Oft unterschätzt
Sonnenfinsternis: Warum nicht nur Ihre Augen in Gefahr sind
Heute Abend ist es so weit: Die partielle Sonnenfinsternis beginnt in Österreich gegen 19:22 Uhr. Je nach Region wird die Sonne dabei zu rund 85 bis 90 Prozent vom Mond verdeckt. Ihren Höhepunkt erreicht die Finsternis gegen 20:06 Uhr. Doch wer das spektakuläre Himmelsschauspiel ohne ausreichenden Schutz beobachtet oder fotografiert, riskiert nicht nur schwere Augenschäden. Auch die eigene Technik kann dabei im schlimmsten Fall einen teuren Totalschaden erleiden.
Gefahr für unsere Augen: Verbrannt, ohne es zu spüren
Die meisten von uns wissen: Ein direkter Blick in die Sonne ist tabu. Doch bei einer Sonnenfinsternis ist die Verlockung besonders groß. Wenn das blendende Licht abnimmt und die Sonne nur noch als schmale Sichel am Himmel steht, wirkt der Blick nach oben oft harmlos. Genau dieser Trugschluss ist extrem gefährlich.
Das Problem: Die Augenlinse bündelt die noch immer hochintensive Sonnenstrahlung wie ein Brennglas direkt auf der Netzhaut. Es kommt zu einer photochemischen und thermischen Zerstörung der lichtempfindlichen Sehzellen. Das Fatale daran: Die Netzhaut besitzt keine Schmerzrezeptoren. Ihre Sehzellen verbrennen, ohne dass Sie auch nur das geringste Ziehen oder Brennen spüren. Erste Symptome wie graue oder dunkle Flecken im zentralen Sichtfeld, verzerrtes Sehen oder ein drastischer Verlust der Sehschärfe machen sich häufig erst Stunden später bemerkbar. In vielen Fällen heilen diese Schäden nicht mehr vollständig aus, ein dunkler Fleck bleibt für immer.
NASA warnt vor verschmorten Handykameras
Was für das Auge gilt, gilt auch für dein Smartphone und teure Spiegelreflexkameras. Auch hier greift das physikalische Brennglas-Prinzip. Die Kameralinse fängt das hochintensive Licht ein, bündelt es zusammen mit der extremen Hitze und fokussiert alles auf einen winzigen Punkt auf dem Bildsensor. Wer sein Handy oder seine Kamera ungeschützt längere Zeit auf die Sonne richtet, brät förmlich die Elektronik im Inneren.
Die Folgen? Das Bildmaterial wird für immer ruiniert. Sichtbar wird der Schaden durch helle Flecken, permanente grüne oder lila Linien im Bild, völlig "blinde" (tote) Pixel oder weggeschmolzene interne Filter. Wer noch dazu Teleobjektive oder Zoom-Aufsätze an Smartphone oder Kamera nutzt, verstärkt die zerstörerische Kraft um ein Vielfaches.
Verkehrschaos und abgelenkte Fahrer
Während der Mondschatten über das Land rast, verdunkelt sich der Himmel unnatürlich schnell, und die Temperaturen stürzen kurzzeitig ab. Für Autofahrer birgt das eine enorme Unfallgefahr. Es ist nicht nur die abrupte Dämmerung, die irritiert. Die weitaus größte Gefahr sind die Menschen selbst: Autofahrer, die fasziniert aus dem Fenster oder durchs Schiebedach in den Himmel starren, statt auf die Straße zu achten. Bei vergangenen Finsternissen kam es immer wieder zu fatalen Auffahrunfällen, weil Fahrer mitten auf der Autobahn plötzlich stark abbremsten oder spontan auf dem Seitenstreifen hielten, um Fotos zu machen.
So schützen Sie sich und Ihr Equipment richtig
Damit das Naturschauspiel in bester Erinnerung bleibt, beachten Sie diese Regeln:
- Für die Augen: Niemals ohne eine zertifizierte Sonnenfinsternis-Brille (Norm ISO 12312-2) in die Sonne blicken. Normale Sonnenbrillen oder rußgeschwärztes Glas bieten keinen Schutz.
- Für Kamera und Smartphone: Nutzen Sie extrem starke ND-Filter (wie ND1000000) oder spezielle Solarfilter-Folien, die vor dem Objektiv (nicht am Sucher) angebracht werden.
- Auf der Straße: Wenn Sie im Auto sitzen, ignorieren Sie das Spektakel! Möchten Sie es sehen, fahren Sie frühzeitig auf einen sicheren Parkplatz. Niemals auf dem Seitenstreifen anhalten.
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