Schwenk in GM-Strategie

Deutsche Regierung wartet bei Opel vorerst ab

Die deutsche Bundesregierung will vor weiteren Entscheidungen über die Zukunft von Opel zuerst das in der kommenden Woche erwartete Konzept des Mutter-Konzerns General Motors abwarten. Dies machte der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans in Berlin deutlich. Die Bundesregierung sowie die Bundesländer mit Opel-Standorten signalisierten nach einem Gespräch am Donnerstagabend (5. November), dass sie die deutschen Beschäftigten des amerikanischen Auto-Konzerns nicht im Regen stehen lassen wollten.

Spannend wird nun sein, in welchem Umfang GM weiter auf staatliche Unterstützung beim Umbau seiner europäischen Töchter setzt. GM will, wie zuvor Magna, rund 10 000 Stellen in Europa streichen.

Forster vor Ablöse

GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster macht Kreisen zufolge Platz für einen neuen Sanierer bei Opel. Forster werde demnächst das Unternehmen verlassen. Einem Magazinbericht zufolge soll nun der bisher für das Asiengeschäft verantwortliche Manager Nick Reilly Opel sanieren. Der alte und neue Opel-Eigentümer General Motors schicke Reilly nach Europa, um den Umbau des Rüsselsheimer Autobauers voranzutreiben, berichtete "Spiegel Online" ohne Angabe von Quellen.

GM-Europe wollte sich dazu nicht äußern. Ein Opel-Sprecher sagte, Forster sei derzeit Aufsichtsratschef von Opel. Personalspekulationen kommentiere er nicht. Eventuelle Veränderungen würden zu gegebener Zeit mitgeteilt.

Der gebürtige Brite Reilly kennt das Europageschäft von GM gut. Er verbrachte lange Jahre als Manager bei der britischen Opel-Schwester Vauxhall und in der GM-Europe-Zentrale in Zürich, wo er zuletzt für Marketing und Vertrieb zuständig war. Derzeit ist Reilly in Shanghai für das Asien-Pazifikgeschäft des Konzerns verantwortlich.

Sollte er tatsächlich an die Spitze von Opel wechseln, dürften viele Opelaner seine Ernennung dem Magazinbericht zufolge als Provokation empfinden. Reilly ist mit verantwortlich für die GM-Marke Chevrolet, deren internationales Wachstum GM jahrelang vorangetrieben hatte, während Opels Wachstum weitgehend auf den europäischen Markt beschränkt blieb.

Rasche Sanierung

Wer auch immer auf den Chefsessel von Opel wechselt, steht vor der schwierigen Aufgabe, den Autobauer möglichst rasch zu sanieren. GM will bei der Europa-Tochter 10.000 von 50.000 Stellen streichen und das Werk in Antwerpen voraussichtlich schließen. Die Zukunft der Werke in Bochum und Eisenach ist offen. Die Pläne stoßen auf massive Proteste der Belegschaft, ohne deren Beitrag der Umbau von Opel nur schwer möglich ist.

Forster hatte zuletzt offen gelassen, ob er im Amt bleibt. Nach dem Platzen der Pläne für einen Opel-Verkauf den Autozulieferer an Magna hatte er erklärt, er müsse über seine berufliche Zukunft erst einmal "in Ruhe nachdenken". Forster, der als Sohn eines deutschen Diplomaten perfekt Englisch spricht, hatte sich zuletzt für einen Verkauf von Opel an das österreichisch-russische Konsortium um Magna eingesetzt.

Pfeil wird abberufen

Der deutsche Ländervertreter in der Opel-Treuhand, Dirk Pfeil, muss das Gremium verlassen. Laut Agenturberichten berufen die vier Bundesländer mit Opel-Standorten das FDP-Mitglied ab. Grund sei ein kompletter Vertrauensverlust. Pfeil habe sich abfällig über das Verhalten von Politikern in den Verhandlungen zum Opel-Verkauf geäußert. Sein Nachfolger solle der nordrhein-westfälische Wirtschaftsstaatssekretär Jens Baganz (CDU) werden.

Der Insolvenzexperte Pfeil hatte in der Treuhand dem Opel-Verkauf an Magna International und die Sberbank die Stimme verweigert und damit die Bundesländer brüskiert. Der fünfköpfige Beirat der Opel-Treuhand spielt bei der Rettung des Autoherstellers eine Schlüsselrolle.

Die Treuhand hatte im Mai unmittelbar vor der Insolvenz der Opel-Mutter General Motors (GM) 65 Prozent an der Adam Opel GmbH übernommen. Die verbleibenden 35 Prozent an dem Unternehmen hält GM bis heute. Knapp ein halbes Jahr nach der Gründung steht das Gremium nun vor seiner Auflösung. Mit dem Verzicht von GM auf den Teilverkauf seiner europäischen Tochter hat sich die vorrangige Aufgabe des Gremiums mit Sitz in Frankfurt erledigt, nämlich die Verhandlungen mit möglichen Investoren zu überwachen.