Hofburg: Wem hilft Faymann-Rückzug?

Mitten im Wahlkampf

Hofburg: Wem hilft Faymann-Rückzug?

Hochspannung im Hofburg-Wahlkampf. In elf Tagen wissen wir, wer der neue Bundespräsident der Republik sein wird: der Grüne Alexander Van der Bellen oder der im ersten Wahlgang überlegene FPÖ-Kandidat Norbert Hofer.

Mitten im Wahlkampf platzte am Montag die Bombe vom Rücktritt des Kanzlers Werner Faymann. Seither zerbrechen sich die Kandidaten den Kopf, wem der Rückzug Faymanns und die vorübergehend führungslose Republik so kurz vor der Wahl mehr hilft.

Kann der Rücktritt die 
Wut-Wähler besänftigen?

In den Politzirkel kursieren dazu zwei Theorien.

  • Ruhebedürfnis der Wähler. Nach der ersten Variante könnte Van der Bellen leichte Vorteile ziehen. Polit-Experte Thomas Hofer sagt zu ÖSTERREICH: „Van der Bellen wird als stabiler und besonnener wahrgenommen. Das könnte ihm nutzen, weil die Wähler gerade jetzt wieder erinnert werden, was die Aufgabe eines Präsidenten bei einer Regierungskrise ist.“
    Zudem könnten die Wut-Wähler, die aus Protest gegen die Regierung Hofer gewählt hätten, durch den Rücktritt des Regierungschefs schon besänftigt sein.
  • FP-Chaos-Theorie bestätigt. Nach einer zweiten Variante hilft der Rücktritt eher Norbert Hofer. Das Chaos, das die FPÖ der Regierung unterstellt, hat sich vorerst bestätigt. Nicht nur die SPÖ, das ganze Land steht vorübergehend führungslos da. Immer mehr Stimmen erheben sich für Rot-Blau.

Der Endspurt des Wahlkampfs ist von Medienterminen dominiert. Am Freitag gibt es eine letzte Wahlfahrt im ORF, am Sonntag das Duell (ohne Moderation!) auf ATV.

Persönliche Auftritte halten sich in Grenzen. Hofer zeigt sich überhaupt nur noch beim Wahlfinale am Viktor-Adler-Markt am Freitag vor der Wahl.

Thomas Hofer über Präsidentenwahl: "Das ist nicht im Sinne Hofers"

Der Politikberater Thomas Hofer über Einfluss des Faymann-Rückzugs auf die Wahl.

ÖSTERREICH: Hat der Rücktritt von Werner Faymann Auswirkungen auf den Präsidentschaftswahlkampf?

Thomas Hofer: Er kann die Stimmung etwas beeinflussen, aber man darf sich nicht erwarten, dass sich da jetzt Tausende Wähler umentscheiden werden. Da sind andere Themen doch wichtiger für die Wahlentscheidung.

ÖSTERREICH:
Wem nützt der Rücktritt tendenziell mehr?

Hofer: Norbert Hofer hat sich sicher gewünscht, dass Faymann im Amt bleibt, die Krise auszusitzen versucht, dann würde seine Kritik am Stillstand in der Regierung besser funktionieren. Van der Bellen kann ein bisschen eher davon profitieren, weil er eher als Ruhepol in der Politik wirkt.

Norbert Hofer: "Dieses Chaos war suboptimal"

ÖSTERREICH:
Sind Sie froh über den Rücktritt von Kanzler Faymann?

Norbert Hofer: Es ist kein Geheimnis, dass ich Faymann und die Koalitionsregierung heftig kritisiert habe. Aber die Form der Amtsübergabe, dieses Chaos, hat mir überhaupt nicht gefallen. Das war suboptimal.

ÖSTERREICH: Glauben Sie jetzt, dass es zu Neuwahlen kommt?

Hofer: Ich schätze die Möglichkeit 60:40 Prozent ein, dass es nicht zu Neuwahlen kommt. Die Wahrscheinlichkeit ist größer, dass es beide Parteien nicht wagen, sich der Wahl zu stellen.

ÖSTERREICH:
Nützt diese in Auflösung begriffene Regierungspartei Ihrem Wahlkampf oder schadet sie?

Hofer: Weder noch. Es wird das Wahlverhalten weder in die eine noch in die andere Richtung beeinflussen, denn ich glaube, die überwältigende Mehrheit weiß bereits, wen sie wählen wird.

Van der Bellen: "Eine Chance für einen Neubeginn"

ÖSTERREICH:
War der 9. Mai ein guter Tag für Österreich?

Alexander V. d. Bellen: Der Rücktritt des Kanzlers kann die Chance für einen Neubeginn sein und den brauchen wir dringend, um die Situation am Arbeitsmarkt zu verbessern.

ÖSTERREICH: Erwarten Sie jetzt Neuwahlen?

Van der Bellen: Eher nicht. Es braucht aber gemeinsame Anstrengungen im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit, es braucht Wachstumsimpulse und die besten Bildungschancen für unsere Kinder.

ÖSTERREICH: Erwarten Sie, dass jetzt auch die ÖVP ihre Spitze austauscht?

Van der Bellen: Das ist eine Entscheidung der ÖVP?

ÖSTERREICH: Nützen diese Ereignisse Ihrem Wahlkampf oder schaden sie ihm eher?

Van der Bellen:
Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies einen Einfluss auf die Bundespräsidentenwahl 
haben wird.

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