100 Jahre Tauernbahn

Tauernbahn: Noch Lücken im zweigleisigen Ausbau

Für die reiselustige Gesellschaft der Donaumonarchie war die Eröffnung der Tauernbahn am 5. Juli 1909 ein Freudenfest. Kaiser Franz Josef kam höchstpersönlich nach Spittal und fuhr mit der Dampflok die eingleisige Südrampe hinauf nach Mallnitz. Die Modernisierung des Alpentransits verlief schleppend: Der zweigleisige Ausbau wird in Kärnten erst heuer fertig, in Salzburg ist der Zeitpunkt für den Lückenschluss der fehlenden neun Kilometer im Gasteinertal ungewiss. Dennoch hat sich die Reisezeit mit dem schnellsten Zug von Salzburg nach Villach innerhalb der vergangenen 50 Jahre um eine Stunde verkürzt.

In ihrer 100-jährigen Geschichte erlebte die Alpenbahn viele Berg- und Talfahrten: Vom florierenden Güter- und Reiseverkehr an die Adria nach Triest über Militärdienste während der beiden Weltkriege bis zur beliebten Gastarbeiterverbindung in den 1970er und 1980er Jahren. Mit der zunehmenden Automobilisierung und dem Beginn des jugoslawischen Bürgerkrieges folgten die mageren Jahre. Der von der EU forcierte Klimaschutz im Kampf gegen giftige Schadstoffe soll der Bahn wieder zum Aufschwung verhelfen. "Die Personen- und Güterzüge werden mit dem Strom aus der Wasserkraft der Tauern über die Alpen gezogen", hob ÖBB-Sprecher Johannes Gfrerer im APA-Gespräch die Vorteile hervor.

Das Kernstück der 208 kilometerlangen Tauernachse Salzburg - Rosenbach (Bezirk Villach-Land) reicht von Schwarzach-St. Veit im Pongau bis nach Spittal/Millstättersee. Im Jahr 1901 erfolgte im Anlauftal der Spatenstich für den 90 Millionen Kronen teuren eingleisigen Bahnbau. Nur der 8,5 Kilometer lange Tauerntunnel wurde damals trotz hoher Kosten zweigleisig geführt. Schon am 20. September 1905 wurde die Nordrampe auf Salzburger Seite vom Kaiser eröffnet.

Lücke im Gasteinertal

Allerdings wird erst heuer der zweigleisige Ausbau in Kärnten fertig gestellt. Wann die Lücke im Gasteinertal geschlossen wird, weiß derzeit niemand. Die neue Angerschluchtbrücke ist fertig, allerdings fehlen die Gleise. Für den Betrieb ist noch eine Umweltverträglichkeitsprüfung ausständig. Die Züge rollen nach wie vor über die 100 Jahre alte Brücke. Im Bereich des Pass Luegs wird seit Jahrzehnten ein zweiter Bahntunnel zur Umfahrung des engen Salzachtales diskutiert. Nach der Durchfahrt durch den Ofenauertunnel schlängeln sich die Züge wie anno dazumal im langsamen Tempo die Schlucht entlang. Lawinen, Steinschläge und Hochwasser blockieren die Strecke immer wieder. Der Ausbau würde rund 200 Mio. Euro kosten. Im aktuellen Finanzplan der ÖBB ist keine Finanzierung vorgesehen.

Die schwierige geografische Lage und die extremen Wetterverhältnisse machten schon den Bauarbeitern und dem Projektleiter Carl Wurmb Anfang des 20. Jahrhunderts zu schaffen. 1909 starben auf einen Schlag 26 Arbeiter bei Böckstein unter einer Lawine. Zur Absicherung der Züge wurden Lawinenschutzbauten bis in 1.900 Meter Seehöhe errichtet.

Die Gasteiner Streckenführung war nur eine von zehn Varianten durch die Tauern, konnte sich aber wegen der geringeren Kosten durchsetzen. Als eine der ersten Bahnen wurde die Tauernbahn bereits 1935 elektrifiziert. Der Grund: Die schwierigen Neigungsverhältnisse und der Kohlemangel in der Zwischenkriegszeit.

Täglich rund 120 Züge

Im "Dritten Reich" wurde der Tauernkorridor für einen Angriff auf die Länder Südosteuropas erstmals ausgebaut. In den 1960er Jahren machten die zunehmenden Verkehrsströme von Nord nach Süd den zweigleisigen Ausbau notwendig. Besonders beliebt auf der "Gastarbeiter-Strecke" war der "Tauern-Express" von Oostende nach Split. Mit Ausbruch des jugoslawischen Bürgerkrieges wurde die seit 1978 bestehende Verbindung 1988 eingestellt. Heute rollen täglich rund 120 Züge über die Tauernachse, um einige weniger als in den 1980er Jahren. In der Anfangsphase waren es nicht einmal zehn Züge.

Die Tauernbahn zählte mit der Karawanken-, Wocheiner- und Pyhrnbahn zu den neuen Alpenbahnen, die 1901 per Gesetz verordnet wurden. Sie galt als wichtige Verbindung zwischen Süddeutschland, Triest und Westböhmen. Das Alpenbahnprogramm war das letzte große Bahnbauprogramm der K.u.K. Monarchie. Im Rahmen des 100-jährigen Jubiläumsfestes in Mallnitz lassen Nostalgiezüge und eine Ausstellung über die Eisenbahngeschichte Kärntens (bis 12. September) die alte Zeit hochleben. Als Highlight steht eine Parallelfahrt mit dem neuen Railjet entlang der Südrampe auf dem Programm.