Prozess: Raub-Opfer hat Angst vor zuhause

Salzburg

Prozess: Raub-Opfer hat Angst vor zuhause

Im fortgesetzten Prozess gegen vier Rumänen wegen zwei brutaler Raubüberfälle mit einer Toten im Salzburger Flachgau hat heute, Donnerstag, ein Überlebender ausgesagt. Der 80-jährige Pensionist aus Straßwalchen schilderte den Geschworenen am Landesgericht Salzburg, wie schmerzhaft es gewesen sei, als ihm die Täter mit einem Messer in den Oberschenkel stachen und dass er nur mit göttlicher Hilfe überlebt hätte. Der Prozess wird auf 2. Dezember vertagt.

Rund 30 Minuten vor dem Überfall am 6. September 2012 schickte der schwerhörige, allein stehende Pensionist noch seine routinemäßige SMS einem Bekannten mit den Worten: "Ich bin noch am Leben", wie das spätere Opfer heute schilderte. "Als ich am Küchentisch mein Essen auf Rädern einnahm, spürte ich eine freundschaftliche Betappelung." Einer der Rumänen, die in das alte Bauernhaus geschlichen waren, hatte ihm auf die Schultern geklopft und einen Bettelbrief gezeigt. "Zack bin ich schon am Boden gelegen, gefesselt an Händen und Füßen."

Die vermeintlichen Bettler lösten dann die Fußfesseln und schleppten den alten Mann ins Obergeschoß, wo sie seinen Tresor ins Visier nahmen. "Ich gab ihnen ein Zeichen, sie sollen die Hände freimachen, dass ich öffnen kann. Sie wurden noch zorniger und schlugen mich. Dann hab ich den Stich gespürt, das war sehr schmerzhaft. 'Herrgott, ich denke an deine Kreuzigung', dachte ich. Es ging mir um mein Leben." Es habe dann eine Zeit gedauert, bis die Täter den Tresor geöffnet hatten (mit einer Hacke, Anm.). Bevor die Männer flüchteten, "haben sie mich an den Füßen noch fest gefesselt".

Dass er sich befreien konnte, verdanke er "der Hilfe von oben", schien der Pensionist überzeugt. "Die Klebebänder dehnten sich wie Gummizeug. Die Fesseln gaben mir Zeugnis, dass ein Wunder passiert ist, sonst hätte ich mich nicht befreien können. Sonst wäre ich schon unter der Erde."

Blutüberströmt und voll Angst vor einem weiteren Blutverlust schleppte er sich zu einer Nachbarin. "Sie hat mich an den Händen befreit, dann kam die Rettung." Der schwerverletzte 80-Jährige wurde mit dem Rettungshubschrauber in Spital gebracht. "Seither habe ich Angst vor der Heimat. Ich wohne jetzt in einem Altenheim", erklärte er dem vorsitzenden Richter Andreas Posch, der sich wegen der Schwerhörigkeit des Zeugen direkt neben ihn gesetzt hatte.

Trotz des Martyriums, das dem alten Mann widerfahren war, verhielt er sich freundlich und brachte die Vertreter des Gerichtes, die Anwälte und die Zuhörer zum Lachen. Ihm mache es gar nichts aus, wenn er vor den Beschuldigten aussage, sie müssten nicht den Raum verlassen, "ich kenne sie ja eh", sagte er zum Vorsitzenden. Und als Posch ihn aufforderte, er solle zur besseren Verständnis sein Mikrofon weiter an sich heranziehen, entgegnete der 80-Jährige pfiffig: "Rücken sie das Mikrofon näher." Der Richter lächelte: "Sie sind ein Schelm, glaube ich", sagte Posch und setzte sich zum Zeugen.

Vor der Einvernahme des Pensionisten ist der 21-jährige erstangeklagte Cosmin T. zu dem Überfall befragt worden. Er bereue die Tat, sagte der Rumäne. Er habe aber nicht gesehen, wer den Mann geschlagen habe, er selbst sei es jedenfalls nicht gewesen. "Ich hatte auch nie ein Messer in der Hand", betonte der Beschuldigte. Dass sie jemanden fesseln müssten, daran hätten sie vor dem Überfall nicht gedacht. Sie hätten Geld stehlen wollen und gehofft, "vielleicht schaffen wir es, dass er uns nicht sieht". Der drittangeklagte Viorel C. schilderte, dass er vom Pensionisten schon zuvor dreimal Geld erbettelt hatte. Zweimal habe er 50 Euro und einmal zehn Euro bekommen. "Wir haben uns dann entschlossen, dorthin zu gehen und zu stehlen". Er selbst sei aber nicht im Haus gewesen.

Die vier Beschuldigten, die Ermittlern zufolge aus dem Bettlermilieu stammen, zeigten sich bisher zum Teil geständig. Cosmin T. und Ciprian T. (24) sollen den Straßwalchner laut Anklage gefesselt, geschlagen und gewürgt haben, der 31-jährige Komplize Viorel C. soll Schmiere gestanden sein. Die Täter flüchteten mit 11.000 Euro Bargeld und einem Handy. Den mutmaßlichen Mord an eine 83-jährige Arztwitwe in Köstendorf am 4. Dezember sollen Cosmin T. und Viorel C. verübt haben. Der 35-jährige Ioan S. leistete offenbar Aufpasserdienste. Die Witwe erstickte, nachdem sie geschlagen, gefesselt und geknebelt worden war. Die Täter erbeuteten Schmuck im Wert von 31.200 Euro.

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