oe24-Runde
Schlagabtausch um ORF-Chefposten
Am 11. Juni ist es soweit: Der neue ORF-Generaldirektor wird gewählt. In der großen oe24-Diskussionsrunde stellten sich fünf der 13 Kandidaten den brennenden Fragen rund um den ORF: Lisa Totzauer (ORF-Magazin-Chefin), Markus Breitenecker (ehemaliger Pro7-Vorstand), Clemens Pig (CEO APA), Kathrin Zierhut-Kunz (ORF III Geschäftsführerin) und Eva Schütz (Exxpress-Herausgeberin).
Die großee oe24-Diskussionsrunde gibt's hier zum Nachschauen:
Kampf um ORF-Chef: Die große Runde der Bewerber | FELLNER! LIVE mit Niki Fellner & Isabelle Daniel
© oe24
Die wichtigsten Aussagen der Kandidaten gibt's hier zum Nachlesen:
POLITISCHE HINTERGRÜNDE ZUR WAHL
Clemens Pig: "Es stimmt nicht, dass ich schon wegen politischer Hintergründe als neuer ORF-Chef feststehe. Meine ganze Karriere steht im Zeichen von unabhängigem, ausgewogenen und fairen Journalismus. Ich stehe für gelebte Unabhängigkeit. Ich war nie Mitglied in irgendwelchen politischen Organisationen. Das Bewerberfeld ist groß, das finde ich gut. Es muss eine transparente und faire Wahl geben. Postenschacher und Abmachungen über Jobs schwirren in den Medien herum, diese Dinge sind entschieden von der Hand zu weisen. Es gibt weder Zusagen noch irgendwelche Personalpakete. Wir sollten Ruhe bewahren und Fakten sprechen lassen. Auch Gerüchte über Chats mit Stiftungsräten oder ähnliches, dass es bereits ausgemachte Stellen gäbe, muss ich klar vom Tisch wischen."
Lisa Totzauer: "Der ORF ist im Eigentum der österreichischen Bevölkerung. Es geht nicht, dass eine Partei oder eine Regierung sich aussucht, wer wo sitzt. Wir müssen diese Spirale durchbrechen."
Markus Breitenecker: "Ich habe mich mit dem Bundeskanzler getroffen, es ist auch legitim, dass er sich für das Thema interessiert. Und es ist auch legitim, dass man Kontakte in die Politik hat. Ich kann auch total ausschließen, dass ich der Kandidat der NEOS sei. Ich bin kein Parteikandidat, ich bin unabhängig, so weit weg, wie kein anderer. Dieses ganze Hick-Hack und das Gegeneinander stört mich massiv. Wir sind in einer veritablen Krise und der Medienstandort ist in akuter Gefahr. Wenn wir nicht zusammenhalten, dann werden wir das nicht überleben. "
Kathrin Zierhut-Kunz: "Nein, ich bin nicht die FPÖ-Kandidatin, sondern ich hoffe, dass die Stiftungsräte aller Parteien für mich stimmen. Ja, es stimmt, dass ich FPÖ-Bezirksrätin war, aber das ist 37 Jahre her, seitdem hatte ich kein einziges politisches Amt inne und bin auch nicht Parteimitglied."
Eva Schütz: "Dass ich eine politische Meinung habe, kann man mir schwer nehmen. Es ist ein wenig unfair, mich daran festzumachen, dass ich im türkis-blauen Kabinett unter Sebastian Kurz war. Dadurch kennt man aber auch das politische Getriebe und weiß, welche Fehler man vermeiden sollte. Die damalige Nähe zu Sebastian Kurz ist unbestritten, aber er ist weder aktueller Bundeskanzler noch in irgendeiner anderen Form aktuell tätig. Also sehe ich nicht, was meine Unabhängigkeit hier beeinträchtigen könnte."
CAUSA WEISSMANN
Lisa Totzauer: "Ich bin froh, dass ich nicht alle Details kenne. Wir brauchen klare Transparenz, dazu eine klare Ombudsstelle, damit niemand Angst haben muss, wenn es Übergriffe oder ähnliche Missstände gibt. Da darf einfach nichts mehr in Schubladen landen. Wir haben die Sorgfaltspflicht, in der Sekunde zu handeln. Da geht es auch um die Glaubwürdigkeit im ORF."
Markus Breitenecker: "Wenn Machtmissbrauch oder sexuelle Übergriffe passieren, dann muss sofort gehandelt werden. Dazu braucht es einen guten Code of Conduct, lückenlose Aufklärung und Konsequenzen. Es braucht auch Schulungen, was sexuellen Missbrauch angeht. In gewissen Management-Zirkeln gibt es zu viele schwarze Schafe, es muss wieder ein faires, menschliches Miteinander geben. Ich würde den Fokus auf eine moderne Vision für den ORF legen und nicht auf interne Machtkämpfe."
Clemens Pig: "Der ORF war in den vergangenen Wochen in einem Art Schock-Zustand und es ist jetzt notwendig, dass dieser Schock zu einer Art Heilung wird. Es gibt dringenden Nachholbedarf. Eine harte Umsetzung von Konsequenzen und Maßnahmen muss zum Standard werden, wie es international üblich ist. Es muss eine neue Vorwärtsstrategie und Zuversicht her. Wir müssen den ORF wieder zu einem Raum für Österreich machen und den Mitarbeitern Zuversicht geben. Ein klarer Plan und eine starke Führung an der Spitze ist unbedingt notwendig."
