Beben-Inferno

Zehntausende Tote befürchtet – Venezuela-Hilfe läuft an

Einsatzkräfte suchen nachts nach einem Erdbeben in Caracas auf eingestürzten Gebäudetrümmern nach Opfern.
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Nach dem verheerenden Doppel-Erdbeben rücken internationale Rettungsteams in Venezuela ein. Österreichische Hilfsorganisationen bitten um Spenden.
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Bei zwei schweren Erdbeben in Venezuela sind mindestens 32 Menschen ums Leben gekommen und rund 700 weitere verletzt worden. In und um die Hauptstadt Caracas stürzten Dutzende Gebäude ein. Die US-Erdbebenwarte USGS befürchtet jedoch weitaus höhere Opferzahlen. Einer Modellrechnung der Behörde zufolge könnte die Zahl der Toten in die Tausende gehen; eine Zahl von mehr als 10.000 Toten sei wahrscheinlich.

Interimspräsidentin Delcy Rodriguez erklärte im staatlichen Fernsehen kurz vor 01.00 Uhr Ortszeit am Donnerstag, die bisherigen Opferzahlen enthielten noch keine Daten aus dem besonders schwer betroffenen Bundesstaat La Guaira nahe Caracas. La Guaira sei zu einem Katastrophengebiet geworden. Die Region hatte 1999 nach heftigen Regenfällen eine Flutkatastrophe erlebt, die laut damaligen amtlichen Zahlen Tausende Menschen das Leben kostete. In La Guaira liegt zudem der Flughafen der Hauptstadt, der geschlossen wurde. Er liegt an der Küste, etwa 30 Kilometer von der in rund 900 Metern Höhe gelegenen Hauptstadt Caracas entfernt.

Menschen fliehen in einem Flughafen, während Staubwolken durch einen Teileinsturz aufwirbeln.
Menschen fliehen in einem Flughafen, während Staubwolken durch einen Teileinsturz aufwirbeln. © APA/AFP/@azuaje_wilmer/Instagram

"Dutzende Gebäude sind eingestürzt, und wir arbeiten derzeit unter Hochdruck an der Rettung von Menschen", sagte Rodriguez. Es handle sich um eine "wahre Tragödie". Eine von der Opposition im Ausland eingerichtete Website zur Suche nach Vermissten listete am Donnerstag gegen 02.00 Uhr Ortszeit mehr als 6.600 Menschen auf, deren Verbleib ungeklärt war. Viele Menschen hatten sich wegen eines Feiertags am Nachmittag zu Hause aufgehalten, als die Erde bebte.

Doppelerdbeben recht seltenes Ereignis

Das Doppelerdbeben in Venezuela war ein recht seltenes Ereignis. "Das erste Beben hat den zweiten Erdstoß ausgelöst", erläuterte Anton Vogelmann, Seismologe der Geosphere Austria, am Donnerstag. Ungewöhnlich sei vor allem der kurze Abstand von etwa 39 Sekunden. Die Bruchflächen im entsprechenden Gebiet grenzen direkt aneinander - dort, wo die südamerikanische Kontinentalplatte mit der kleineren karibischen Platte aneinanderstößt.
"An diesen Grenzen kommt es immer wieder zu schweren Erdbeben", weiß der Fachmann. Das erste Beben wurde in Wien mit einer Magnitude von 7,2 in einer Tiefe von mehr als 20 Kilometern gemessen, das zweite mit 7,5 in rund zehn Kilometern. Der zweite Erdstoß war damit fast doppelt so stark.

"Schallwellen" in der Erde

Dabei macht die seismische Energie - im Prinzip "Schallwellen" in der Erde - nur ein paar Prozent aus. Rund 90 Prozent werden durch die enorme Größe der Bruchlinien als Reibungswärme frei, betonte Vogelmann.
Vergleichbar mit dem aktuellen Doppelerdbeben sei das Tōhoku-Erdbeben von 2011, das stärkste je in Japan gemessene Beben (Magnitude 9,0) - bekannt durch den dadurch ausgelösten Tsunami, der im AKW Fukushima zu einer Kernschmelze führte. Die Bruchfläche am Meeresboden war rund 1.200 Kilometer lang und setzte sich über mehr als zehn Minuten lang fort. "Hier gab es aber keine Pausen dazwischen - man muss sich das wie eine Fortsetzung von Bruchvorgängen vorstellen", sagte Vogelmann.

Rund 750 Österreicherinnen und Österreicher im Land

Laut dem Außenministerium leben rund 750 Österreicherinnen und Österreicher in Venezuela. Bisher gebe es keine Informationen über Betroffene, hieß es auf Anfrage der APA. Alle Auslandsösterreicher wurden noch in der Nacht kontaktiert. Seit Jänner gibt es bereits eine Reisewarnung für das gesamte Land.

