Partei unter Druck

CDU in der Krise: Merz verliert Fraktionsboss

Drei Männer im Anzug sprechen im Bundestag, einer von ihnen hält blaue Unterlagen in der Hand.
© APA/AFP/JOHN MACDOUGALL
In Deutschland steht das politische Berlin Kopf - Kanzler Friedrich Merz (CDU) verliert mit Jens Spahn (CDU) einen Schlüsselspieler der eigenen Partei und wichtigen Koalitionsmanager.
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Es war ein politisches Erdbeben in der deutschen Hauptstadt! Am Samstagnachmittag erklärte der Fraktionsvorsitzende von CDU und CSU im deutschen Bundestag, Jens Spahn (46), seinen Rücktritt.

Zwei Männer im Smoking stehen lächelnd auf einer roten Treppe vor einem Gebäude.
Jens Spahn (rechts) und sein Ehemann Daniel Funke (links). © APA/AFP/ADAM BERRY

Was war passiert? Spahn und sein Ehemann hatten per Leihmutterschaft in den USA ein Kind bekommen. In der eigenen Partei hielt Spahn die Leihmutterschaft - die in Deutschland gesetzlich verboten ist - bis es nicht mehr anders ging unter Verschluss.

Selbst Kanzler Friedrich Merz (70) erfuhr erst wenige Tage vorher davon - der überwiegende Rest aus CDU und CSU überhaupt nur aus den Medien.

Jens Spahn spricht im Bundestag, Friedrich Merz sitzt unscharf im Hintergrund auf lila Stuhl.
© APA/AFP/AFP /JOHN MACDOUGALL

Zerreisprobe für die Union

Spahn mauerte und seine Strategie ging nicht auf. Er wollte das Leihmutter-Kind zur reinen Privatsache erklären. Eine Causa, die der Union aber an die Grundfeste ging.

  • Noch als Gesundheitsminister hatte sich Spahn selbst gegen die Möglichkeit der Leihmutterschaft in Deutschland ausgesprochen.
  • Auch die CDU selbst unterstrich erst im Februar dieses Jahres, dass man am Verbot festhalten wolle: Im Februar, da war Spahns Leihmutter in den USA bereits hochschwanger.

Im Mai ließ der Strippenzieher der CDU sich dann erneut zum mächtigen Fraktionschef im Bundestag wählen - von seinen Kind-Plänen keine Rede.

Stolperstein seiner politischen Karriere

Spahn unterschätzte den Aufruhr in den eigenen Reihen. Dass er mit seinem Handeln einen Grundwert der Partei in Frage stellte, wollte er nicht als möglichen Stolperstein seiner politischen Karriere wahrhaben.

Auf eigene Macht aus

Für Merz ist der Abgang von Spahn Risiko und Chance zugleich. Merz verliert mit Spahn den Organisator der Regierungsmehrheit in den eigenen Reihen.

Aber: Spahn war auch stets ein Widersacher des Kanzlers; einer, der auf eigene Macht aus war und deshalb nie das uneingeschränkte Vertrauen von Merz genoss.

Die Nachfolge

An einer Schlüsselposition im Machtgefüge der Union ist jetzt ein Platz frei, den Merz für eine neue Dynamik nutzen kann.

Favorit auf die Spahn-Nachfolge ist Thorsten Frei (52), der Merz-loyale Polit-Manager, der aktuell noch das Kanzleramt führt.

Zwei Männer im Anzug sitzen in einem Konferenzraum und sprechen miteinander.
Friedrich Merz (links) und sein Kanzleramtschef Thorsten Frei (rechts). © Getty Images
Ein Mann im Anzug spricht vor blauem Hintergrund mit einem Teil eines Schriftzugs im Bild.
Günter Krings. © ullstein bild via Getty Images

Im Gespräch ist weiter Günter Krings (56), der Vize von Spahn in der Fraktion.

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