Sieg für die Neue Mittelschule

Gymnasium bleibt

© REUTERS/TZ Österreich

Sieg für die Neue Mittelschule

Jetzt geht die ÖVP in die Offensive: Durch das Bildungsvolksbegehren von Hannes Androsch unter Zugzwang, präsentierte Parteichef Josef Pröll gemeinsam mit Wissenschaftsministerin Beatrix Karl und Generalsekretär Fritz Kaltenegger das ÖVP-Bildungskonzept. Auf den ersten Blick ein Sieg für SPÖ-Bildungsministerin Claudia Schmied: Die Grenze für die Neue Mittelschule (NMS) von 10 Prozent aller Unterstufenklassen soll fallen. Der Haken: Schmied soll vorher dem Erhalt des Gymnasiums zustimmen – keine Gesamtschule der 10- bis 14-Jährigen. Schmied freut sich erst mal trotzdem: "Schade, dass es nicht den großen Wurf gibt, aber es ist ein Schritt in die absolut richtige Richtung. Ich werde mich jetzt auf das konzentrieren, was wir umsetzen können.“

Kein Sitzenbleiben mehr, Schule sucht Lehrer aus
"Wir gehen auf den Koalitionspartner zu“, sagt ÖVP-Chef Pröll. Der ÖVP-Entwurf für eine Bildungsreform reicht vom Kindergarten bis zur Matura:

  • Kindergarten: Das Angebot soll flächendeckend ausgebaut, die Sprachkompetenz forciert und regelmäßig überprüft werden. Allerdings: Die Mittel für den Ausbau hat Pröll bisher nicht verlängert.
     
  • Übertritt in Volksschule: Deutsch ist Pflicht, sonst muss ein Vorschuljahr besucht werden.
     
  • Sitzenbleiben: soll nur mehr "ultima ratio“ sein.
     
  • Volksschule: Die Nachmittagsbetreuung soll ausgebaut werden. Bei mangelnden Deutschkenntnissen soll es verpflichtenden Förderunterricht am Nachmittag geben.
     
  • Entscheidung mit 10 Jahren: Die Volksschullehrer geben eine Bildungsempfehlung für Übertritt in Gymnasium oder NMS ab.
     
  • Mittelstufe: Die Begrenzung für die NMS fällt, alle Hauptschulen sollen zu NMS werden. Das kostet laut Pröll 130 Mio. Euro mehr im Jahr. Das Gymnasium bleibt. Kernfächer wie Deutsch, Mathe sind gleich, Wechsel daher leichter.
     
  • Mittlere Reife: Prüfung für Gymnasiasten wie für NMS-Schüler nach der Mittelstufe, berechtigt zur Oberstufe.
     
  • Schulautonomie: Die Entscheidung über den Schultyp, also über NMS oder Gymnasium, fällt am Schulstandort. Direktoren dürfen sich Lehrer, aber auch Schüler aussuchen.

SP-Bildungsministerin Schmied: "Im Interesse der Kinder"

  • Über das ÖVP-Konzept: "Schade, dass es nicht den großen Wurf gibt, aber es ist ein Schritt in die absolut richtige Richtung. Jetzt gibt es eine ÖVP-Position. Positiv ist der Wegfall der 10-Prozent-Grenze für die Neue Mittelschule. Sehr, sehr positiv, dass es mehr Durchlässigkeit geben und die Sprachförderung ausgebaut werden soll.“
     
  • Über den Reformzeitplan: "Ich freue mich darauf, mich jetzt so rasch als möglich mit Ministerin Karl zusammenzusetzen, um das Machbare zu schmieden. Eine gemeinsame Bildungsstrategie beider Koalitionspartner noch in diesem Halbjahr ist absolut möglich.“
     
  • Über die Gesamtschule: "Ich bedaure, dass es mit dem Festhalten der ÖVP an den Gymnasien vorerst keine gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen geben wird. Aber ich bin davon überzeugt, dass sich das Erfolgsmodell NMS durchsetzen kann. Das sieht man am Nachfrageverhalten und an der Zufriedenheit der Eltern, Schüler und Lehrer.“ Hintergrund: Auch Gymnasien können sich für eine Umwandlung in NMS entscheiden. Bisher haben das österreichweit 11 AHS bereits getan.
     
  • Über die Kosten der NMS: "Im Vollausbau würde die NMS 300 Millionen Euro mehr im Jahr kosten. Brutto, also ohne Berücksichtigung von Synergieeffekten. Wenn nur die Hauptschulen zu NMS werden, würden die Kosten in einer Größenordnung von 200 bis 230 Millionen Euro liegen.“


"Einladung an SP für Reform"

VP-Wissenschaftsministerin Karl im ÖSTERREICH-Talk.

ÖSTERREICH: Wo kommen Sie der SPÖ entgegen?
Beatrix Karl:
Bei der Ausweitung der Neuen Mittelschule und auch sonst gibt es einige Punkte, wo ich überzeugt bin, dass wir sie gemeinsam mit Bildungsministerin Schmied umsetzen können.

ÖSTERREICH: Sie wollen weiter das Gymnasium, die SPÖ die Gesamtschule.
Karl:
Das Konzept besteht ja nicht nur aus dem Erhalt des Gymnasiums. Es gibt noch viele andere Punkte. Etwa dass wir etwas gegen die Leseschwäche tun müssen, wie PISA gezeigt hat. Ich bin überzeugt, dass ich hier mit Schmied gute Verhandlungen führen werde.

ÖSTERREICH: Wo ist die Änderung der bisherigen ÖVP-Linie?
Karl:
Wir haben unsere Positionen weiterentwickelt und konkretisiert. Wir wollen Sprachkompetenz fördern, mehr Individualisierung. Das ist eine Einladung an die SPÖ, gemeinsam eine Schulreform anzugehen.

ÖSTERREICH: Im Herbst hat ÖVP-Chef Pröll den Ländern die Hoheit über die Lehrer zugesagt. Wie passt das mit mehr Schulautonomie zusammen?
Karl:
Das Konzept sieht vor, die Schulautonomie zu stärken. Die Direktoren müssen sich die Lehrer aussuchen können, aber auch die Schüler. Das Konzept ist ein inhaltliches und zielt nicht auf Verwaltungsfragen ab.

ÖSTERREICH: Wo ist der Unterschied zwischen AHS-Unterstufe und NMS?
Karl:
Ein Unterschied ist etwa, dass die Lehrpläne im Gymnasium für einen durchgängigen achtjährigen Schultyp passen.

ÖSTERREICH: Wieso soll man künftig leichter von der Hauptschule an eine AHS wechseln können?
Karl:
Es soll ein Modulsystem geben mit gemeinsamen Kernfächern und Lerninhalten. So muss man nicht jedes Fach nachholen.

Autor: K. Nagele
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