Nach Angaben der USGS ereignete sich am Mittwoch zunächst ein Beben der Stärke 7,2 rund 160 Kilometer westlich von Caracas. 39 Sekunden später folgte ein zweites Beben der Stärke 7,5, berichtete auch der Österreichische Erdbebendienst der GeoSphere Austria. Eine Tsunami-Warnung wurde nach kurzer Zeit wieder aufgehoben. Nachbeben erschütterten die Region bis in den Donnerstag hinein. Es ist in den nächsten Tagen mit starken Nachbeben zu rechnen, warnte auch die GeoSphere.

Der Erdbebendienst USGS gab Alarmstufe Rot bezüglich Todesfällen und wirtschaftlicher Verluste infolge von Erdbeben. Es ist mit einer hohen Zahl von Opfern und erheblichen Schäden zu rechnen, und die Katastrophe dürfte sich über ein großes Gebiet erstrecken.

Hilfsorganisationen bitten um Spenden

Nach den schweren Erdbeben in Venezuela bitten österreichische Hilfsorganisationen um Spenden. Caritas, Samariterbund, Rotes Kreuz und Jugend eine Welt riefen in Aussendungen am Donnerstag dazu auf. "Venezuela ist eines der ärmsten Länder Südamerikas, bis zu 80 Prozent der Bevölkerung leben in Armut. Für die Menschen vor Ort ist das Leid unvorstellbar - sie benötigen dringend unsere Hilfe", meinte Gerald Schöpfer, Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes.

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Erdbeben in Venezuela: Hilfsorganisationen bitten um Spenden


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Gemeinsam mit ihren Partnerorganisationen CRS, Caritas Deutschland und Caritas Schweiz bereitet die Caritas Österreich Nothilfemaßnahmen für die betroffenen Menschen vor. Ziel sei es, die dringendsten Bedürfnisse so rasch wie möglich zu decken. Benötigt werden vor allem Notunterkünfte, Trinkwasser, Lebensmittel, medizinische Versorgung und weitere lebenswichtige Hilfsgüter, hieß es in einer Aussendung. "Die Menschen in den betroffenen Regionen haben innerhalb weniger Minuten Angehörige, ihr Zuhause und ihre Existenzgrundlage verloren. Viele wissen nicht, wo sie die kommende Nacht verbringen werden", sagte Andreas Knapp, Generalsekretär für Internationale Programme der Caritas Österreich. "Jetzt braucht es schnelle internationale Solidarität, damit lebensrettende Hilfe rasch bei den betroffenen Familien ankommt."

(S E R V I C E - Spendenkonto: Jugend Eine Welt, IBAN: AT66 3600 0000 0002 4000, BIC: RZTIAT22, Kennwort: Nothilfe Venezuela, Spendenkonto: Österreichisches Rotes Kreuz, IBAN: AT57 2011 1400 1440 0144, BIC: GIBAATWWXXX, Kennwort: Erdbeben Venezuela, Spendenkonto: Samariterbund, IBAN: AT04 1200 0513 8891 4144, BIC: BKAUATWW, Kennwort: Erdbeben Venezuela, Spendenkonto: Caritas Österreich, IBAN: AT23 2011 1000 0123 4560, BIC: GIBAATWWXXX, Kennwort: Erdbeben Venezuela)

EU und Trump boten Hilfe an

Die EU hat Venezuela ihre Hilfe angeboten. Das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus sei aktiviert worden "und wir sind bereit, unsere Unterstützung weiter zu verstärken", erklärte die EU-Kommissarin für Krisenmanagement, Hadja Lahbib, am Donnerstag im Onlinedienst X. Von der EU finanzierte Partner leisteten bereits vor Ort Hilfe, fügte sie hinzu. Copernicus kann bei Naturkatastrophen schnell Satellitenaufnahmen liefern und Rettungskräften so bei der Einschätzung der Lage helfen.

Doppel-Erdbeben in Venezuela: Viele Tote befürchtet


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Feuerwehrleute und Rettungskräfte suchen nach Opfern im zerstörten Gebäude 'San Juan Tadeo' im Wohnkomplex El Paraíso, nachdem am 24. Juni 2026 ein Erdbeben der Stärke 7,2 Venezuela und andere Regionen in der Karibik erschüttert hat (Caracas, Venezuela).

Feuerwehrleute und Rettungskräfte suchen nach Opfern im zerstörten Gebäude 'San Juan Tadeo' im Wohnkomplex El Paraíso, nachdem am 24. Juni 2026 ein Erdbeben der Stärke 7,2 Venezuela und andere Regionen in der Karibik erschüttert hat (Caracas, Venezuela).

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Rettungskräfte bergen eine Person auf einer Trage aus Trümmern eines eingestürzten Gebäudes.

Rettungskräfte bergen eine Person auf einer Trage aus Trümmern eines eingestürzten Gebäudes.

