Airbus-Unterstützung teilweise unzulässig

Airbus: Marode Airlines drücken auf Produktion

Beim Flugzeughersteller Airbus kann es nach Worten von Vorstandschef Thomas Enders zu einer weiteren Produktionskürzung kommen. Es sei 2010 eher wahrscheinlich, dass die Produktionsraten nach unten angepasst als hochgesetzt werden. In der Luftfahrtkrise seien "die Liquiditätspolster vieler Airlines zusammengeschmolzen".

Bei Flugzeugen mit einem Mittelgang wurde die Fertigung bereits von 36 auf 34 Exemplare monatlich reduziert, bei den Langstreckenflugzeugen von 11 auf bis zu 8. Airbus hat einen Auftragsbestand von mehr als 3.400 Flugzeugen und will bis Jahresende 483 Maschinen ausliefern, was dem Vorjahres-Rekord entspräche. "Das ist ein Erfolg angesichts der Krise", sagte Enders.

Bei einem weiteren Rückgang würden dann monatlich nur noch 32 Maschinen der A320-Familie gefertigt, dem von Hamburg aus gesteuerten Kurz- und Mittelstreckenprogramm: "Wir beobachten den Markt praktisch täglich." Auftragsstornierungen (derzeit 20) seien verhältnismäßig gering, weil die Airlines davor zurückschreckten, geleistete Anzahlungen auf die Maschinen gänzlich abschreiben zu müssen, berichtet Enders.

Von dem Großraumflugzeug A380 ging heute erstmals ein Exemplar an Air France. Sie ist das erste europäische Unternehmen, das sich das weltgrößte Passagierflugzeug im Airbus-Werk Hamburg-Finkenwerder abholte. 19 Maschinen der doppelstöckigen A380 sind bereits für Singapore Airlines, die arabische Gesellschaft Emirates und die australische Quantas im Einsatz.

Air France will mit A380 jährlich 15 Mio. Euro sparen

Air France will mit dem "Riesenjumbo" jährlich 15 Mio. Euro sparen. Auf der Strecke Paris-New York wird die Airline eine Boeing 777-200 und einen Airbus A340 streichen und stattdessen die neue A380 einsetzen. Statt 5 Flügen täglich braucht Air France dann nur noch 4 auf der Strecke anbieten - die neue A380 verursacht ein Fünftel weniger Kosten als die beiden bisher eingesetzten Maschinen.

2009 sollten ursprünglich 25 A380 ausgeliefert werden, bevor die Planung auf 13 verringert wurde. Ob dies eingehalten wird - 7 Maschinen sind ausgeliefert -, darauf wollte sich Enders nicht festlegen. "Wir haben 12 A380, an denen wir rund um die Uhr arbeiten", sagte er. Falls zwei, drei Auslieferungen in den Jänner überschwappten: "Davon geht die Welt nicht unter." In Finkenwerder holen sich die Kunden aus Europa und dem Nahen Osten die A380 ab, alle anderen am Airbus-Standort in Toulouse.

Airbus war 2006/07 durch massive technische Probleme bei der Verkabelung des anspruchsvollen Fluggiganten A380 in finanzielle Turbulenzen geraten und legte ein Spar- und Restrukturierungsprogramm "Power 8" auf. Der Hersteller sei auf gutem Weg, das Einsparpotenzial von 2,1 Mrd. Euro in 2010 zu erreichen, berichtete Enders.

"Ich mache kein Hehl daraus, dass in der Produktion noch nicht alles wie am Schnürchen läuft." Für die in Toulouse aus Hamburg angelieferten Rumpfteile würden zur Nachbearbeitung aber nicht mehr wie anfangs 2.000 Mitarbeiter sondern weniger als 1.200 aus der Hansestadt benötigt, berichtete der seit 2007 amtierende Manager.

Problemkind A400M

Beim aktuellen Airbus-Sorgenprojekt, dem europäischen Militärtransporter A400M, steht Enders zufolge der Erstflug doch noch vor Weihnachten in Sevilla bevor. Der Transporter liegt wegen technischer Probleme mindestens 3 Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück. Deutschland wird das erste von 60 bestellten Flugzeugen voraussichtlich erst in 4 Jahren erhalten - ursprünglich sollte es bereits 2010 soweit sein.

Bis Ende des Jahres verlangt Airbus von den beteiligten Regierungen Klarheit darüber, ob das kostspielige Projekt, das bei Airbus mehr als 5.000 Mitarbeiter bindet, weitergeführt wird. "Ich bin guter Hoffnung, dass auch die Bundesregierung eine konstruktive Haltung einnimmt."

Dagegen läuft es bei Airbus mit dem Bau der A320-Familie weiter gut: "Ich bin froh, dass wir diese Cash-Cow im Stall haben", sagte Enders. Er wolle das margenträchtige Flugzeug, von dem in Hamburg die Modelle A318, A319 und A321 endmontiert werden, so lange wie möglich verkaufen. Deshalb würden pro Jahr rund 100 Mio. Euro in die technische Weiterentwicklung der Flug-Familie investiert. Insgesamt fließen bei Airbus jährlich mehr als 2 Mrd. Euro in Forschung und Entwicklung. Die Flugzeug-Serien seien das Brot-und-Butter-Geschäft in dem Unternehmen, "das einen Mehrfrontenkrieg kämpft", sagte Enders.

In den USA schwinden mit der Neuausschreibung des "Jahrhundertauftrags" für 179 Tankflugzeuge die Hoffnungen von Airbus, erneut gegen den US-Konkurrenten Boeing zu gewinnen. Laut Enders soll jetzt nicht das beste Angebot, sondern das billigste den Zuschlag bekommen, dabei sei Airbus im Nachteil.