Mythos: Killerfische

Fressen Piranhas wirklich Menschen?

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Scharfe Zähne, blutige Angriffe und angeblich gnadenlose Jagden auf Menschen: Piranhas gelten als gefürchtete Räuber. Doch ihr Image ist deutlich schlechter als ihr tatsächliches Verhalten.
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In den Flüssen Südamerikas sind Piranhas zu Hause. Vor allem im Amazonasgebiet und im Orinoko-Becken sorgen die Fische mit ihren kräftigen Kiefern und spitzen Zähnen für Angst. Doch die Vorstellung, dass sie alles Lebendige zerfleischen, ist stark übertrieben. Viele Arten ernähren sich auch von Aas sowie von kranken oder verletzten Tieren. Manche Verwandte der Piranhas fressen sogar überwiegend pflanzliche Nahrung.

Wichtige Helfer im Ökosystem

Piranhas erfüllen in ihren Lebensräumen eine wichtige Aufgabe. Indem sie tote Tiere und organisches Material fressen, tragen sie dazu bei, Kadaver zu beseitigen. So sind sie Teil des natürlichen Gleichgewichts in den Flüssen Südamerikas.

Piranhas erfüllen in ihren Lebensräumen eine wichtige Aufgabe. © Getty Images

Trotzdem hält sich ihr Ruf als blutrünstige Killermaschinen hartnäckig. Teilweise werden die Fische sogar gezielt furchteinflößender dargestellt: Manche Halter schneiden ihnen die Lippen zurück, damit ihre Zähne stärker sichtbar sind. Das kann die Tiere verletzen und hat mit ihrem natürlichen Erscheinungsbild nichts zu tun.

Greifen Piranhas Menschen an?

Angriffe auf Menschen sind möglich, aber keineswegs der Normalfall. Piranhas meiden größere Lebewesen meist eher, statt gezielt die Konfrontation zu suchen. Das Risiko kann jedoch steigen, wenn die Fische unter Stress stehen, Nahrung knapp ist oder sie sich in einer besonderen Situation befinden.

Wer in Gewässern mit Piranhas unterwegs ist, sollte vorsichtig sein – insbesondere bei offenen Wunden. Die Vorstellung, dass ein Schwarm jeden Menschen innerhalb kürzester Zeit bis auf die Knochen abnagt, entspricht allerdings nicht dem typischen Verhalten der Tiere. Seltene Vorfälle können dennoch schwere Verletzungen verursachen.

Wie der Mythos vom Menschenfresser entstand

Ein Grund für den schlechten Ruf könnte in Bestattungspraktiken einzelner indigener Gemeinschaften im Amazonasgebiet liegen. Berichten zufolge wurden Verstorbene in bestimmten Regionen bei Überschwemmungen ins Wasser gegeben, wenn eine Beerdigung an Land schwierig war. Piranhas konnten dabei das Weichgewebe der Toten abfressen. Solche Erzählungen dürften die Vorstellung von Menschen fressenden Fischen zusätzlich verstärkt haben.

Ein Grund für den schlechten Ruf könnte in Bestattungspraktiken einzelner indigener Gemeinschaften im Amazonasgebiet liegen. © Getty Images

Auch der frühere US-Präsident Theodore Roosevelt trug zur Legendenbildung bei. In seinem Reisebericht "Through the Brazilian Wilderness" von 1914 beschrieb er Piranhas als besonders grausame Fische. Bei seiner Reise sollen Begleiter einen Pferdekadaver in einen Fluss geworfen und einen ausgehungerten Schwarm darauf losgelassen haben. Die dabei beobachtete Fressorgie vermittelte ein verzerrtes Bild davon, wie sich Piranhas normalerweise verhalten.

Wenn Piranhas ihre eigenen Artgenossen fressen

Ganz harmlos sind die Fische freilich nicht. Bei Rangkämpfen kann es zu Verletzungen kommen, und unter bestimmten Umständen können Piranhas auch ihre eigenen Artgenossen fressen. Besonders bei Nahrungsknappheit kann Kannibalismus vorkommen.

Der Rote Piranha ist für seinen kräftigen Kiefer und seine Fähigkeit bekannt, schwere Bissverletzungen zu verursachen. Das macht ihn zu einem ernst zu nehmenden Tier – aber nicht zu einer ständig jagenden Killermaschine. Sein Ruf erzählt vor allem eine Geschichte von Angst und Übertreibung.

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