© APA/AFP/JUAN BARRETO

Rettungskräfte suchen nachts in den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes nach Überlebenden.

Rettungskräfte suchen nachts in den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes nach Überlebenden.

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US-Präsident Donald Trump bot Venezuela Unterstützung an. Die beiden schweren Erdbeben seien von gewaltigem Ausmaß und hätten zu einer verheerenden Zahl von Todesopfern geführt. Die USA seien bereit und in der Lage zu helfen. Das Verhältnis zwischen beiden Ländern ist extrem angespannt; Trump hatte im Jänner angeordnet, den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro gewaltsam festnehmen zu lassen. "Wir werden für unsere neuen und großartigen Freunde da sein", schrieb Trump nun. Weiter erklärte er in Bezug auf das wahrscheinliche Ausmaß der Folgen: "Die ersten Berichte sind nicht gut!!!"

Das US-Außenministerium erklärte, es stehe mit den venezolanischen Behörden in Kontakt. Übergangspräsidentin Rodríguez telefonierte nach eigenen Angaben mit US-Außenminister Marco Rubio. Er habe dabei "Solidarität und Unterstützung für das venezolanische Volk in diesen für unsere Nation schwierigen Zeiten zum Ausdruck gebracht", erklärte Rodríguez am Donnerstag im Onlinedienst X. Venezuela sei dankbar für die Solidaritätsbekundung der USA.

Rubio kündigte Entsendung von US-Rettungskräften an

Rubio hatte zuvor die sofortige Entsendung von US-Rettungskräften angekündigt. "Amerika steht in dieser schwierigen Zeit an der Seite des venezolanischen Volkes", erklärte der US-Außenminister auf X. Auf Anweisung von Präsident Donald Trump würden unverzüglich Such- und Rettungsmannschaften, medizinische Ressourcen und humanitäre Hilfe in das südamerikanische Land gesandt.

Zudem boten andere Staaten wie Brasilien, Spanien, El Salvador und die Dominikanische Republik Hilfe an. Auch Indien und China boten ihre Hilfe an. Der indische Premierminister Narendra Modi erklärte, Indien sei bereit, "jede nur mögliche Hilfe zu leisten". Der chinesische Außenamtssprecher Guo Jiakun sagte, China wolle "entsprechend den Bedürfnissen" Venezuelas helfen.

Stromausfall könnte Rohölproduktion beeinträchtigen

"Als wir nach draußen liefen, sah es aus wie in einem Horrorfilm", sagte eine Anrainerin in Caracas. Eine andere Augenzeugin berichtete, sie habe kurz vor den Erschütterungen eine Warnung auf ihrem Mobiltelefon erhalten. "Als ich es in die Hand nahm, spürte ich zuerst ein leichtes Zittern. In weniger als zwei Sekunden fing dann alles an, sich zu bewegen."

In den Krankenhäusern der Hauptstadt stellte sich das Personal am Donnerstag auf die Versorgung zahlreicher Verletzter ein. Der Unterricht an den Schulen fällt für den Rest der Woche aus. Die Schlüssel-Infrastruktur der Ölindustrie des Landes schien von den Beben zunächst nicht betroffen zu sein. Der Katastrophenschutz in Maracaibo nahe dem bedeutenden Ölzentrum am Maracaibo-See meldete keine Schäden. Zudem blieb die El-Palito-Raffinerie nahe dem Epizentrum offenbar unbeschädigt.

Der britische Ölkonzern Shell erklärte, alle Mitarbeiter im Land seien wohlauf. Ein längerer Stromausfall könnte Insidern zufolge jedoch die Rohölproduktion beeinträchtigen. Das venezolanische Ölministerium, der staatliche Ölkonzern PDVSA und dessen wichtigster ausländischer Partner Chevron äußerten sich zunächst nicht.

Venezuela in seismisch aktiver Zone

Venezuela liegt in einer seismisch aktiven Zone, in der die Karibische und die Südamerikanische Platte aufeinandertreffen. Die Hauptstadt Caracas war 1967 von einem schweren Erdbeben der Stärke 6,3 getroffen worden. Im Jahr 1812 starben bei einem verheerenden Beben in Caracas und Merida schätzungsweise 30.000 Menschen.

Das Erdbeben der Stärke 7,5 in Venezuela ist nach Angaben der geologischen US-Behörde USGS das Heftigste in dem südamerikanischen Land seit mehr als einem Jahrhundert. Ein noch stärkeres Beben der Stärke 7,7 gab es zuletzt im Jahr 1900 nordöstlich der Hauptstadt Caracas vor der Küste Venezuelas, wie aus Daten der Organisation hervorgeht. 21 Todesopfer wurden den Angaben zufolge damals registriert, zahlreiche Gebäude stürzten ein. In der Folge sei es zu mehr als 250 Nachbeben gekommen, weshalb viele Bewohner der Region monatelang im Freien lebten.

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