ORF-GAGEN
Kathrin Zierhut-Kunz: "Wir brauchen eine Gehaltspyramide, die wir von unten aufzäumen. Wir haben marktkonforme Kollektivverträge, von denen wird man aber nicht reich. Wir haben zahlreiche Teilzeit-Kräfte, die davon nicht leben können. Das Problem der freien Mitarbeiter, denen immer wieder Anstellungen versprochen werden, das gehört unbedingt gelöst. Dann gibt es den Mittelbau und das obere Segment. Es sollte leistungsbedingte und variable Vergütungen geben, das würde ich auch für meinen eigenen Vertrag übernehmen. Besetzungen darf es nur noch nach fachlicher Qualifikation geben."
FINANZIERUNG UND AUSRICHTUNG DES ORF
Eva Schütz: "Ich wäre dafür, den öffentlich-rechtlichen Auftrag genau zu konkretisieren. 44 Prozent sind aktuell Unterhaltung, diesen Anteil könnte man hinterfragen. Das Monopol des ORF sehe ich sehr kritisch. Viel kann der ORF tatsächlich leisten, dazu könnte man die Tür für private Sender auch öffnen. Dann muss man sich überlegen, wie viel Budget der ORF wirklich braucht. Man kann auf jeden Fall kritisch hinterfragen, ob man alle Programme braucht, die der ORF aktuell betreibt."
Markus Breitenecker: "Eine Schärfung des ORF auf ein reines Informationsprogramm würde ich nicht unterstützen. Der ORF braucht sehr wohl Kultur, Unterhaltung, Sport und Wirtschaft. Mein Konzept wäre "vom Marktführer zum Marktmotor", der ORF soll nicht in Konkurrenz mit den Privatmedien systematisch kooperieren, sodass beide Seiten etwas davon haben."
Kathrin Zierhut-Kunz: "Man könnte durch eine gewisse Umverteilung auch die Haushaltsabgabe anteilig an private Sender verteilen, wenn sie öffentlich-rechtliche Inhalte liefern. Im Gegenzug könnte man die Werbeeinnahmen dazu nutzen, die Restriktionen zu lockern."
Clemens Pig: "Die ORF-Haushaltsabgabe ist gekommen, um zu bleiben. Man hätte es damals beschließen können, dass es eine gesamtösterreichische Medienabgabe geben könnte, ist aber nicht passiert. Ich finde es sehr gut, wenn man in Richtung Kooperationen mit Privaten geht. Kooperation scheitert meistens am Willen."
Lisa Totzauer: "90 Millionen einzusparen muss man sehr ernst nehmen. Wir haben im ORF die schlechteste Verteilung in Europa. Es gibt kaum einen öffentlich-rechtlichen Sender, der so wenig für Programm und so viel für Verwaltung und Technik ausgibt. Zudem gibt es keinen Sender, der so intransparent ist, wie der ORF. Es gibt einige Bereiche, wo es unglaublich teure Doppelgleisigkeiten gibt. Auf der einen Seite beim Faktor Geld, zum anderen lähmen sie die Entscheidungsprozesse. Die Sinnfrage muss entscheidend sein: Wofür will man wieviel Geld ausgeben?"
Auch interessant
ZUKUNFT DES ORF
Clemens Pig: "Wir stehen am Übergang vom linearen Fernsehen hin zum digitalen Fernsehen. Streaming ist ein sehr komplexer Markt. Den Schritt in die Zukunft muss man jetzt unbedingt machen. Es gilt, junge Zielgruppen zurückzugewinnen, die wir an Social Media verloren haben. Man muss prinzipiell verstehen, wie die digitale Wirtschaft funktioniert. Mit der KI-Ära verschwindet auch die Sichtbarkeit der Medien und verschärft den Druck. Wir müssen das Thema Publikum neu denken - als zentrale Basis zum Beispiel mit ORF ON."
Markus Breitenecker: "Man darf nicht Plattformen und KI durcheinandermischen. Die zentrale Aufgabe des ORF ist es, die Inhalte, die man produziert, mit einer digitalen Aufmachung auszustatten. Man muss die linearen Sendermarken des ORF auf die digitale Zukunft umstellen. Der Zug für Social Media ist abgefahren, um die junge Zielgruppe zurückzuführen. Aber wir müssen sie zurückholen auf die eigenen Plattformen - live und on Demand! Das ist zwar schwierig, aber nicht völlig unrealistisch. Sonst sind die Daten bei den Tech-Riesen in Amerika. Mit diesen Daten wird künftig auch Krieg geführt."
Lisa Totzauer: "Es ist sehr spät, gegen KI und Fake News gegenzusteuern. Eine Kooperation, ein Schulterschluss in ganz Europa ist notwendig. Es geht darum, wer in 10 Jahren bestimmt, was wahr ist und was Journalismus bedeutet."
Kathrin Zierhut-Kunz: "KI ist ein Riesenthema und auch im Bereich der Information. Es muss alles durch eine Verifikation mittlerweile. In dem Bereich geschieht schon wahnsinnig viel. Auch in einer digitalen Zukunft muss die Ausspielbarkeit und Nutzerfreundlichkeit im Zentrum stehen. Viele Ideen sind ja sehr gut, aber man darf auch die zahlreichen rechtlichen Schranken nicht außer Acht lassen. Wir können nur damit arbeiten, was wir rechtlich dürfen."
OE24 TV Live-Stream
OE24 TV Live-Stream
Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden