Augenschäden
Sonnenfinsternis ohne Brille angesehen? Das könnte jetzt drohen
Nach der partiellen Sonnenfinsternis vom 12. August 2026 über Österreich stellt sich für manche die Frage: Kann ein kurzer Blick ohne Sonnenfinsternisbrille bereits den Augen geschadet haben? Möglich ist es. Direktes Schauen in die Sonne kann die lichtempfindlichen Zellen der Netzhaut schädigen und im schlimmsten Fall bleibende Sehstörungen verursachen. Besonders betroffen ist häufig die Fovea im Zentrum der Makula, die wir etwa zum Lesen und Erkennen feiner Details benötigen.
In Österreich war die Sonne gestern nur teilweise verfinstert – in Wien wurden rund 89 Prozent der Sonnenscheibe bedeckt. Das macht den ungeschützten Blick allerdings nicht sicher: Bei einer partiellen Sonnenfinsternis darf zu keinem Zeitpunkt ohne geeigneten Spezialfilter direkt in die Sonne geschaut werden.
Diese Symptome können nach dem Blick in die Sonne auftreten
Eine solare Retinopathie macht sich häufig innerhalb der ersten Stunden nach der Sonnenbeobachtung bemerkbar. Beschwerden können laut National Eye Institute aber auch verzögert auftreten und sich erst im Laufe von Stunden oder Tagen entwickeln.
Auf diese Warnzeichen sollten Betroffene jetzt besonders achten:
- verschwommenes oder unscharfes Sehen
- ein dunkler, grauer oder verschwommener Fleck im Zentrum des Sichtfeldes
- verzerrte Linien, Buchstaben oder Gegenstände
- Farben, die blasser oder verändert wirken
- erhöhte Lichtempfindlichkeit
- eine auffällige Verschlechterung des Sehens auf einem oder beiden Augen
Typisch sind insbesondere Störungen des zentralen Sehens. Betroffene können beispielsweise feststellen, dass Buchstaben beim Lesen verzerrt erscheinen oder genau dort, wo sie hinsehen, ein Fleck im Sichtfeld bleibt.
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Warum können die Augen geschädigt sein, obwohl nichts weh tut?
Eine Netzhautschädigung muss nicht mit starken Schmerzen einhergehen. Genau deshalb kann der ungeschützte Blick in die Sonne so tückisch sein: Betroffene bemerken unter Umständen während der Sonnenbeobachtung nicht, dass die intensive Strahlung das empfindliche Gewebe im hinteren Teil des Auges schädigt.
Bei der solaren Retinopathie kommt es vor allem zu einer photochemischen Schädigung der äußeren Netzhautschichten und des retinalen Pigmentepithels. Die Veränderungen konzentrieren sich häufig auf die Fovea – den Bereich des schärfsten Sehens.
Was tun, wenn man gestern ohne Brille in die Sonne geschaut hat?
Wer nach der Sonnenfinsternis eine neue Veränderung des Sehvermögens bemerkt, sollte diese zeitnah augenärztlich abklären lassen. Das gilt besonders bei einem zentralen Fleck, verschwommenem Sehen, verzerrten Linien oder deutlich unterschiedlichen Sehleistungen der beiden Augen. Das National Eye Institute empfiehlt nach intensiver Sonnenexposition bei solchen Beschwerden eine rasche Untersuchung durch Augenfachpersonal.
Als einfacher Selbstcheck kann man jeweils ein Auge abdecken und beispielsweise einen Text oder gerade Linien betrachten. Unterschiede zwischen beiden Augen oder plötzlich verzerrt wirkende Buchstaben können dabei auffallen. Dieser Test ersetzt jedoch keine augenärztliche Untersuchung.
Können Augenschäden nach der Sonnenfinsternis wieder verschwinden?
Die Prognose ist unterschiedlich. Bei vielen Betroffenen verbessert sich das Sehvermögen innerhalb der folgenden Wochen und Monate deutlich. Ein großer Teil der Erholung findet nach Angaben der American Academy of Ophthalmology im ersten Monat beziehungsweise innerhalb der ersten sechs Monate statt.
Vollständig reversibel ist eine solare Retinopathie allerdings nicht immer. Besonders zentrale oder neben dem Zentrum gelegene blinde Flecken sowie Verzerrungen des Sehens können dauerhaft bestehen bleiben.
Eine Therapie, die die bereits entstandene Netzhautschädigung zuverlässig rückgängig macht, gibt es derzeit nicht. Verschiedene Behandlungen wie Kortison wurden untersucht beziehungsweise eingesetzt, ein gesicherter Nutzen konnte bislang jedoch nicht gezeigt werden.
Kein Symptom nach einem kurzen Blick: Ist dann alles in Ordnung?
Wer gestern nur ganz kurz hingesehen hat und auch am nächsten Tag keinerlei Veränderung des Sehens bemerkt, hat zunächst einen beruhigenderen Ausgangspunkt als jemand, der länger direkt in die Sonne geschaut hat und nun Beschwerden verspürt.
Eine bestimmte Anzahl an Sekunden, die beim direkten Blick in die Sonne garantiert ungefährlich wäre, lässt sich daraus aber nicht ableiten. Bei einer partiellen Sonnenfinsternis gilt grundsätzlich: Direktes Beobachten ist ohne geeigneten Augenschutz nicht sicher. Selbst wenn fast die gesamte Sonnenscheibe vom Mond bedeckt ist, bleibt der sichtbare Teil der Sonne intensiv genug, um die Netzhaut zu schädigen.
Wann sollte man nach der Sonnenfinsternis zum Augenarzt?
Spätestens bei einer neu aufgetretenen Sehveränderung sollte man nicht einfach abwarten. Dazu gehören insbesondere verschwommenes Sehen, ein Fleck im zentralen Gesichtsfeld, verzerrtes Sehen, Farbveränderungen oder eine deutliche Verschlechterung auf einem Auge.
Auch wenn Beschwerden erst heute oder in den nächsten Tagen auftreten, kann ein Zusammenhang mit dem gestrigen Blick in die Sonne bestehen, da Symptome einer solaren Retinopathie verzögert beginnen können. Eine augenärztliche Untersuchung kann klären, ob tatsächlich die Netzhaut betroffen ist.
Für zukünftige partielle Sonnenfinsternisse gilt deshalb ohne Ausnahme: Nur zertifizierte Sonnenfinsternisbrillen beziehungsweise geeignete Solarfilter verwenden. Normale Sonnenbrillen – egal wie dunkel – bieten keinen ausreichenden Schutz.
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