Er wollte 
möglichst 
viele töten

1. Gutachten über Grazer Amokfahrer:

Er wollte 
möglichst 
viele töten

Steiermark. Die Anklage gegen Alen R., der drei Menschen totfuhr und 33 zum Teil schwer verletzte, lässt weiter auf sich warten. Aber das erste psychologische Gutachten ist fertig. ÖSTERREICH kennt Details.

Zentrale Frage beim Prozess gegen den 26-Jährigen, der in Einzelhaft in Graz sitzt, ist, ob der gebürtige Bosnier zurechnungsfähig war oder nicht? Um bei der Beurteilung ganz sicher zu gehen, wurden gleich drei Sachverständige (Anita Raiger, Manfred Walzl, Peter Hofmann) beauftragt.

Motiv: Hass auf
die Gesellschaft

Wie ÖSTERREICH aus Ermittlerkreisen erfuhr, liegt nun die erste Expertise der Psychologin Raiger vor. Das Ergebnis ihrer Persönlichkeitsanalyse und Gefährlichkeitsprognose lässt auf eine absichtliche Amokfahrt schließen – was gegen eine schwere Geisteskrankheit, sondern für eine Tat bei vollem Bewusstsein spricht. Alen R. soll am 20. Juni vorsätzlich mit seinem grünen Geländewagen durch die Grazer Innenstadt gerast sein und wahllos Passanten niedergefahren haben.

Und zwar aus „Hass auf die Gesellschaft“, wie die Gutachterin zusammengefasst habe, mit dem Ziel, so viele Menschen wie möglich zu töten. Wir fragten die Anwältin des Verdächtigen, ­Liane Hirschbrich, zu den neuen Erkenntnissen.

Die Anwältin im Talk

ÖSTERREICH: Die erste Gutachterin soll von einer bewussten Amokfahrt ausgehen?

Hirschbrich: Mein Mandant war zum Tatzeitpunkt in einer extrem psychischen Verfassung. Er war in einer Ausnahmesituation, die sich plötzlich entladen hat.

ÖSTERREICH: Die Gutachterin zieht Vergleiche zwischen Alen R. und Amokläufern.

Hirschbrich: Zum Motiv kann und darf die Psychologin gar nichts sagen. Sie kommt nur zu dem Schluss, dass gewisse Persönlichkeitszüge mit den Verhaltensweisen von Amokläufern übereinstimmen.

ÖSTERREICH: Was sagt Ihr Mandant zu seinem Motiv?

Hirschbrich: Er sagt, dass mehrere Angriffe und seine Angst vor weiteren Attacken durch ihm unbekannte Männer ursächlich waren. Er war in Panik.

ÖSTERREICH: Im Gutachten ist die Rede von seinem Hass auf die Gesellschaft? Ist darin sein Motiv zu sehen?

Hirschbrich: Der furchtbare Vorfall ist sehr komplex. Das ist wie ein Puzzle, das sich nach und nach zusammensetzt. Wo man erst am Ende der Ermittlungen die Ereignisse besser verstehen kann.

ÖSTERREICH: War Alen R. zurechnungsfähig?

Hirschbrich: Ich warte auf die Expertisen der beiden gerichtlich beauftragten Psychiater. Ich gehe davon aus, dass sie meinen Mandanten objektiv beurteilen.

ÖSTERREICH: Hörte er innere Stimmen, die ihn drängten?

Hirschbrich: Das wäre mir neu, davon hat er mir nichts gesagt. (kor)

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