Washington. Versucht hat er alles: Luftangriffe, Verhandlungen, Drohungen, Angebote. Doch je länger sich der Iran-Konflikt hinzieht, desto klarer wird: Donald Trump hat immer schlechtere Karten. Der US-Präsident kann den selbst befohlenen Krieg nicht beenden. Der jüngste Taktik-Schwenk: abwarten. Das Weiße Haus will mit der fortgesetzten US-Blockade iranischer Häfen die Wirtschaft abwürgen und das Mullah-Regime schwächen. Tatsächlich verschärft sich die Krise: Die Ölexporte, Irans wichtigste Devisenquelle, sind um bis zu 90 Prozent eingebrochen. Schlimm auch für die meisten Iraner: In Teheran dominieren die Hardliner stärker denn je.
Trump will Irans Wirtschafts-Kollaps
Trump setzt auf den wirtschaftlichen Kollaps. Doch lange kann er nicht abwarten. Die Straße von Hormus, durch die vor dem Krieg rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels lief, bleibt blockiert. In der vergangenen Woche passierten im Schnitt nur elf Schiffe pro Tag die Meerenge – vor dem Krieg waren es rund 130. Etwa zehn Prozent der globalen Ölversorgung fehlen, die Preise bleiben hoch.
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Dem 80-Jährigen scheint zu dämmern, dass der Konflikt seine Präsidentschaft auffrisst: Trump sitzt in der Iran-Falle. Auch eine militärische Eskalation wird schwieriger: Die Vorräte an Abfang- und Langstreckenraketen schwinden. Bei Patriot-Systemen sollen mehr als 60 Prozent der Bestände bereits verpulvert sein.
Innenpolitisch wächst der Druck. Laut der Umfrageplattform "Silver Bulletin" unterstützen nur noch 19,6 Prozent der Befragten in den USA das militärische Abenteuer im Nahen Osten. Trump selbst steckt im schlimmsten Umfragetief seit seiner Rückkehr ins Oval Office: Im Schnitt kommt er nur noch auf 39,2 Prozent Zustimmung. Zuletzt setzte es auch wirtschaftliche Rückschläge. Im Juli gingen 23.000 Arbeitsplätze verloren. Gründe sind unter anderem höhere Kosten durch den Iran-Krieg sowie Trumps neue Zölle und Handelskonflikte. Trump selbst redet alles schön, schwärmt über Amerikas "Goldenes Zeitalter". Ein Lichtblick bleibt für die "Trump-Ökonomie": Die Aktienmärkte erreichen regelmäßig Rekordstände.
Angst vor heftiger Wahl-Niederlage wächst
Doch für die Republikaner könnte das zu wenig sein. Weniger als drei Monate vor den Zwischenwahlen („Midterms“) droht eine Schlappe. In Umfragen zur Parteipräferenz liegen die Demokraten mit rund sieben Prozentpunkten vorne. Trumps Partei könnte die Macht in beiden Kongresskammern verlieren. Dann wäre der Präsident in seinen letzten beiden Amtsjahren politisch weitgehend lahmgelegt.
Erste Nachrufe auf eine vermurkste zweite Amtszeit werden bereits geschrieben. Besonders außenpolitisch fällt die Bilanz durchwachsen aus: Neben dem Iran-Fiasko bleibt auch der Ukraine-Krieg ein blaues Auge: Den wollte Trump am "Day One" im Oval Office beenden, 569 Tage später geht das Blutvergießen weiter. Die größte Ironie seiner zweiten Amtszeit: Im Wahlkampf versprach Trump, keine neuen "Endloskriege" zu beginnen – schon gar nicht im Nahen Osten.
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