Konzept sieht harte Einschnitte vor

Zeitung: RHJ plant Jobabbau bei Opel-Übernahme

Der belgische Finanzinvestor RHJ plant einem Zeitungsbericht zufolge den Abbau von 3900 deutschen Arbeitsplätzen bei Opel im Falle einer Übernahme. Insgesamt sollen rund 9.900 Stellen in Europa wegfallen, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf das aktuelle Konzept, das die Beteiligungsgesellschaft am Mittwoch (15. Juli) der Regierung vorgestellt habe.

Ferner solle das belgische Opel-Werk Antwerpen im Frühjahr 2010 geschlossen und der thüringische Standort Eisenach für zwei Jahre stillgelegt werden, bevor 2012 dort die Produktion wieder anlaufe. Die Arbeitsplätze in Eisenach sollten allerdings vollständig erhalten bleiben, in Bochum, Rüsselsheim und Kaiserslautern dagegen die Kapazitäten verkleinert werden. 2011 wolle RHJ mit Opel wieder operativ schwarze Zahlen schreiben, unter dem Strich solle zwei Jahre später wieder ein Nettogewinn stehen.

RHJ strebe eine Mehrheit von 50,1 Prozent an Opel an und wolle dem derzeitigen Mutterkonzern GM an der neuen Gesellschaft 39,9 Prozent einräumen, berichtete die Zeitung weiter. Die restlichen zehn Prozent sollen demnach die Mitarbeiter erhalten. RHJ habe General Motors allerdings keine Option auf einen Rückkauf der deutschen Tochter eingeräumt. "Es gibt keinerlei Verpflichtung, dass RHJ zu irgendeinem Zeitpunkt seinen Anteil an Opel an General Motors wieder verkauft", zitierte die Zeitung RHJ-Verhandlungsführer Gerd Häusler. "Solange die staatlichen Hilfen nicht vollständig zurückgezahlt wurden, ist ein Ausstieg oder Weiterverkauf der Opel-Anteile ohnehin ausgeschlossen", betonte Häusler. Für die Zeit danach sei sowohl ein Verkauf an einen dritten Investor oder ein Börsengang denkbar. Auch das aktuelle RHJ-Konzept sieht laut "Handelsblatt" keine Rückkaufverpflichtung an GM vor.

"Ziel ist, dass das neue Management von New Opel eigenständig agieren kann", sagte Häusler der Zeitung. "New Opel wird keine Tochter von GM sein", fügte er hinzu. "Wir sehen uns bei Opel als einen strategischen Investor mit langfristigem Horizont". RHJ habe kein Interesse - wie dies gelegentlich unterstellt werde - Opel kurzfristig weiterzuverkaufen.

800 Mio. Euro Einsparpotenzial

RHJ will im Falle einer Übernahme des angeschlagenen deutschen Autobauers Opel die Kosten massiv senken. In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung bezifferte Firmenchef Leonhard Fischer das jährliche Einsparvolumen auf 800 Mio. Euro. Man wolle "die Partnerschaft mit der ehemaligen US-Opel-Mutter GM nutzen, zum Beispiel beim gemeinsamen Einkauf von Fahrzeugteilen", sagte Fischer dem Blatt. "Das schafft Vorteile und spart Kosten. Insgesamt rechnen wir mit Einsparungen von 800 Mio. Euro im Jahr."

Der RHJ-Chef betonte zugleich, Opel habe "großes Potenzial" und solle im Fall einer Übernahme eigenständig bleiben. "Wir wollen Opel als eigenständiges Unternehmen führen, die Mitarbeiter sollen sich mit bis zu 10 Prozent an der Firma beteiligen können", sagte Fischer. Im Hinblick auf die geforderte Staatsgarantie von 3,8 Mrd. Euro erklärte Fischer: "Wir wollen die Belastung für die Steuerzahler bei der Opel-Sanierung so gering wie möglich halten. Der von uns erwartete Garantiebedarf ist fast 700 Mio. Euro niedriger als der von anderen Opel-Interessenten."

Merkel unterstützt Magna

RHJ hatte zuletzt im Bieterwettkampf um Opel an Boden gut gemacht. Lange Zeit galt der kanadisch-österreichische Zulieferer Magna als aussichtsreichster Favorit. Am Donnerstag (16. Juli) stärkte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel Magna den Rücken. In dem Konzept des Konsortiums aus Magna sowie der russischen Sberbank und dem russischen Autobauer GAZ gebe es zwar noch etliche offene Punkte. Sie sei aber zuversichtlich, dass diese in wenigen Tagen geklärt werden könnten, sagte Merkel. Kreisen zufolge wollen sowohl Magna als auch RHJ möglichst noch zum Wochenende unterschriftsreife Vorverträge für Opel vorlegen. Bei der ebenfalls an Opel interessierten chinesischen BAIC sei ein derartiges Papier dagegen nicht in Sicht, sagten Insider. Die Vorverträge sollen auch als Grundlage für die Entscheidung von Bund und Ländern über Bürgschaften für Opel dienen.

Opel-Belegschaft vs. RHJ

Die Opel-Beschäftigten haben sich trotz eines neuen Angebots des belgischen Investors RHJ erneut gegen dessen Engagement ausgesprochen. Das Konzept der Beteiligungsgesellschaft sei "ein Buch mit sieben Siegeln", sagte Betriebsratschef Klaus Franz zu Reuters. Es sei unklar wie RHJ die Übernahme finanzieren wolle. "Was wir brauchen, ist ein ordentlicher industrieller Partner, der ein Interesse an einem langfristigen Geschäft und an der Zukunft von dem Unternehmen hat", sagte er.

Mit dem anderen Bieter Magna erhielte Opel immerhin die Möglichkeit neue Märkte zu erschließen, betonte Franz. "Die kennen sich im Automobilgeschäft aus." RHJ plane dagegen, die Investitionen von Opel deutlich zu verringern, was die Zukunft des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim gefährde.

RHJ will in Europa insgesamt 9.900 von rund 50.000 Stellen bei Opel streichen. Betroffen ist insbesondere das Werk in Antwerpen, das 2010 geschlossen werden soll. Das Corsa-Werk in Eisenach soll für zwei Jahre stillgelegt und erst 2012 wieder hochgefahren werden. Der dortige Betriebsratschef Harald Lieske vermutet hinter den Plänen eine Schließung auf Raten. "Wenn das Werk für zwei Jahre aus dem Dienst genommen wird, dann dürfte der Anlauf relativ schwierig sein", sagte Lieske zu Reuters.

Die Werke in Rüsselsheim und Bochum sollen nach den Plänen von RHJ verkleinert werden - was auch dort auf Widerstand stößt. Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel hält das Konzept von RHJ für "nicht akzeptabel". "Magna hat immerhin zugesagt, es gibt keine betriebsbedingten Kündigungen. Diese Aussage haben wir von Ripplewood noch nicht", sagte er zu Reuters.

Neben Magna bietet auch RHJ den Opel-Beschäftigten eine Mitarbeiterbeteiligung von zehn Prozent, wie aus dem Reuters vorliegenden Konzept des Finanzinvestors hervorgeht. Dafür verlangt der Ripplewood-Ableger jährlich Einsparungen von 250 bis 300 Mio. Euro beim Gehalt. Es sei bisher jedoch nicht klar, ob dies eine Kapital- oder eine Gewinnbeteiligung sei, sagte Franz.