrum von schwerelos gehauchten bis zu expressiv dramatischen Tönen reicht. Immer wieder kulminiert er in reich variierten, stupenden Koloraturen und schwebenden Pianissimi, die das Markenzeichen der Diva sind. Ihr virtuoser vokaler Wahnsinn rast durch Himmel und Hölle.
 

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