Einkommensvergleich: Frauen verdienen immer noch zu wenig

Statistik

Einkommensvergleich: Frauen verdienen immer noch zu wenig

Der Mittelwert der Bruttoverdienste liegt um mehr als 17 Prozent unter jenem der Männer.

Wien - Von der Hilfskraft bis zum Akademiker - es gibt in Österreich keine einzige Berufsgruppe oder Branche, in der Frauen gleich viel verdienen wie Männer. Das geht aus dem jüngst verfügbaren Einkommensvergleich der Statistik Austria für das Jahr 2018 hervor. Insgesamt liegt darin der mittlere Bruttoverdienst der Arbeitnehmerinnen mit 13,43 Euro pro Stunde um 17,4 Prozent unter jenem ihrer Kollegen.
 

Unterschiede unter Führungskräften

 
So gingen beispielsweise männliche Führungskräfte mit 32,65 Euro pro Stunde nach Hause, weibliche mit nur 25,05 Euro - sie stellten einen Anteil von 25 Prozent. Auch bei den Verdiensten der Hilfsarbeitskräfte gibt es einen deutlichen Unterschied - Frauen (Anteil: 47,3 Prozent) erhielten 9,68 Euro, Männer 12,09 Euro.
 
Bei den akademischen Berufen, bei denen Frauen auf einen Anteil von 42,8 Prozent kamen, standen 19,35 Euro 23,68 Euro gegenüber, bei Bürokräften (Frauenanteil: 65,7 Prozent) verdienten Arbeitnehmerinnen im Median 14,62 Euro, Arbeitnehmer 16,10 Euro, Verkäuferinnen (Anteil: 67,1 Prozent) bekamen mit 11,55 Euro etwas weniger überwiesen als Verkäufer (11,71 Euro) und im Handwerk (Frauenanteil: 6,4 Prozent) waren es 12,28 Euro versus 15,83 Euro.
 

Lohnunterschied leicht rückläufig

 
In Richtung Ausgeglichenheit geht es nur schleppend. Aber der Lohnunterschied sei leicht rückläufig, hielten die Statistiker am Dienstag fest. In zwölf Jahren sank der Verdienstunterschied um 5,3 Prozentpunkte, das waren nur 0,4 Prozentpunkte pro Jahr. Zwischen 2010 und 2014 hatte sich die Differenz von 21,1 Prozent auf 19 Prozent verringert, 2006 waren es noch 22,7 Prozent gewesen.
 
Insgesamt verdienten unselbstständig Beschäftigte in der Privatwirtschaft 2018 im Mittel (Median) 15,09 Euro brutto pro Stunde, wie aus der Erhebung der Statistik Austria hervorgeht. 14,2 Prozent der Beschäftigten erhielten 10 Euro und weniger; mehr als ein Drittel (35,2 Prozent) hatte einen Bruttostundenverdienst von 10 bis 15 Euro. Rund ein Viertel (25,2 Prozent) verdiente zwischen 15 und 20 Euro. Weitere 11,5 Prozent bekamen einen Bruttostundenverdienst von 20 bis 25 Euro und 5,8 Prozent von 25 bis 30 Euro. Mehr als 30 Euro erreichten insgesamt 8,1 Prozent der Beschäftigten.
 
"Einen eindeutig positiven Einfluss auf die Verdienstmöglichkeiten hat die Ausbildung - Beschäftigte mit Universitäts- oder Fachhochschulabschluss erhielten brutto pro Stunde fast doppelt so viel wie Personen mit höchstens Pflichtschulabschluss: Bildung macht sich bezahlt", betonte Statistik-Austria-Chef Tobias Thomas.
 
Insgesamt erhöhten sich die Bruttostundenverdienste in der Privatwirtschaft zwischen 2006 und 2018 real (inflationsbereinigt) um 4,8 Prozent. Das Wachstum sei jedoch durch die Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 unterbrochen worden.
 
Zwischen 2006 und 2010 stiegen die Bruttostundenverdienste inflationsbereinigt um 3,3 Prozent (0,8 Prozent pro Jahr) und sanken nach dem Einsetzen der Wirtschaftskrise in den Jahren 2010 bis 2014 um 1,1 Prozent (0,3 Prozent pro Jahr). Im Zeitraum 2014 bis 2018 hingegen gab es den Angaben zufolge wieder einen Zuwachs von 2,6 Prozent (0,7 Prozent pro Jahr), wobei das Plus im Produzierenden Bereich mit 3,5 Prozent (0,9 Prozent pro Jahr) etwas stärker ausfiel als im Dienstleistungsbereich mit 2,0 Prozent (0,5 Prozent pro Jahr).