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Wirecard-Skandal: Gut 10.000 Geschädigte in Österreich

Der Prozess gegen den inhaftierten Ex-Wirecard-Chef, Markus Braun soll in München im März starten. In Österreich kämpft die Kanzlei Breiteneder für Wirecard-Investoren, die viel Geld verloren haben.

Im Mega-Wirtschaftsskandal um die deutsche Pleitefirma Wirecard gibt es auch in Österreich eine große Zahl an Geschädigten - insgesamt wohl rund 10.000, schätzt der Wiener Anwalt Eric Breiteneder, der an der zivilrechtlichen Front dafür kämpft, dass geschädigte heimische Wirecard-Investoren zumindest einen Teil ihres Geldes zurückbekommen.

Bisher 100 Millionen Euro in Österreich angemeldet

Breiteneders Kanzlei hat die elektronische Plattform wirecardclaims.com eingerichtet, wo sich Geschädigte registrieren können. "Bisher haben sich dort 2.150 private und institutionelle Wirecard-Investoren eingetragen, deren Schadenssumme sich auf insgesamt 100 Millionen Euro beläuft", sagt Claudia Diermayr, die sich in der Kanzlei fast ausschließlich mit der Causa Wirecard beschäftigt. Rund 900 Forderungsanmeldungen habe man bisher in München eingebracht - dort findet im Wirecard-Insolvenzverfahren am 7. April die nächste Prüfungstagsatzung statt.

Forderungen bis Ende März anmelden

Betroffene sollten ihre Forderungen im Wirecard-Konkurs jedenfalls bis Ende März anmelden, empfiehlt Breiteneder - es sei nicht sicher, ob das danach noch möglich sein werde.

Aufsichtsrat und Wirtschaftsprüfer im Visier

Breiteneder hat 2020 für einen Wiener Wirecard-Investor eine Klage gegen einen ehemaligen Wirecard-Aufsichtsrat mit Wohnsitz in Wien sowie gegen die Wirtschaftsprüfer Ernst & Young eingebracht. Letztere hatten die Wirecard-Bilanzen jahrelang geprüft und für in Ordnung befunden - wie inzwischen herauskam, basierten diese Bilanzen auf milliardenschweren Luftgeschäften, waren also Fakes. Es geht im Kern um das Versagen der Kontrolle seitens der zuständigen Organe Aufsichtsrat und Wirtschaftsprüfer.

© Breiteneder
Wirecard-Skandal: Gut 10.000 Geschädigte in Österreich
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Das Oberlandesgericht Wien (OLG) hat vor Kurzem entschieden, dass für diese Klage in der Tat das Handelsgericht Wien zuständig ist. Rechtskräftig ist diese Entscheidung noch nicht - "Ernst & Young hat noch die Möglichkeit, ein außerordentliches Rechtsmittel zu ergreifen", sagt Breiteneder. "Wir gehen davon aus, dass sie das tun werden."

Im Schnitt 37.500 Euro Schaden pro Anleger

Die Wirecard-Investoren, die sich bei der Kanzlei gemeldet haben, seien im wesentlichen institutionelle Anleger wie Fonds oder professionelle Privatanleger. Klassische Kleinanleger habe es bei Wirecard seltener gegeben. Im Schnitt liege der Schaden bei 37.500 Euro pro Anleger. 

Insolvenzquote von 10 Prozent erwartet

Im Insolvenzverfahren rechnet die Kanzlei mit einer Quote von rund 10 Prozent. Davon getrennt zu betrachten seien die Haftungen von Abschlussprüfern und Aufsichtsorganen, "hinter denen natürlich eine Haftpflichtversicherung steht, mit einer Versicherungssumme von zumindest 300 Millionen. Euro", so Breiteneder. Insgesamt rechnet er, dass Geschädigte 50 Prozent bis zwei Drittel zurückbekommen könnten. 

Generell gelte, dass nur fünf bis zehn Prozent der Geschädigten in solchen Skandalen etwas unternehmen würden, um zumindest einen Teil ihres Geldes zurückzubekommen, sagt Breiteneder. Viele würden denken, man könne es nichts mehr machen. "Aber das stimmt nicht." Auch wenn man die Wirecard-Aktien nicht mehr halte, sei das kein Grund, Forderungen nicht anmelden zu können. 

Start mit Musterklagen für 13 Geschädigte 

Breiteneder hat nun fürs Erste Musterklagen von 13 Geschädigten, die eine Rechtsschutzversicherung haben, eingebracht. Weiteres folgt.

Buchautor Cornelius Granig, der in seinem Werk "Böses Geld" unter anderem den Wirecard-Skandal behandelt, wundert sich vor allem darüber, dass niemand hinterfragt habe, was bei der Firma eigentlich los sei. Kein Wirecard-Geschäftspartner habe anscheinend überprüft, ob hinter den seinerzeit fast täglichen Erfolgsmeldungen des Zahlungsdienstleisters tatsächlich Handfestes stand. 

Und Wirecard habe ja auch hohe Kredite aus Österreich erhalten. Granig: "Beispielsweise gehört mein früherer Arbeitgeber, die Raiffeisen Bank International oder die Raffeisen-Gruppe, ja auch zu den sehr, sehr stark Geschädigten von Wirecard, da man einerseits hohe Kredite vergeben hat an Wirecard und andererseits, weil auch die am 19. Februar 2020 verkündete Kooperation der Raiffeisen Bank International mit Wirecard kurz vor dem Ende von Wirecard natürlich nicht aufgegangen ist."

Hohe Raiffeisen-Kredite für Wirecard

Die Raiffeisenlandesbank Wien habe an Wirecard 60 Millionen Euro an Krediten vergeben, die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich 45 Millionen Euro. Laut Bloomberg habe auch die Raiffeisenbank in Salzburg 20 Millionen Euro Kredit an Wirecard vergeben. Das seien noch einmal über 100 Millionen Euro, also mehr, als bei der Plattform von Breiteneder angemeldet wurde.