Jeder Fünfte Jugendliche in der EU ist arbeitslos

Neue Studie

Arbeitslosigkeit unter Ausländern höher

Migranten sind in 2. Generation häufiger arbeitslos als in 1. Generation.

Sowohl Österreicher mit Migrationshintergrund als auch Ausländer sind in Österreich deutlich öfter von Arbeitslosigkeit betroffen, als "Einheimische". Unter den Ausländern kommen Türken auf die höchste Arbeitslosigkeit, vor Ex-Jugoslawen. EU-Bürger sind kaum stärker betroffen als Österreicher. Dafür trifft die Langzeitarbeitslosigkeit Ausländer weniger häufig als Inländer, geht aus Zahlen der Statistik Austria hervor.

Fast 50.000 arbeitslos
10,2 Prozent der ausländischen Staatsbürger in Österreich waren im Jahresdurchschnitt 2009 arbeitslos gemeldet, in Summe 48.300 Personen, während nur 4,1 Prozent der Österreicher (156.100) auf Jobsuche waren. Dafür blieben Ausländer weniger lange in der Arbeitslosigkeit: Während 2009 2,6 Prozent aller Arbeitslosen länger als 12 Monate erwerbslos waren, waren es bei den Ausländern 1,4 Prozent und bei Inländern 2,9 Prozent. "Das liegt daran, dass die arbeitslosen Ausländer, um ihre Existenz zu sichern, möglich rasch wieder einen Job annehmen, auch wenn er niedriger als ihren Qualifikationen ist" so Beate Sprenger, Pressesprecherin von AMS Österreich auf Nachfrage der APA.

Familienstrukturen
Die kürzere Arbeitslosigkeit hängt laut Gudrun Biffl von der Donau-Universität Krems auch mit Familienstrukturen zusammen. "Langzeitarbeitslose erhalten Notstandshilfe. Sie sind meistens auch Alleinstehend" sagte sie im Gespräch mit APA. "Türken zum Beispiel haben größere Familien und sind seltener oder kürzer zur Notstandshilfe berechtigt. Sie nehmen daher schneller einen Billiglohnjob auf", betonte sie.

Die Arbeitslosigkeit variiert auch unter Ausländern stark. Qualifizierte Zuwanderer aus den EU-Staaten aus der jüngeren Vergangenheit sind weniger betroffen als die geringer qualifizierten Zuwanderer der Vorperiode. Türken haben laut Statistik Austria eine Arbeitslosenrate von 20 Prozent, Menschen aus dem früheren Jugoslawien von 10,5 Prozent, EU-Bürger nur von 6,7 Prozent.

Österreicher ohne Migrationshintergrund
Österreicher ohne Migrationshintergrund hatten überhaupt nur eine Arbeitslosenrate von 3,6 Prozent, während Menschen mit Migrationshintergrund (Mindestens ein Elternteil im Ausland geboren) auf 10,1 Prozent kamen, so die Arbeitskräfteerhebung 2009 der Statistik Austria. Dabei ist die zweite Generation der Migranten von Arbeitslosigkeit stärker betroffen als die Erste (11,9 Prozent gegenüber 9,8 Prozent). "Die erste Generation kommt nach Österreich, wenn die Menschen hier einen Job haben. Hingegen ist die zweite Generation hier aufgewachsen und ist auf aktiver Jobsuche" erläuterte Beate Sprenger, Pressesprecherin von AMS Österreich auf Nachfrage der APA.

Insbesondere junge Zuwanderer von 15 bis 24 Jahren sind häufiger als Österreicher ohne Migrationshintergrund nicht mehr in Ausbildung und daher am Arbeitsmarkt. "Auch wenn die zweite Generation in Österreich geboren ist, ist sie benachteiligt, weil sie weniger Netzwerke hat und den Arbeitsmarkt weniger kennt als die 'einheimischen' Jugendliche" betont Sprenger.

Biffl sieht zwei Gründe für die höhere Jugendarbeitslosigkeit unter Migranten: Einerseits seien sie häufig als Hilfsarbeiter tätig während Einheimische häufiger in die weiterbildenden Schulen gehen. Andererseits leben Jugendliche mit Migrationshintergrund dort, wo die Eltern einen Job gefunden haben, "wo es eine starke industrielle Technologie gibt. Das sind aber die Branchen, die aufgrund der Osterweiterung und des technologischen Wandels weggebrochen sind". Wer sich dann Weiterbildung nicht leisten könne gerate in einen Teufelskreis.